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Was du übers Studium wissen musst

Schüler fragen, Studenten antworten Was du übers Studium wissen musst

Darf man in der Vorlesung Kaugummi kauen? Und gibt es an der Uni eigentlich mündliche Noten? Im Studium wird vieles anders, als es in der Schule war. Wir haben Fragen von Schülern gesammelt – und sie beantwortet.

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Gibt es an der Uni eine Sitzordnung? Und gehen Studenten tatsächlich so oft feiern, wie man immer hört?

Quelle: Franson

Bekommt man mündliche Noten?
Nein. Die meisten Dozenten verzichten auch darauf, ihre Studenten einfach so dranzunehmen. Trotzdem sollte man mitarbeiten: Denn wer gute Beiträge abliefert, kann sich mit den Profs gutstellen.

Wann herrscht Anwesenheitspflicht?
Das ist unterschiedlich und von den Dozenten abhängig. In größeren Vorlesungen muss man sich meist nicht in eine Anwesenheitsliste eintragen. Herrscht allerdings Anwesenheitspflicht, darf man maximal dreimal fehlen. Wer öfter wegbleibt, kann in diesem Kurs keine Prüfung absolvieren – und kriegt auch keine Punkte.

Sitzen die coolen Leute immer noch hinten?
Ja, die hinteren Plätze sind heiß begehrt. Da kann man schließlich am unauffälligsten auf dem Smartphone herumdaddeln. Da aber einige Dozenten ausgesprochen leise reden oder ihr Mikrofon schlecht einstellen, kann es hinten recht schwer werden, dem Stoff zu folgen.

Bekommen wir da Hausaufgaben?
Hausaufgaben, wie man sie aus der Schule kennt, gibt es nicht. Als Student muss man aber oft mehr Referate halten und Hausarbeiten schreiben als in der Schule. Häufig muss man Vorlesungen noch nachbereiten und eine Menge lesen. Das dann aber viel selbstbestimmter und freier als in der Schule – wann man was macht, kann man sich selbst einteilen.

Muss ich mir Bücher besorgen?
Für einige Kurse braucht man tatsächlich Fachliteratur – und die ist extrem teuer. Am besten fragt man ältere Semester oder schaut im Uni-Netzwerk Stud.IP nach gebrauchten Exemplaren. Das ist billiger. Bücher, die man nur für Hausarbeiten oder Referate braucht, gibt es aber fast immer in der Uni-Bibliothek.

Kann ich meinen Stundenplan selbst bestimmen?
In den meisten Studiengängen kann man sich seinen Stundenplan selbst zusammenstellen. Allerdings gibt es auch Pflichtveranstaltungen und Wahlpflichtkurse, die man belegen muss.

Gibt es Klausuren? Kann man dabei spicken?
Ja und ja. Neben mündlichen Prüfungen und Hausarbeiten erbeutet man sich seine Punkte durch normale Klausuren. Ob spicken hilft, kommt auf den Dozenten an. Da ist es wie bei Lehrern: Es gibt aufmerksame Adleraugen und große Schnarchnasen.

Wie wird man benotet? Ist die Note wichtig?
Noten werden in Dreierschritten von 1,0 bis 5,0 vergeben. Wer schlechter als 4,0 ist, fällt durch. Auf jede Leistung gibt es Punkte, sogenannte Credit Points. Um den Bachelor zu bekommen braucht man mindestens 180 Punkte, die man durch Seminare und Prüfungen sammelt.

Darf man Kaugummi kauen?
Das kommt auf den Dozenten an. Und auf die eigene Etikette: Ob man während einer hitzigen Diskussion ein Wurstbrot verspeisen muss, sollte man sich zweimal überlegen.

Kann man sitzen bleiben?
Nicht direkt. Es kann aber durchaus passieren, dass man einen Kurs nicht angerechnet bekommt, weil man durch Prüfungen gefallen ist oder nicht oft genug anwesend war. Dann muss man die Prüfung nachschreiben und manchmal den Kurs im nächsten Semester noch mal belegen. Wer jedoch dreimal durch die selbe Prüfung fällt, wird von der Universität exmatrikuliert und darf nicht weiterstudieren. Wie lange man für das Studium braucht, kann aber sowieso jeder selbst entscheiden – die Regelstudienzeit gilt nur als Orientierungsgröße.

Kann ich mein Fach später wechseln?
Das hängt vom Studiengang und der Universität ab. Auf jeden Fall sollte man sich über eine mögliche Anerkennung von Leistungen informieren. Sind die Studiengänge sehr unterschiedlich, kann es sein, dass die bisherige Studienzeit für den neuen Studiengang nicht anerkannt wird und ein früheres Semester nachgeholt werden muss. Auch beim Bafög-Amt sollte man sich erkundigen – studiert man schon lange, wird unter Umständen die Unterstützung gestrichen.

Geht man als Student wirklich so oft feiern?
Mit den richtigen Kommilitonen ja. Vor allem auf WG-Partys vorzuglühen und dann in Clubs zu gehen ist sehr beliebt. Viele Studis halten sich außerdem den Freitag frei und gehen dann am Donnerstag feiern.

Kostet das Studieren was?
Ob man für das Studium bezahlen muss, ist in jedem Bundesland unterschiedlich. In Niedersachsen wurden die Studiengebühren 2014 abgeschafft, nur Langzeitstudenten müssen 500 Euro pro Semester bezahlen. Für alle anderen wird nur ein sogenannter „Semesterbeitrag“ fällig – der ist je nach Studiengang unterschiedlich und liegt bei 200 bis 400 Euro.

Schlafen Studenten wirklich immer so lange?
Als Student gewöhnt man sich schnell einen anderen Rhythmus an und geht später ins Bett – und schläft, wenn es Stundenpla und Nebenjob zulassen, auch gerne länger.

Wie findet man in einer Vorstellung mit mehreren Hundert Kommilitonen überhaupt Freunde?
In der Einführungswoche lernt man die Kommilitonen aus seinem Studiengang kennen und wird in Gruppen eingeteilt. Wer offen und freundlich auf andere zugeht, findet so auch schnell Anschluss.

Gibt es eine Sitzordnung?
Nicht direkt. Für Vorlesungen und Seminare wechselt man häufig die Räume. Obwohl es keine feste Ordnung gibt, setzen sich Gewohnheitstiere meistens auf die selben Plätze.

Studiert man nur mit Leuten aus dem gleichen Semester?
Viele Kurse sind gemischt, da man sich seinen Stundenplan selbst legen kann. So kann es sein, dass auch mal Studis aus höheren Semestern in Seminaren sitzen, die dort ihre Prüfung noch(mal) machen müssen.

Kennen die Dozenten die Namen der Studenten?
In großen Vorlesungen ist es unmöglich, alle Namen zu kennen. In kleinen Seminaren merken sich die Dozenten nach einer Weile aber auch die Namen.

Muss ich für die Klausuren mehr lernen als fürs Abi?
In jedem Kurs kommt eine Menge Stoff zusammen, und Klausuren dauern oft nur ein bis zwei Stunden. Man braucht also viel Stoff, von dem allerdings längst nicht alles drankommt. Kurz: Ja, die Klausuren sind aufwendig.

Wer bekommt Bafög, und wie beantrage ich das?
Die wichtigsten Infos und einen Bafög-Rechner gibt’s auf www.bafög.de.

Mitarbeit: Martin Wiens, 
Manuel Behrens und Clara Hellner

Student auf Probe: Mit diesem Start-up klappt’s

Was man als Schüler übers Studentenleben wissen muss, lernt man nicht, indem man sich in eine Schnuppervorlesung beim Tag der offenen Tür setzt. Klar, das reicht, um einen ersten Eindruck von der Uni, der Stadt und dem Studiengang zu bekommen – für mehr aber auch nicht. Denn zum Studentsein gehört mehr als das, was im Vorlesungssaal passiert.

Das weiß auch Svanja Kleemann, Gründerin vom Berliner Social-Start-up One Week Student. Sie selbst hatte nach dem Abitur Probleme, einen geeigneten Studiengang zu finden. Die 28-Jährige entschied sich schließlich für „Politik und Verwaltung“ in Konstanz. Um es künftigen Studienanfängern leichter zu machen, startete sie im März 2012 den kostenlosen Service One Week Student, der sich durch Fördergelder von Hochschulen und Spenden finanziert.

Die Idee dahinter: Wer als Schüler teilnimmt, lebt für drei bis fünf Tage genauso wie ein Student. Er setzt sich nicht nur mit in die Vorlesungen, sondern kommt auch mit zum Hochschulsport und zum Vortrinken für die Studentenparty. „Der Schüler soll für die Zeit der Schatten des Studenten sein“, sagt Kleemann. Im Idealfall wohnt er sogar beim Studenten mit in der Wohnung. Weniger als drei Tage Begleitung sieht das Konzept jedoch nicht vor.

Und der Student? „Der macht einfach das, was er sowieso immer macht“, sagt Kleemann. Die Plattform funktioniert wie eine Partnerbörse: Schüler und Studenten können sich auf www.oneweek
student.de kostenlos anmelden. Wer schon studiert, gibt seine Studienfächer an und schreibt ein paar Dinge zu seiner Person. Auch die Schüler legen sich ein Profil an. Sie können dann die Plattform durchsuchen und schauen, ob ein Student dabei ist, den sie gerne mal begleiten würden. Dann können sie ihn anschreiben und ihn begleiten, wenn alles gut läuft.

In Hannover ist der Service noch ein Geheimtipp: 40 Schüler und 15 Studenten sind dort bislang angemeldet. Drei Schnupperwochen konnten in Hannover bereits vermittelt werden, fünf stehen noch aus. Immerhin 13 Studiengänge stehen hier zur Auswahl – von Englisch über Medizin bis Bauingenieurwesen.

Insgesamt hat One Week Student derzeit fast 6200 Nutzer, davon 4500 Interessenten und 1700 Gastgeber. Der Bedarf ist groß – kaum jemand weiß schließlich im Vorfeld ganz genau, was ihn an der Uni erwartet.
Das Start-up will nicht nur dabei helfen, den richtigen Studiengang zu finden: „Viele Schüler stehen auch vor der Frage, ob studieren als solches überhaupt das Richtige für sie ist“, sagt Kleemann. Um darauf eine Antwort zu finden, kann es helfen, eine Woche lang wie ein Student zu leben. Denn Student sein heißt auch, keinen festen Tagesablauf zu haben, sich selbst organisieren zu können. Student sein heißt, niemals Feierabend zu haben. Und manchmal kann Student sein auch heißen, pleite zu sein und sich die letzten Tage des Monats von Nudeln und Ketchup zu ernähren. Das alles macht das meistens sehr schöne Studentenleben manchmal ganz schön anstrengend.

Martin Wiens

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