Volltextsuche über das Angebot:

4 ° / -2 ° Nebel

Navigation:
Was soll nur aus unseren Eltern werden?

Ausziehen Was soll nur aus unseren Eltern werden?

Wenn die Kinder flügge werden und ausziehen, beginnt auch für die Eltern ein neuer Lebensabschnitt. Nicht nur ihr Alltag ändert sich – sondern auch sie selbst. ZiSH hat nachgeforscht und sechs Typen entdeckt. Eine Analyse.

Voriger Artikel
Das sind Hannovers junge Modemacher
Nächster Artikel
"Eine Freundin wäre mir im Moment zu anstrengend"

Kontrolle aus Liebe: Molly Weasley aus den "Harry Potter"-Filmen.

Quelle: Warner Bros.

Die Helikopter-Eltern

Helikopter-Eltern sind ein Albtraum: Immer kreisen sie über einem. Sie schauen wie mit dem Scheinwerfer auf jede kleinste Bewegung – und jeden Fehltritt. Der Nachwuchs muss schließlich beschützt werden. Und dabei wollen sie nicht wahrhaben, dass auch die eigenen Kinder irgendwann alleine lebensfähig sind und das behütete Heim zum Studium verlassen.

Das ist blöd für die Helikopter-Eltern, denn so kann man sich der ständigen Kontrolle entziehen – denkt zumindest der Nachwuchs. Doch natürlich finden Mama und Papa Wege, weiterhin im Leben des Kindes herumzuschnüffeln. Sie hätten am liebsten täglich Whatsapp-Nachrichten mit ausführlichen Tagesberichten und fragen in der Uni nach den Noten der Sprösslinge. Schließlich darf der jungen Karriere nichts in die Quere kommen.

Dabei merken die Helikopter-Eltern nicht, dass die ständigen Sorgen nur zur Heimlichtuerei verleiten. Braucht man dann wirklich einmal Hilfe, traut sich der Nachwuchs gar nicht mehr zu fragen. Denn ohne großes Getöse sind Probleme mit den Helikopter-Eltern nicht zu lösen.

ee

Die Nostalgiker

Ein wahrer Nostalgiker: Belles Vater Charlie aus den „Twilight“-Filmen.

Quelle: Concorde Filmverleih

Eines haben die Nostalgiker nicht verstanden: Kinder werden erwachsen. Und dazu gehört ein eigenes Leben – fernab vom heimischen Kinderzimmer. Doch die Nostalgiker überspielen ihre Traurigkeit über das Kistenpacken mit dem Klammern an Traditionen. Dass die Tochter jetzt 500 Kilometer entfernt wohnt – ganz egal. Am Sonntag gibt’s Braten bei Oma. Jeden Sonntag. „Da wirst du doch weiterhin kommen, oder nicht?“, fragt Mama halb vorwurfsvoll, halb enttäuscht. In den ersten Wochen tuckert man also aus schlechtem Gewissen jedes Wochenende mit dem Fernbus gen Heimat.

Doch irgendwann müssen sich auch verzweifelte Eltern daran gewöhnen, dass ihr Kind ausgezogen ist. Zumindest am gemeinsamen Familienurlaub halten sie allerdings fest. „Wir fahren doch jedes Jahr in den Harz. Zusammen!“, sagt Papa empört. Und auch im Kinderzimmer stauben Schulbücher und die vergessene Fotopinnwand ein. Der Raum bleibt so, wie er verlassen wurde. Schließlich träumen die Nostalgiker, ihr Kind könnte wieder einziehen. Damit alles so ist wie früher.

jst

Die besten Freunde

Vor allem Freundinnen: „Gilmore Girl“ Rory (l.) und Mutter Lorelai.

Quelle: Warner Bros.

Pünktlich am Abendbrottisch sitzen und sonntags den Rasen mähen: Oft war es nervig, wenn Eltern Regeln aufstellten. Noch unangenehmer wird es aber, wenn sie auf einmal Grenzen übertreten, statt sie zu setzen.
Nach dem Ausziehen wollen sie ihr Kind nicht mehr erziehen – und bieten sich dem Nachwuchs als neue beste Freunde an. Das Studentenleben finden sie total aufregend. Mindestens einmal in der Woche will Mama nun einen Cappuccino mit ihrem Kind schlürfen – natürlich im hippen Studentencafé.

Endlich nämlich kann man sich dort ganz ungezwungen unterhalten. Auch über Themen, die vorher tabu waren – und eigentlich noch sein sollten. Dann wird’s peinlich: Niemand möchte wissen, warum Mama mit ihrem Sexleben nicht zufrieden ist.

Um sich als beste Freunde zu qualifizieren, sind diese Eltern technisch immer auf dem neusten Stand. Sie spamen also nicht nur bei Facebook, sondern schicken auch ständig Snaps. Alles noch ertragbar. Wenn Mama aber mit zur Studi-Party will, ist man selbst an der Reihe, Grenzen zu setzen.

jac

Die Kinder

Mehr Kind als Vater: Phil Dunphy aus „Modern Family“.

Quelle: ABC/RTL

Die Rollen in einer Familie sind meist klar verteilt. Finanzen und Papierkram sind Elternsache, während der Nachwuchs sich mit dem neuen Smartphone auseinandersetzt oder mit Freunden ausgeht. Die Kinder sind wohlbehütet: Im Zweifel helfen die Erwachsenen, wenn die Welt zu verwirrend oder unfair wird. Es ist wie in einem Ökosystem, in dem sich unterschiedliche Organismen einen Lebensraum teilen.

Doch zieht der Nachwuchs aus, gerät das natürliche Gleichgewicht ins Wanken. Mama ist hilflos: Warum kommen die Whatsapp-Nachrichten auf ihrem Smartphone immer erst Stunden später an? Auch Papa scheitert an seinem neuen Laptop. Es wird wieder Zeit, dass der Nachwuchs beim Heimurlaub Hilfestellung leistet. Technik kann echt verwirrend sein.

Währenddessen brütet das ehemalige Kind nicht nur über Notizen aus der Uni, sondern auch über dem Bafög-Antrag. Lohnt sich ein Nebenjob? Aber wie viel darf man dann verdienen? Wäre ein Studienkredit besser? Muss man jetzt schon Steuererklärungen schreiben? Helfen kann wohl nur das Finanzamt – Mamas Handy streikt wieder.

jos

Die Kommilitonen

Lehre statt Liebe: Leonards Mutter in „Big Bang Theory“.

Quelle: CBS

Den Kopf konzentriert über den Tisch gebeugt sitzt der Vater inmitten von Büchern und studiert – etwas, das ihn eigentlich noch nie interessiert hat. Denn die Bücher gehören seinem Kind.

Doch seit Tochter oder Sohn studieren, benimmt er sich wie ein besserwisserischer Kommilitone. Voller Eifer gibt er dem Nachwuchs Literaturtipps, will Fachdiskussionen führen und schleppt Sohnemann und Töchterchen zu Veranstaltungen, bei denen sie den Altersdurchschnitt drastisch senken. Alles natürlich in der Hoffnung, dass die eigenen Kinder es bis zu dem Ziel schaffen, dass er nie erreicht hat: dem Doktortitel auf dem Briefkopf.

Dabei hat der Kommilitonen-Vater keine Ahnung von Bachelor und Master, Office-Programmen oder dem Online-Katalog der Bibliothek. Stattdessen fragt er, wann er denn endlich die Diplomarbeit Korrektur lesen dürfe. Er wolle ja nur das Beste – großes Ehrenwort. Aber spätestens, wenn er mit im Hörsaal sitzen will, ist es genug. Dann zeigt man ihm am Besten, dass man Vorlesungen auch online sehen kann – allein.

ari

Die Befreiten

Endlich ausgezogen: Tripp (35) in „Zum Ausziehen verführt“.

Quelle: Sat1/CBS/dpa

Fast fühlt man sich als Kind der Befreiten ein wenig schuldig. Denn sie können es kaum erwarten, bis Tochter oder Sohn endlich ausgezogen sind. Während man Klamotten und Bücher in Kisten verstaut, steht Papa schon mit dem Zollstock in der Tür. Denn das Kinderzimmer wird sofort zur Werkstatt oder zum Ankleidezimmer umfunktioniert.

Nachdem Mama und Papa ihr Kind und die Umzugkartons im WG-Zimmer abgeladen haben, herrscht Funkstille. Beim nächsten Heimatbesuch steht man vor verschlossenen Türen. Denn die Eltern sind für drei Monate nach Südamerika abgehauen – ohne Bescheid zu sagen.

Die Befreiten wissen gar nicht, wohin mit all der Zeit und der Energie, die sie plötzlich übrig haben. Sie brauchen neue Hobbys: Mama verbiegt sich beim Yoga-Kurs und Papa düst mit dem Motorrad über die Landstraße. Ob die Eltern nun ihre zweite Jugend erleben oder doch nur tief in der Midlife-Crisis stecken – fraglich. Auf Anrufe der Eltern wartet das ausgezogene Kind jedenfalls vergeblich. Einzige Ausnahme: Mutter und Vater brauchen einen Fahrer für die Party am Wochenende.

jst

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus ZiSH

ZiSH ist die junge Redaktion der HAZ. Hier schreiben Studenten, Azubis und Schüler über das, was sie bewegt. Jeden Dienstag und Freitag gibt es eine neue ZiSH-Seite in der HAZ. Du willst auch mitmachen? Dann bewirb dich gerne! mehr