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Fack ju Göhte 2 erobert die Kinocharts

Mit Teenieschwarm Elyas M'Barek Fack ju Göhte 2 erobert die Kinocharts

Kein Stress, keine Hausaufgaben und eine Klassenfahrt nach Thailand. Teenieschwarm Elyas M'Barek erobert als ultralockerer Lehrer Müller in "Fack ju Göthe 2" die Kinocharts.

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Quelle: dpa

Herr Müller ist der wohl außergewöhnlichste Lehrer an der Goethe-Gesamtschule. Hausaufgaben kommen bei ihm nicht vor, auch sonst übt er keinerlei Bildungsdruck auf seine Schüler aus. Und nur wenige Regeln gibt es in seiner Klasse, darunter die, dass Rauchen im Unterricht gestattet ist – allerdings nur ihm. Die 10b hat er mit seiner eher grobschlächtigen Pädagogik lammfromm gemacht, die Schülerinnen und Schüler der für unbelehrbar gehaltenen Klasse lieben ihn abgöttisch. Und ganz Deutschland liebt mit. Mit 17,6 Millionen Euro Umsatz hat „Fack ju Göhte 2“ das erfolgreichste Startwochenende eines deutschen Films bisher hingelegt. Von den Zuschauerzahlen her war nur Bully Herbigs Winnetou-Persiflage „Der Schuh des Manitu“ erfolgreicher.

Bekannte Film-Lehrer

Fack ju Göhte 2 ist gerade angelaufen und wurde bereits über zwei Millionen Mal angesehen. Kein Wunder bei dem coolen Lehrer. Die Jugendredaktion ZiSH stellt Zeki Müller und andere Lehrertypen aus Filmen vor.

Realismus im Kinomärchen? Herr Müller, eigentlich ein haftentlassener Bankräuber, der nur seine auf dem Schulgelände vergrabene Beute ausbuddeln wollte, verkörpert gleich zwei der fünf Lehrertypen aus dem Buch „Superlehrer + Superschule = Supergeil“ von Dirk Stötzer (der übrigens keinen der beiden Filme gesehen hat). Zeki Müller ist „der Faule“, der sich vor allen Extras drückt, wegen seiner Lockerheit aber dennoch beliebt ist. Und er ist „der Engagierte“, der seine Klasse – wenn auch stets aus eigennützigen Gründen – vom Hocker reißt. Müllers Schülerinnen und Schüler wollen jedenfalls nur unter seiner coolen Knute bis zum Abitur durchhalten, so bekunden sie unisono im Film. Stötzer, der 41 Jahre Lehrer war und zuletzt Oberschulrat, bezweifelt in seinem Buch den Sinn von Hausaufgaben und gibt Besonderem wie Exkursionen den Vorzug vor stetem Fachunterricht nach Vorschrift. Zumindest diesbezüglich geht er mit Zeki Müller d’accord, der im neuen Film mit seinen Schülern nach Thailand reist. Klassenfahrt deluxe.

Er ist der Kassenschlager des diesjährigen Kinojahres: der Film „Fack ju Göhte 2“. Hier gibt es Szenenbilder aus dem Streifen mit Elyas M'Barek.

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„Eine solche Reise nach Thailand wird es nie und nimmer geben“, lacht Matthias Isecke-Vogelsang, Schulleiter der Gotthard-Kühl-Gemeinschaftsschule in Lübeck, und hebt auf die Überzeichnungen des Films ins Märchenhafte ab. Gesehen hat er bislang nur den Vorgänger, will aber möglichst bald ins Kino. Das sei schließlich „Lehrerfortbildung“, sagt der bekennende Punk und Tote-Hosen-Fan, 62 Jahre alt und seit 1980 im Schuldienst. „Es soll jetzt nicht jeder den Herrn Müller kopieren, aber die Figur macht doch deutlich, dass man auch flexibel und mit Kreativität Bildungsziele erreichen kann“, führt er aus. Elyas M’Barek ist für ihn der Hauptgrund des Filmerfolgs, sein Müller sei eine großartige Identifikationsfigur: „Auf sehr witzige Art zeigt Müller doch, wie man mit schwierigen Erziehungssituationen umgehen kann.“

Dass Zuschauer der „Fack ju Göhte“-Filme möglicherweise bildungsfernere Schichten auslachen, wenn sie sich über die Schüler der 10b amüsieren, sieht Isecke-Vogelsang durchaus kritisch. Gerade werden an seiner Schule sechs Vorbereitungsklassen für Deutsch als Zweitsprache eingerichtet, in denen Flüchtlingskindern ein Jahr lang schwerpunktmäßig Deutsch beigebracht werden soll. „Wo gelacht wird, weil Menschen anders sind und Dinge nicht so gut können wie andere, sehe ich soziale Ausgrenzung, das darf es nicht geben.“ Das sei aber im Kino Charaktersche des Einzelnen, nicht der Filmemacher. „Wenn der Filmbesucher über Daniel und Chantal wegen deren Unwissenheit lacht, dann sehe ich das problematisch. Genausogut kann man aber mit ihnen über die jeweilige Situation lachen, weil man vielleicht mal was Ähnliches erlebt hat.“

Die Schauspieler Elyas M'Barek und die Sängerin Lena Meyer-Landrut kommen zur Filmpremiere „Fack Ju Göhte 2“ im Mathäser Filmpalast in München.

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Realitätsbezug sieht Isecke-Vogelsang in der im Film weidlich ausgeführten Konkurrenz zwischen der Goethe-Gesamtschule und dem Schillergymnasium. Die Botschaft, die Herr Müller seinen Schülerinnen und Schülern mit auf den Weg gibt, ist auch Isecke-Vogelsangs: „Wichtig ist mir, meinen Kindern zu vermitteln: Ihr seid genauso viel wert. Es geht darum, Rückgrat heranzubilden.“

Von Zeki Müller könne man lernen, sagt Isecke-Vogelsang. „Zwei Sachen machen für mich einen guten Lehrer aus: Was er im Kopf hat. Und was er im Herzen hat. Und mit den fortschreitenden Jahren gebe ich dem Herzen den Vorrang.“ Ob er mit seiner Klasse in „Fack ju Göhte 2“ gehen würde? „Was spräche dagegen? Gute Idee. Das ginge unter ,ästhetische Bildung’, ,medialer Bildung’ oder auch zur Untersuchung von Jugendsprache.

Von Matthias Halbig

Brief an einen Lehrer / von Sarah Seitz

Lieber Herr Braun, während andere Lehrer sich auf dem Weg zum Lehrerzimmer durch Schülermassen kämpfen mussten, teilte sich vor Ihnen der Weg automatisch. Sie waren einer der strengsten Lehrer der Schule. Die Stirn tief gerunzelt und mit einem Blick über den Brillenrand, der Schülerscharen erstarren ließ, thronten Sie hinter dem Lehrerpult.

Ihr Bewegungsradius war so groß wie die Motivation meiner Klasse. In der Neunten fing ich seltsamerweise an, mich auf Ihren Unterricht zu freuen, während meine Freundinnen vor jeder Stunde jammerten. Ich freute mich auf das deutsche Regierungssystem und das magische Sechseck.Zwar fand ich schon damals die Politik interessant. Aber motiviert, mich näher mit ihr zu beschäftigen, haben erst Sie mich. Bei Ihnen hatte ich das Gefühl, die Welt langsam verstehen zu können. Sie ließen uns selbst auf Lösungen kommen und ermutigten uns, nicht alles einfach hinzunehmen, sondern zu hinterfragen. Meine Antworten quittierten Sie mit einem anerkennenden Blick oder einem Schlag mit der flachen Hand auf den Tisch (das höchste Ihrer Gefühle).

Sie verlangten von uns auch, den Blick weiter als bis zum Nachbardorf zu wagen. Als ich Ihnen von einem Bewerbungsgespräch um einen Ausbildungsplatz erzählte, schüttelten Sie den Kopf. „Sie werden sich langweilen. Trauen Sie sich was!“ Ich müsse nicht aufs Studium verzichten, nur weil ich damit die Erste aus meiner Familie wäre. Vielleicht hätte ich ohne Sie nie studiert.
Ein netter Lehrer waren Sie trotzdem nie. Sie hatten immer einen Schüler auf dem Kieker. Viele entwickelten daraus einen Hass auf die Politik. Niemanden konnte ich für politische Themen begeistern, woraus mein Wunsch, es als Lehrerin selbst zu versuchen, entstand.

Wie Zeki Müller sahen sie zwar (leider) nicht aus, aber eines haben Sie mit ihm gemeinsam: Sie haben meine Schulzeit und Entscheidungen beeinflusst, jedoch nie auf eine väterliche Art. Ein echter Lehrer eben.

Ihre Sarah

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