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Was bei der Vorabi-Klausur alles nervt

Abitur-Prüfungen Was bei der Vorabi-Klausur alles nervt

Verwirrende Fragen, müffelnder Nudelsalat und kreischende Kinder: ZiSH-Autorin Emma Schell ist während ihrer Vorabi-Klausur genervt. In einem Protokoll schreibt sie auf, wie ihre Politik-Klausur verlaufen ist.

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Der Kopf tut weh: Emma Schell hat bei ihrer Vorabi-Klausur nicht nur mit den Aufgaben, sondern vor allem mit Ablenkungen zu kämpfen. 

Quelle: Franson

7.20 Uhr: Wenn der Wecker klingelt, brauche ich am Montagmorgen normalerweise ewig, um wach zu werden. Heute ist das anders. Denn ich schreibe mein Vorabi in Politik, also eine Klausur unter Abiturbedingungen. Meine Motivation hält sich in Grenzen. Ich kann mir Besseres vorstellen, als 300 Minuten in einem engen, stickigen Raum eingesperrt zu sein.

7.40 Uhr: Fünf Minuten vor Klausurbeginn trudeln die Letzten ein und fläzen sich gemächlich auf ihre Plätze. So gelassen wäre ich auch gern. Aber stattdessen habe ich heute extra einen Bus früher genommen, um ja nicht zu spät zu kommen. Schon während der Busfahrt blätterte ich immer wieder meine Lernzettel durch. Wie alle anderen frage ich mich, was genau wohl drankommen wird. Unsere Lehrerin war da relativ unpräzise. Einerseits nimmt dies den Druck, andererseits fühle ich mich weniger gut vorbereitet. Diese Klausur ist für mich ein bisschen wie ein Überraschungsei, erst wenn man es öffnet, sieht man, was drin ist. Die Mehrheit tippt auf eine Karikaturanalyse.

Mich nerven die Leute

7.42 Uhr: Hektisch tauschen Mitschüler Doppelbögen aus. Weil die Regeln des Abiturs gelten, darf nur auf den durchlinierten, zur Hälfte geknickten Heftseiten geschrieben werden. Plötzlich fragt ein Mitschüler: „Wie war das noch einmal mit fragilen Staaten?“ Ich verdrehe die Augen. Dass fragile Staaten sogenannte schwache Staaten sind, die ihre Aufgaben für das Gemeinwohl nicht mehr richtig erfüllen können, müsste er doch wissen. Schließlich ist diese Definition Hauptbestandteil bei unserem Thema „Internationale Friedenspolitik“. Mich nerven die Leute, die einen noch ein paar Minuten vor dem Beginn der Klausur mit Fragen verwirren.
 
7.45 Uhr: Die Klausur wird ausgeteilt. Gespannt drehe ich die Blätter um. Die Vermutung von mir und meinen Klassenkameraden hat sich bestätigt. Wir müssen einen Text und eine Karikatur bearbeiten. Dazu gibt es vier Aufgaben. Mit dem Adrenalin kommt auch meine Motivation. Zügig fange ich an, den Text zu lesen, zu strukturieren und mir Notizen zu machen.
8.15 Uhr: Gefühlt nur ein paar Minuten später gucke ich auf die Uhr. Verwundert stelle ich fest, wie schnell die Zeit vergeht. Vielleicht werden sich die 300 Minuten doch nicht so in die Länge ziehen. Ich bin verunsichert: Muss ich schneller arbeiten?

8.30 Uhr: Die erste Aufgabe ist geschafft. Verschiedene Aussagen mussten aus dem Text herausgearbeitet werden. Ich gönne mir eine kurze Pause und beiße von meiner Möhre ab. Dumm, dass ich nicht daran gedacht habe, wie laut sie knackt. Alle starren mich an.

Diese Schüler-Typen gibt es in jeder Klausur

Ein Problem hat der Nervöse nicht: Im Gegensatz zu seinen Klassenkameraden hat er gelernt – sehr viel gelernt. Ob er genug gebüffelt hat, darüber ist er dennoch unsicher. Während des Schreibens hört man verzweifelte Flüche aus seiner Ecke. In einem Wahnsinnstempo konstruiert er kryptische Nebensätze, um nach der Klausur zu sagen: „Ich weiß nicht, ob ich ausführlich genug war.“ 

Ohne Mampf kein Kampf ist das Motto der Entspannten. Deswegen wird beim Durchlesen der Klausuraufgaben erst einmal gegessen: Beim Verschlingen weichgekochter Eier, Salamibrötchen und exotischer Obst-Smoothies nimmt sie gemächlich den Stift zur Hand. Nach einer halben Stunde geht die Entspannte das erste Mal aufs Klo und nach jeder Pause lockt die Raucherecke. 

Der Detailversessene findet immer ein Haar in der Suppe, auch wenn – wer auch immer für die Klausur verantwortlich ist – darauf geachtet hat, die Fragen und Arbeitsaufgaben klar zu formulieren. Der Detailverliebte drangsaliert die Anwesenden mit der Auslegung von Nebensätzen. Die Antworten des Lehrers verwirren den Rest der Klasse – und währenddessen läuft die Arbeitszeit.

Wer die Klausur als Erste abgibt, ist für fünf Minuten der Rockstar unter den Schreibern. Wie hat sie das geschafft? War sie so gut vorbereitet? Oder hat sie einfach nicht gelernt? Fragen über Fragen, die sich um die Erste ranken und die Mitschüler von der eigenen Arbeit ablenken. Ob Geschwindigkeit vor Qualität kommt, zeigt sich spätestens bei der Rückgabe der Klausuren. Von Manuel Behrens

8.50 Uhr: Bis jetzt scheinen die meisten noch gelassen zu sein. Alle arbeiten ruhig und konzentriert. Plötzlich geht eine Mitschülerin mit ihrer Klausur nach vorn. Ein Raunen geht durch den Kurs. Ich bin erstaunt: Will sie etwa schon abgeben? Doch sie stellt nur eine Frage.

9.15 Uhr: Die große Pause beginnt und mit ihr der Lärm. Dauernd reißt irgendwer unsere Tür auf, um sie danach mit einem genuschelten „’tchuldigung“ wieder zuzuknallen. Meine Sitznachbarin nutzt die Zeit, um zu brunchen. Nach und nach breitet sie ein komplettes Picknick vor sich aus: eine große Thermosflasche, Würstchen und sogar eine Dose mit selbst gemachten Nudelsalat sind dabei. Der penetrante Geruch von Mayonnaise, Ei und Würstchen breitet sich zunehmend aus und vernebelt meine Sinne. Etwas frische Luft wäre gut, doch an lüften ist jetzt nicht zu denken – schließlich kreischen auf dem Hof die Fünft- und Sechstklässler.

Mein Kopf tut weh

10.50 Uhr: Ich stecke immer noch in der Karikaturanalyse fest. Eigentlich sollen einen Karikaturen zum Schmunzeln bringen. Diese hingegen ist echt öde. Unerwartet geben die Ersten schon ab. Ich bin geschockt und frage mich, wie die das nur in der Hälfte der Zeit geschafft haben. Mein Herz pocht schneller und ich fange an zu schwitzen. Beim Betrachten der Menge, die ich noch bearbeiten muss, sinkt meine Motivation auf null. Gleichzeitig realisiere ich, dass ab jetzt keiner mehr auf die Toilette gehen darf. Schließlich würde sonst die Gefahr bestehen, dass die Schüler sich untereinander absprechen. Ich beschließe, ab jetzt nichts mehr zu trinken.

11.45 Uhr: Musik gemischt mit englischen Vokabeln schwallt von einem Nachbar-Klassenraum zu uns hinüber. Das ist wahrscheinlich irgendeine englische Hörverstehens-Übung. Na toll, das hilft nicht gerade, sich an komplizierte, politische Zusammenhänge zu erinnern. Langsam fängt mein Kopf an wehzutun. Trotz des zunehmenden Pochens in meiner Stirn versuche ich, mich wieder auf die Aufgabe zu konzentrieren.

Ab in die Freiheit

12.30 Uhr: Alle anderen Schüler sind schon gegangen. Nur ich und der Lehrer sind übrig geblieben. Mich beunruhigt das nicht. Ich weiß, dass ich immer sehr viel schreibe, und unter Stress fällt es mir leichter, nachzudenken. Trotzdem beneide ich die Anderen darum, schon alles hinter sich zu haben. Während ich noch an den letzten Formulierungen feile, tapert die Aufsicht ungeduldig auf und ab.

12.55 Uhr: Nachdem ich endlich abgegeben habe, fühle ich mich ausgelaugt. Mit gemischten Gefühlen trete ich aus dem engen Raum hinaus in die Freiheit – und freue mich einfach nur noch auf mein Bett.

Von Emma Schell

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