Volltextsuche über das Angebot:

18 ° / 8 ° wolkig

Navigation:
„Storch Heinar": Mit Satire gegen rechtsextremen Lifestyle "Führerstorch" Heinar im ZiSH-Interview

Wenn das der "Führer" wüsste

"Führerstorch" Heinar im ZiSH-Interview

Der "Führerstorch" Heinar und die Initiative Endstation Rechts, die hinter der Satire steckt, engagieren sich gegen rechtsextreme Kultur. Für ZiSH nahm sich der langbeinige Vogel Zeit für ein Interview.

Den Rechten den Marsch blasen: Führerstorch Heinar mit seiner Band „Storchenkraft“.

Den Rechten den Marsch blasen: Führerstorch Heinar mit seiner Band „Storchenkraft“.

© dpa

„Führer“, Modezar, Heinar – wie sollen wir Sie denn eigentlich nennen?
Protokollarisch korrekt wäre „Führer-, Front- und Größter Modestorch aller Zeiten (GröMaZ)“, aber mein engeres Umfeld nennt mich einfach „Führer Heinar“.

Sie haben gerade Ihr Buch „Mein Krampf“ veröffentlicht. Was wollen Sie erreichen?
„Mein Krampf“ hat – bescheiden ausgedrückt – einen Sturm im Buchhandel ausgelöst. Ich lasse die Menschen teilhaben an meinem ruhmreichen Streben nach der modischen Weltherrschaft, ich spende Trost und mache Mut zum engagierten Kampf gegen die braune Brut.

Gleich zu Beginn schreiben Sie, dass Sie schon früh der größte Modedesigner aller Zeiten werden wollten. Was treibt Sie an?
Ich frage mich einfach jeden Tag, was ich tun kann, damit die Modewelt besser wird und weniger braune Leichtmatrosen ihr Unwesen treiben. Dabei fühle ich mich als treibende Kraft und gleichermaßen vom Schicksal getrieben.

Die 18 Episoden Ihres Buches sind ganz schön weinerlich: Sie wurden gehänselt, waren ein schwacher Jungstorch. Und auch noch dieses Darmleiden. Darf ein „Führer“ denn so viel Schwäche zeigen?
Wo viel Licht ist, gibt es auch Schatten. Nur durch die drastische Schilderungen der vielen schweren Hürden und harten Belastungen in meinem Leben wird doch deutlich, wie fest mein Willen und wie stahlhart mein Charakter in Wirklichkeit ist.

Die meisten denken bei Neonazis an Glatzenträger mit schwarzen Stiefeln. Was sind denn deren Modetrends 2011?
Von wegen polierte Platte und gewichste Stiefel. „Moderne“ Neonazis versuchen, durch fiese Fummel und schräge Klamotten die „lockeren Lifestyle-Lümmel“ zu geben und damit junge Menschen zu begeistern. Irres Konzept, aber deren Ernst! Genau diesen Kunden zeige ich klipp und klar, wo der Frosch die Locken hat und dass „Storch Heinar“ die einzig wahre Modemarke ist.

Sie haben den Prozess gegen das in rechtsextremen Kreisen beliebte Mode-
Label „Thor Steinar“ gewonnen. Endsieg?
Jawohl! Der Gegner wurde von mir im großen Modeverbrecherprozess von Nürnberg vernichtend geschlagen! Klarer Fall von als Tiger gestartet und als Bettvorleger gelandet.

Sie machen sich also weiter über die Marke und deren Träger lustig. Gab’s mal was auf den Schnabel?
Noch nie! Mein Eindruck: Mein Humor und die schicken Klamotten haben den Neonazis offenbar die Sprache verschlagen. Absolute Funk- und vor allem geistige Windstille herrschen da im Augenblick.

Erklären Sie uns Ihren Gegner?
Mein Gegner ist der schlechte Geschmack in jeder Hinsicht. Insbesondere die rechtsextreme Strategie, mit Klamotten und schräger Musik auf Bauernfang zu gehen, könnte niederträchtiger nicht sein. Dagegen gilt es vorzugehen.

Seit Kurzem machen Sie ja auch Musik. Was liegt denn da im Argen?
Rechtsextreme Modeopfer tragen nicht nur Klamotten, die einem Augenschmerzen bescheren, die hören zunehmend auch Musik, die einem die Nackenfedern sträubt. Heute gibt es ja für fast jede Musikrichtung einen Nazi-Verschnitt. Nazi-Hip-Hop, Nazi-Rock, Nazi-Blues, fehlt eigentlich nur noch Nazi-Klezmer. Dass ich nicht lache! Mit meiner neuen Band „Storchkraft“ geht es zurück zu den schmissigen Wurzeln.

Interview: Gerd Schild

ZiSH ist die junge Redaktion der HAZ. Hier schreiben Studenten, Azubis und Schüler über das, was sie bewegt. Jeden Dienstag und Freitag gibt es eine neue ZiSH-Seite in der HAZ. Du willst auch mitmachen? Dann bewirb dich gerne! mehr

19. Oktober 2017 - Sarah Seitz in Leben

Seit vier Jahren studiert Sarah in Hannover, es hat nicht sofort gefunkt. Doch mit der Zeit kam die Zuneigung. Ein Liebesbrief an das Uni-Leben in Hannover. Liebes Studentenleben in Hannover, Seit vier Jahren kennen wir uns nun.

mehr