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Warum Shisha-Bars eine Alternative zur Disco sind

Wasserpfeifen-Trend Warum Shisha-Bars eine Alternative zur Disco sind

R’n’B-Musik, süßlich-riechender Rauch und Neonlicht – orientalische Shisha-Bars sind ein beliebter Treffpunkt. ZiSH-Autorin Nina Hoffmann hat sich die Szene mal genauer angeschaut.

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„Shisha-Bars sind eine gute Alternative, um auszugehen“: Julia (links) trifft sich am Wochenende gerne mit Freunden in einer Shisha-Bar.

Quelle: Villegas

Julia zieht an dem dunkelblauen Gummischlauch und lässt Rauchschwaden aus Mund und Nase entweichen. „Die ist langsam tot“, erklärt die 21-Jährige naserümpfend und stochert mit der Zange in der glimmenden Kohle. Von den anderen Tischen steigen kleine Wölkchen auf und verteilen einen Duft-Mix aus Beeren, Minze und penetranter Süße in der Shisha-Bar. Junge Frauen und Männer mit umgedrehten  Basecaps und schwarzen Kapuzenshirts bringen den Inhalt der Shisha-Bowls zum Blubbern. Shisha rauchen ist eigentlich eine arabische Tradition, aber auch in Deutschland schießen immer mehr Shisha-Bars aus dem Boden.

Honigmelone aus der Pfeife

Zitronenkuchen mit Mandel, Honigmelone, Cappuccino, Minze – für die Geschmacksrichtungen des Tabaks gibt es keine Grenzen. Julia hat sich heute für ein Tabak-Gemisch aus den Geschmäckern Mango und Maracuja entschieden. Ihre Wochenenden verbringt die Studentin gerne mit ihren Freundinnen in den nur von buntem Neonlicht erhellten Bars. Etwa 8 Euro zahlen sie dabei für eine Wasserpfeife, die unter den Freundinnen umher gereicht wird. Bis der Tabak verbrannt ist und die Shisha als tot gilt, kann der süße Rauch inhaliert werden.

Shisha-Bar statt Disco

„Die meisten unserer Kunden sind zwischen 19 und 25 Jahre alt. Viele haben ausländische Wurzeln, darunter einige Araber“, erklärt Kellnerin Efi, die in einer Hannoveraner Shisha-Bar bedient. „Unsere arabischen Kunden verbinden das Shisha-Rauchen mit Heimat und Kultur“, sagt Efi. Doch längst haben auch andere die Wasserpfeifen für sich entdeckt. Die Bars sind ein multikultureller Treffpunkt. Die Halbukrainerin Julia und ihre kurdische Freundin Aisha (Name geändert) gehen regelmäßig dorthin: „Meine Familie findet es nicht gut, wenn junge Frauen nachts Party machen. Shisha-Bars sind für mich eine Alternative, um abends auszugehen. Und die Musik ist da ja genauso gut“, sagt Aisha.

Shisha rauchen – eine arabische Tradition

Ein Symbol der Gastfreundschaft ist die arabische Wasserpfeife Shisha in der morgenländischen Kultur. Dort wird sie ohne Fruchtaromen geraucht. Ihren Ursprung hat sie jedoch in Indien – wo sie aus einer Kokusnuss und einem Bambusstock bestand.
Traube-Menthol oder Bier – die Tabaksorten für die Shisha sind zahlreich. Die Sorte „Doppelapfel“ gilt in Europa als die bekannteste.
Etwa 1 086 000-mal pro Jahr wird in Deutschland nach dem Begriff „Shisha“ gegoogelt. Der Begriff geht auf das persische „schische“ zurück, was „Glas“ bedeutet.
Erst ab 18 Jahren ist der Konsum von Wasserpfeifen in Deutschland erlaubt, weil der Tabak neben Aromen – wie in herkömmlichen Zigaretten – Nikotin enthält. Die aufgenommene Nikotinmenge ist dabei um das 10 bis 15 Fache höher als bei einer Zigarette. Das liegt vor allem an der langen Rauchdauer einer Shisha. Auch die elektronische Alternative ist für Minderjährige seit letztem Jahr illegal.
Der Dampf der Shisha besteht unter anderem aus dem Stoff Propylenglykol. Er wird auch genutzt, um den Nebel in Clubs zu erzeugen – ebenso wie als industrielles Frostschutzmittel.
 

Emma Schell/ZiSH

Spaß mit Gesundheitsrisiko

Von den Warnungen des Bundesministeriums für Risiken (BfR), wonach das Shisha-Rauchen genauso wie das Rauchen von Zigaretten das Krebsrisiko erhöhen kann, lässt sie sich nicht abschrecken. Es ist ein Irrglaube, dass Wasserpfeife rauchen weniger schädlich ist als Zigarettenkonsum: Auch in Shisha-Rauch seien die gleichen gesundheitsschädlichen Substanzen wie Nikotin, Teer und Kohlenmonoxid vorhanden.
„Insbesondere die Gefahr des durch das Verbrennen der Holzkohle entstehenden Kohlenmonoxid wird sehr häufig unterschätzt“, sagt Udo Möller, Pressesprecher der Stadt Hannover. „In geschlossenen Räumen kann es dann schnell gefährlich werden.“ Die gesundheitlichen Risiken stören Julia nicht: „Jeder hat doch irgendein Laster. Wenn es nicht das Rauchen ist, ist es der Alkohol“, sagt sie.

Beliebter Treffpunkt

2016 ist der Absatz des Pfeifentabaks laut Statistischem Bundesamt im Vergleich zum Vorjahr um 45,6 Prozent gestiegen – darunter auch der Tabak der Wasserpfeife. Laut Möller gibt es in Hannover derzeit etwa 50 Shisha-Bars. Vor wenigen Jahren noch seien es deutlich weniger gewesen. „Mit der Zeit sind immer mehr unserer Freunde in die Bars gegangen. So kann man den Shisha-Bar-Trend gar nicht umgehen“, sagt Aisha. An den Abenden in den Shisha-Bars schätzt Julia besonders das gemütliche Beisammensitzen und das besondere Ambiente. Den traditionellen orientalischen Stil haben viele Bars bereits hinter sich gelassen. Das Design ist urban und modern: Im Hintergrund läuft R’n’B, lilafarbenes Neonlicht bestrahlt die golden verputzte Wand und die schwarzen Ledersessel. „Shisha-Bars sind nicht mehr nur ein Symbol arabischer Kultur, sie sind als Treffpunkt für junge Leute zum Trend geworden“, sagt Aisha.

 Nina Hoffmann

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