Volltextsuche über das Angebot:

23 ° / 18 ° Regenschauer

Navigation:
Warum Snapchat spannender als Facebook ist

Messenger Warum Snapchat spannender als Facebook ist

Facebook war gestern, heute schicken sich Jugendliche Nachrichten bei Snapchat. Die löschen sich nach kurzer Zeit von selbst. ZiSH-Autor Tim Klein erklärt, warum das trotzdem spannend ist. Und ein Snapchat-Profi gibt im Interview Tipps für Einsteiger.

Voriger Artikel
50 Pflichten für Studenten in Hannover
Nächster Artikel
„Einfach ausprobieren und Spaß haben!“

„Was ich bei Facebook oder Instagram poste, bleibt dort auch“, sagt unser Autor Tim. Bei Snapchat, der App mit dem markanten gelben Geister-Logo, sind Nachrichten maximal zehn Sekunden, nachdem der Empfänger sie gelesen hat, wieder gelöscht.

Quelle: Foto: von Ditfurth / Montage: Heinze

Hannover. Tanktop, Sonnenbrille, aufgemalte Tattoos und Jogginghose: So ging ich vergangenen Dienstag in die Schule. Ich sah aus wie die Typen in den Reality-Soaps, die den ganzen Tag auf dem Sofa liegen, Bier trinken und zwischen Videospiel-Leveln dümmliche Kommentare abgeben. Die perfekte Verkleidung für den zweiten Tag unserer Schul-Mottowoche, an dem das Thema „Assi“ lautete. Mein Kumpel hatte allerdings noch einen draufgesetzt: Er trug einen künstlichen Nasenring und aufgeklebte Strassohrringe. Wir hatten kaum das Klassenzimmer betreten, da kreischte schon eine Mitschülerin: „Guckt euch mal Max an!“ Schnell zückte sie ihr Smartphone und machte ein Foto von uns. Entspannt schob ich die Hände in die Taschen meiner Jogginghose. Ich wusste natürlich, dass sie das Foto sofort an zig andere Leute schicken würde. Doch peinlich würde es für mich eher nicht werden. Denn die meisten Bilder, die meine Freunde und ich zurzeit mit dem Handy aufnehmen, sind nicht für Face­book oder Instagram gedacht, sondern für Snapchat.

Was ich einmal auf Facebook oder Instagram poste, bleibt dort auch. Wer es sehen, lesen und teilen kann, kann ich nur begrenzt kontrollieren. Bei Snapchat ist das anders. Alles, was ich mit diesem Instant-Messenger aufnehme und verschicke, löscht sich innerhalb kurzer Zeit von selbst. Wenn ich ein Foto, auch einfach Snap genannt, gemacht habe, kann ich einstellen, wie viele Sekunden es für den Empfänger sichtbar ist. Zehn Sekunden ist die Obergrenze, danach ist das Bild gelöscht und kann auch nicht wiederhergestellt werden.

Das ist einer von vielen Reizen dieser App. Freunden von mir ist es nämlich schon passiert, dass sie peinliche Fotos über Whatsapp oder Facebook verschickt haben und bei Leuten landeten, die sie besser nicht gesehen hätten. Denn bei diesen Messengern hat der Empfänger immer Zugriff auf dieses Foto. Mit Snapchat passiert so etwas nicht.

Fünf Tipps für ?Snapchat-Fans

  1. Bei Snapchat kannst du entweder ein Bild oder ein bis zu zehnsekündiges Video verschicken. Je nachdem, wer das sehen soll, musst du wählen: Entweder schickst du den Snap direkt an eine Person aus deiner Kontaktliste oder sendest ihn in deine Story.
  2. Die Story ist der Grund, warum viele überhaupt bei Snapchat sind. Hier werden all die kurzen Schnipsel, die du den Tag über aufnimmst, versammelt und hintereinander geschnitten. Schaut sich jemand deine Geschichte an, sieht er also einen Tagebucheintrag aus Bildern und Videos. Das Besondere: Nach 24 Stunden sind die Inhalte wieder weg.
  3. Wenn du ein Foto oder Video gemacht hast, kannst du es bearbeiten: zum Beispiel Text ins Bild schreiben, freihand etwas hineinmalen, Emojis einsetzen, Farbfilter oder Lenses drüberlegen. Die Lenses, auf Deutsch Linsen, verfremden dein Gesicht, sodass du beispielsweise wie ein Zombie aussiehst oder Regenbogen kotzt.
  4. Freunde bei Snapchat zu finden ist nicht leicht. In der App gibt es nämlich keine Funktion, mit der du sie suchen kannst. Freunde fügst du über den Usernamen oder dein Adressbuch hinzu. Oder über den sogenannten Snapcode, der ähnlich wie ein QR-Code funktioniert.
  5. Wer sich für internationale News interessiert, sollte sich Snapchat Discover anschauen. Da erzählen ausgewählte Medienanbieter wie Vice und MTV täglich neue Geschichten.

maw

Snapchat ist viel privater als Facebook und Instagram. Bei Snapchat kann ich genau kontrollieren, wer meine Bilder und Videos sehen kann. Das ist ein Grund dafür, warum meine Freunde und ich uns kaum noch bei Facebook einloggen, aber ständig Snaps hin- und herschicken. Und damit sind wir nicht allein. Schon 200 Millionen Nutzer hat Snapchat zurzeit, von denen täglich etwa die Hälfte aktiv ist. Das klingt erst mal wenig im Vergleich zu Facebook mit 1,6 Milliarden Nutzern und Whatsapp mit 900 Millionen. Social-Media-Statistiken zeigen, dass die Snapchat-Community sehr schnell wächst.

Doch es gibt noch mehr Gründe, warum Snapchat der Messenger ist, den ich jeden Tag benutze. Es ist etwa eineinhalb Jahre her, dass ich das letzte Mal ein Bild auf Facebook gepostet oder meinen Status geändert habe. Früher habe ich das monatlich, wenn nicht sogar wöchentlich gemacht. Wenn ich heute mal auf Facebook bin, schaue ich mir nur Posts von den Seiten an, die ich gelikt habe. Facebook ist für mich mehr zum Zeitvertreib geworden als zum Messenger. Snapchat dagegen ist beides.

Es ist auch viel spontaner als Facebook oder Instagram. Wenn ich dort ein Bild poste, muss es sehr gut aussehen, da es für immer und jeden sichtbar ist. Bei Snapchat kann ich auch mal ein Foto machen, wenn ich länger auf den Bus warte - und es verschicken, ohne dass es peinlich wäre.

Snapchat langweilt nicht durch das millionste Katzenvideo. Stattdessen gibt es ständig Updates, mit denen ich meine Fotos noch witziger verzieren kann. Oder Funktionen wie „Live“, bei denen man in Echtzeit zuschauen kann, was andere Nutzer gerade machen. Kürzlich habe ich zum Beispiel angeschaut, wie American-Football-Fans mit Eimern voller Chicken Wings ihre Mannschaften beim Superbowl gefeiert haben. Das war ziemlich witzig. Snapchat ist für mich fast wie ein Tagebuch. Nur moderner. Und ohne die Alltagsprobleme.

Von Tim Klein

Snapchat-Experte im Interview

Im HAZ-Interview erklärt Philipp Steuer (25), Autor des Snapchat-Guides "Snap Me If You Can", warum gerade Jugendliche den Instant-Messenger Snapchat so lieben.

Seinen Guide gibt's als Gratis PDF unter snapmeifyoucan.net.

 

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus ZiSH

ZiSH ist die junge Redaktion der HAZ. Hier schreiben Studenten, Azubis und Schüler über das, was sie bewegt. Jeden Dienstag und Freitag gibt es eine neue ZiSH-Seite in der HAZ. Du willst auch mitmachen? Dann bewirb dich gerne! mehr

Der HAZ-Schreibwettbewerb hat begonnen

Die Sieger des großen HAZ-Schreibwettbewerbs stehen fest. Die besten Schülertexte zum Thema "Fremd" könnt ihr hier nachlesen.  mehr