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Was Uni-Mitarbeiter über Studenten denken

Übersicht Was Uni-Mitarbeiter über Studenten denken

Ein kaputtes Kabel, dass ausgetauscht werden muss oder ein hungriger Magen, der gefüllt werden will – dank Mensa und Pförtner sind diese Probleme schnell gelöst. Aber was denken die unauffälligen Uni-Helfer eigentlich über die Studenten? Wir haben nachgefragt.

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Über die Studenten des Conti-Campus hat Tanja Göhre von der Hauptmensa ein klare Meinung: „Da gibt’s die Nerds und die Fraktion ,Kaschmir‘.“

Quelle: Eberstein

„Ein ,Danke‘ würde schon genügen“

Wenn Tanja Göhre den Studenten Hannovers in der Hauptmensa das Essen ausgibt, schaut die 45-Jährige ganz genau hin. Gerade über die Juristen, Wirtschaftswissenschaftler oder Germanisten des Conti-Campus hat sie eine klare Meinung:  „Es gibt zum Beispiel die Nerds oder die Fraktion ,Kaschmir und Perlenkette‘.“ Unter Kollegen werde dann schon mal gescherzt, erzählt Göhre: „Der fährt einen dicken BMW, den Papa bezahlt hat.“  
Lange arbeitete die freundliche, aber taffe Angestellte in der Mensa der Tierärztlichen Hochschule. Für Tanja Göhre war das ein Arbeitsplatz der besonderen Art: „Manchmal büxten Rinder aus und liefen am Kantinenfenster vorbei – da blieben die Gäste gerne mal länger.“
Von Professoren und Angestellten wünscht sie sich manchmal etwas höflichere Umgangsformen: „Ein ,Danke‘ würde schon genügen!“ Wenn aber Studenten unhöflich sind, kann sie das besser verstehen: „Die haben schlechte Laune, weil sie so sehr unter Druck stehen!“  
Sie selbst versucht ein fröhliches Miteinander vorzuleben. Frei nach ihrem Motto: „Schlechte Laune legt man morgens am Spind ab!“ Vielleicht kommt daher das gute Verhältnis, das sie regelmäßig mit den Studienbeginnern pflegt. Obwohl sie keine Namen kennt, sieht sie die jungen Studenten vom ersten Tag bis zum Abschluss, fiebert in Klausurenphasen mit und hat eines in 23 Jahren Arbeit in den Uni-Mensen gelernt: Currywurst geht immer weg.

Katharina Kunert

„Meistens höflich“

Als Leiterin der Hotline und Mitarbeiterin des Service-Centers ist Andrea Frede der „Wegweiser an der Uni und erster Ansprechpartner“. Der 30-Jährigen macht ihr Job Spaß – die meisten Besucher seien schließlich höflich und dankbar, wenn sie etwa erfahren, wie genau ihre Uni-Bewerbung aussehen muss. Doch es gibt Ausnahmen: „Wenn die Anrufer nicht das hören, was sie möchten, werden manche mal beleidigend.“ Manchmal beschwerten sich Anrufer auch, dass sie außerhalb der Hotline-Zeiten niemanden erreicht hätten. Andrea Frede hört sich auch das geduldig an und hilft dann weiter – etwa mit Infos zu Uni-Öffnungszeiten. 

Elena Everding

 

„Fehler passieren“

Die Mitarbeiter des Prüfungsamtes hätten ein durchaus positives Bild von den Studenten, erzählt Johanna Hein. Routiniert erklärt die 23-Jährige den Maschinenbauern, die sie betreut, wie die Formulare ausgefüllt werden oder stellt ihnen ihr Abschlusszeugnis aus.
Außerhalb der Sprechzeiten verbucht Hein die Arbeit der Studenten in Form von Leistungspunkten. Um diese zu bekommen, müssen die Studenten zuerst ihre Prüfungen anmelden und bestehen. Beim Ausfüllen der Formulare durch die Studenten läuft manchmal etwas schief, dann bittet Hein die Studierenden noch einmal in die Sprechstunde. „Aber jeder macht ja mal Fehler.“

Elena Everding

 

„Es soll ein Miteinander sein“

Egal ob Reinigungskraft oder Professor: Wer am Wochenende etwas Wichtiges im Welfenschloss zu tun hat, lässt sich von Michael März die Schlüssel zu den Räumen geben. Der Pförtner gibt technisches Equipment aus und sorgt seit drei Jahren für reibungslose Abläufe an der Leibniz-Uni.
Sowohl im Schloss als auch am Conti-Campus sitzen Pförtner, an die sich Studierende wenden können, wenn ein Fahrstuhl steckenbleibt oder es Probleme mit der Ausstattung der Uni gibt. Studierende verhalten sich Michael März gegenüber respektvoll und kommen auch manchmal zu ihm, um sich zu unterhalten. Er findet das spannend, denn „dabei erfährt man Sachen über das Studentenleben, die man sonst nicht so weiß“.
Er erkennt viele Studierende wieder, vor allem die, die regelmäßig nachts in der Uni lernen. Das Welfenschloss hat 24 Stunden geöffnet, die Pforte ist immer besetzt. Zu später Stunde herrscht Ausweispflicht. Dann dürfen sich nur noch Bedienstete und Studierende in der Uni aufhalten. Michael März macht dann seine Rundgänge und kommt dabei auch mit den Studierenden in Kontakt. „Es soll ja auch ein Miteinander sein“, findet er.
Nachts kommt es manchmal vor, dass sich jemand nicht an die Hausordnung hält. „Studenten, die hier lernen, müssen wir eigentlich nie ermahnen“, meint März. Nur diejenigen, die im Sommer im Welfengarten grillen und feiern, sorgen für Unruhe – dann muss er eingreifen. Aber das nimmt März mit Humor.

Mareke Heyken

 

„Jeder braucht doch mal Ablenkung“

Studierende haben zwar alle Tablets, Laptops und Smartphones, kommen aber trotzdem mit vielen Programmen nicht zurecht. Dabei helfen dann Hardy Warlich und Jenni Rügge: Sie sind Mitarbeiter der Technischen Informationsbibliothek (TIB) am Welfenschloss und unterstützen Studierende auch auf ihrer Suche nach Büchern.
Laut Hardy Warlich kommen seit der Bologna-Reform und der Umstellung vom Diplom zu Bachelor und Master viel mehr Studierende in die Bibliothek, um zu lernen. Dass dabei jeden Tag die gleichen Fragen kommen, stört die beiden nicht. Sie haben Studierenden auch schon bei ihren Bewerbungen geholfen. „Dann bedanken sich die Studenten mit Schokolade“, berichtet Jenni Rügge, die Informationsmanagement studiert hat.
Manchmal steigt der Lärmpegel in der Bib, weil Studierende telefonieren oder sich laut unterhalten – so, als hätten sie vergessen, dass  sie in einer Bibliothek sind. Vielleicht liege das daran, dass der Eingangsbereich seit dem Umbau vor zwei Jahren offener sei, meint Warlich.
Aber beide arbeiteten gerne mit Studierenden zusammen. Schließlich gucken sie sich auch etwas von ihnen ab – Jenni Rügge sieht immer mal einen neuen Modetrend, der ihr gefällt. Gerade sind es lange Strickjacken.
Nicht wenige Studenten lenken sich in der Bibliothek  ab, indem sie You­tube-Videos gucken – und schämen sich dann immer ein bisschen, wenn die Mitarbeiter das sehen. Hardy Warlich sieht das nicht so eng: „Jeder braucht doch mal Ablenkung“, sagt er lachend. 

Mareke Heyken

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