Volltextsuche über das Angebot:

20 ° / 14 ° wolkig

Navigation:
Was in den Ecken des Kinderzimmers lauert

Peinliche Jugendschätze Was in den Ecken des Kinderzimmers lauert

Den Bauch vollschlagen und Ostereier suchen – für viele Studenten wird das kommende Wochenende eine kleine Zeitreise zurück in die Kindheit. Doch in den Ecken des alten Kinderzimmers finden sich oftmals ganz besondere Schätze. Fünf ZiSH-Autoren haben sich schon einmal auf die Suche gemacht.

Voriger Artikel
Studieren mit Stipendium
Nächster Artikel
Keine Langeweile an Ostern

ZiSH-Autorin Rebecca Gerigk mit ihrer Schweinesammlung aus Kindheitstagen.

Quelle: Gerigk

Hannover. Ein kleines rosa Plastikschweinchen fällt von meinem Kleiderschrank, als ich meine Erstsemestersachen darauf verstauen will. Neugierig inspiziere ich den Inhalt der Plastiktüte, aus dem das kleine Tierchen entwischt ist.

Und siehe da: In der Tüte steckt eine ganze Schweineherde. Ob aus Holz, Ton, Plüsch, Plastik oder Porzellan – ganze 64 verstaubte Exemplare befördere ich ans Tageslicht. Bei einer besonders hässlichen Sau mit Geldschlitz auf dem Rücken fällt mir dann auch wieder ein, was da vor mir liegt: mein Schweineland. Als Kind hielt ich Diddlblätter und Pokémon-Karten für langweilig.

Weil Schweine seit ich denken konnte meine Lieblingstiere waren, lag es nahe, leidenschaftliche Schweinesammlerin zu werden. Dass ich bei Diddl-Tauschgeschäften nur zuschauen konnte, war mir egal. Dafür hatte niemand so viele Schweinchen wie ich. Und egal, wie sehr ich staubputzen gehasst habe, die Herde thronte immer blitzeblank im Kinderzimmer.

Mit 10 Jahren war mir meine Sammlung dann plötzlich saupeinlich und musste einem CD-Player weichen. Wegwerfen will ich aber auch heute keines der 64 Borstentiere. Man entsorgt ja auch nicht einfach seine geliebte Autogrammsammlung.

Rebecca Gerigk

<br>

Für mich peinlich

Neues rein, Altes raus: Mein Kleiderschrank platzt aus allen Nähten. Zeit, ihn für die Frühlingskollektion umzuräumen und die dicken Rollkragenpullis endlich rauszuschmeißen.

Beim Ausräumen meiner Sachen finde ich ein zusammengeknülltes weißes Shirt in der hintersten Ecke. Ich habe überhaupt keine Ahnung, was es für ein Teil ist. Doch dann sehe ich den violetten Schriftzug: „Yvonne Catterfeld“.

Sofort sehe ich mich wieder in der Konzerthalle der TUI Arena stehen, wo ich um ein Autogramm von der Sängerin bettle. Zehn Jahre ist das jetzt her. Es war mein allererstes Konzert, meine Mutter schenkte mir die Karten zu meinem 11. Geburtstag. Zu Hause zog ich mir mein Yvonne-Catterfeld-Shirt an, bevor wir uns auf den Weg machten. Schon im Auto hatten wir die CD gehört.

Plötzlich kommt mein Bruder rein und reißt mich aus meinem Tagtraum. Er sieht mich mit dem Catterfeld-Shirt auf dem Boden sitzen – und fängt an zu lachen. Wie früher. Mein alter Musikgeschmack ist mir peinlich. Während ich den Spott meines Bruders über mich ergehen lasse, entscheide ich: Es wird höchste Zeit, das Shirt endlich mal aus meinem Kleiderschrank zu verbannen.

Verena Gaßmann

<br>

Endlich Freischwimmer

In meiner Schlafzimmerkommode schlummert eine alte Keksdose. „Leibniz-Keks“ steht darauf in geschwungenen Lettern. Darin: Erinnerungen. Partyfotos von meiner Ex-Freundin hausen neben einem aufwendig zusammengebastelten Notizbuch – ein Geburtstagsgeschenk meiner besten Freundin.

Als ich beim Durchstöbern plötzlich einen blauen Papierlappen in der Hand halte, läuft mir kalter Schweiß den Rücken hinunter. „Deutscher Jugend-Schwimmpass“ heißt es auf der Vorderseite.

Es schnürt mir den Hals zu. Ich fühle mich wieder wie der 10-jährige Pimpf, der von Angst zerrissen am Beckenrand hockte, während meine Klassenkameraden alle schon das Silber-Abzeichen machten. Für mich war diese Zeit der blanke Horror. Ich hasste es, vom Schwimmlehrer ins Wasser gedrängt zu werden. Ich hasste es, mich unbeholfen am Beckenrand entlangzuhangeln. Ich hasste es, wie meine Klassenkameraden mich dafür auslachten, dass ich mich nicht traute, vom 3-Meter-Brett zu springen. Und ich schämte mich für meinen schlacksigen, halbnackten Körper.

Heute liebe ich es, im Schwimmbecken meine Bahnen zu ziehen. Doch den Schwimmpass verstaue ich besser wieder unter fröhlichen Fotos alter Zeiten.

Joss Doebler

<br>

Liebes Tagebuch

Irgendwo war doch das Skript aus dem ersten Semester. Während ich in meinem Schrank herumwühle, finde ich allen möglichen Kram, nur nicht meine Vorlesungsnotizen. Hinter den Büchern werde ich von einer Kiste überrascht.

Darin finde ich mein Tagebuch. Was drinsteht, weiß ich nicht mehr. Es ist abgeschlossen und den Schlüssel habe ich schon vor Jahren verloren. Ich vermute pubertäre Probleme und viele Peinlichkeiten. Kurz entschlossen nehme ich eine Zange und breche es auf. Das Datum auf der ersten Seite erschreckt mich: 29. Januar 2007. Da war ich ja wirklich gerade mal 13 Jahre alt. Seite für Seite durchblättere ich mein doch sehr eintöniges Leben aus der Zeit der Bravo-Poster und Pferde-T-Shirts. Gedanken wie „Die erste Stunde ist ausgefallen“ oder „Um halb fünf habe ich Klavier“ sind nicht sehr tiefgründig. Ich erinnere mich, dass die coolen Kinder in den Filmen immer ein Tagebuch hatten. So wollte ich auch sein.

Spannende Dinge wie die aus Hollywood blieben aber aus. Stattdessen bringen mich Sätze wie „Es ist VOLL fies! Mein Zeugnis ist besser als das von meinem Bruder, aber er kriegt genauso viel Geld wie ich!“ zum Lachen. Ein Drehbuch könnte man nicht draus machen, aber für mich bleibt es trotzdem eine schöne Erinnerung.

Anne-Sophie Lucas

<br>

Zurück in die Zukunft

„Lieber Finder! Bitte lassen Sie die Zeitkapsel im Boden“, steht mit dicken braunen Buchstaben auf das Papier geschrieben. Der Zettel klebt unter dem durchsichtigen Deckel einer tellergroßen Tupperdose. Nur, dass es für meine drei Freundinnen und mich vor acht Jahren eine Zeitkapsel war.

Jetzt fällt sie mir beim Kramen im Keller in die Hände. Ich muss schmunzeln, weil ich daran denken muss, wie heilig uns die „Kapsel“ damals war. Unser großes Geheimnis, von dem niemand wissen durfte. „Top Secret“ war auch der Inhalt: Fotos, Steckbriefe, ein Armband. Die Idee dazu kam uns, nachdem wir den Film „Crossroads“ mit Britney Spears gesehen hatten. Wie im Film sollte jede von uns ein paar „Schätze“ opfern. Also stiftete ich ein Foto von meinem Wellensittich, meine Freundin ein Freundschaftsarmband, eine andere ihren Lieblings-Button. Wir vergruben die Kapsel an einem Waldrand in der Nähe meines Elternhauses.

Sechs Jahre später wollten wir die Box gemeinsam wieder ausgraben. Doch das erwies sich als schwierig: Wir hatten uns aus den Augen verloren. Geklappt hat es trotzdem. Es wurde ein lustiger Nachmittag mit vielen Geschichten von früher. Und die Frage, welchem Herr-der-Ringe-Charakter ich ähnele, würde ich heute wohl kaum noch mit „Pippin oda so“ beantworten.

Saskia Fröhlich

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus ZiSH

ZiSH ist die junge Redaktion der HAZ. Hier schreiben Studenten, Azubis und Schüler über das, was sie bewegt. Jeden Dienstag und Freitag gibt es eine neue ZiSH-Seite in der HAZ. Du willst auch mitmachen? Dann bewirb dich gerne! mehr

13. Oktober 2017 - ZiSH in Leben

Ersti Julie Kolbe erzählt ab Sonntag jeden Tag in ihrem Online-Tagebuch, wie sie die Ersti-Woche an der Leibniz-Uni erlebt: von der offiziellen Begrüßung im Lichthof über die Bibliotheksführung bis hin zur Kneipentour und Ersti-Rallye.

mehr