Volltextsuche über das Angebot:

1 ° / -6 ° wolkig

Navigation:
Seiten gegen Fernweh

ZiSH gibt Buchtipps Seiten gegen Fernweh

Die weite Welt lockt besonders im Sommer. Doch für große Abenteuer fehlt oft Geld oder das letzte Quäntchen Mut. ZiSH stellt Bücher gegen Fernweh vor, die bei der Flucht aus dem Alltag helfen.

Voriger Artikel
Treffen der Reimemonster
Nächster Artikel
Zeit für gute Taten

Mit dem richtigen Buch warten große Erlebnisse nur ein paar Seiten entfernt.

Quelle: Krajinovic

Geheime Reise durch den Iran

Für die Iraner ist es eine Rebellion hinter verschlossenen Türen. Denn eigentlich ist Couchsurfing in ihrem Heimatland verboten. Die Regierung der islamischen Republik fürchtet, dass sich auf diesem Weg ausländische Spione einschleichen könnten. Beherbergt man doch Ausländer, drohen Geldstrafen – mindestens. Doch das hält die Einheimischen nicht davon ab, trotzdem Gäste aufzunehmen. Für sie ist es eine Möglichkeit, sich gegen die strengreligiöse Regierung aufzulehnen.

In „Couchsurfing im Iran“ (Malik, Taschenbuch, 14,99 Euro) hat Stephan Orth (36) diese Art des Reisens ausprobiert. Der „Spiegel“-Journalist ist mehrere Wochen durch das Land gereist und hat anschließend einen persönlichen Reisebericht über sein Abenteuer geschrieben. Er ließ sich von endlosen Wüstenlandschaften faszinieren und verliebte sich in ein Land, das viele nur wegen der Schlagzeilen über Unterdrückung oder das Atomprogramm kennen. Orth geht es nicht darum, Sehenswürdigkeiten zu besichtigen, sondern um den Umgang mit den „gastfreundlichsten Menschen der Welt“. Die leben ihre Freiheit in den eigenen vier Wänden aus. Denn neben Couchsurfing passiert auch sonst vieles in den Wohnungen, was Polizei und Staat nicht passen würde.

So wird der Autor Zeuge von freizügigen Bikinipartys inklusive Trinkgelagen von Frauen, die sonst nur verhüllt auf die Straße dürfen. Auch ist er bei einem geheimen Treffen eines Sadomasoclubs dabei. Sein Fazit: Die Träume und Sehnsüchte von Menschen sind, egal wo auf der Welt, ähnlich. Das politische System, in dem sie leben, verändert nur die Art und Weise, mit ihnen umzugehen.

Paulina 
Sophie Westing

Mit dem Cello durch Europa

Catrina hält nichts mehr im heimatlichen Cornwall: Ihre große Liebe hat sie verlassen. Und kurz darauf stirbt auch noch ihr bester Freund Andrew. In Gedenken an Andrew will sie für ihn seinen Traum erleben. Sie kauft sich von ihren Ersparnissen einen klapperigen gelben Van und reist allein mit ihrem Cello nach Norwegen. Mit Straßenmusik will sie sich das Geld verdienen, um bis zum Nordkap zu fahren und die Mitternachtssonne zu sehen. Danach will sie weiter nach Portugal.

Der Liebeskummer und die Trauer um ihren besten Freund sind in „Mit Cello und Liebeskummer“ (Fischer, Taschenbuch, 9,99 Euro) ihre stetigen Begleiter. Genauso wie die ungläubigen Blicke der Menschen, wenn sie erzählt, dass sie die rund 2500 Kilometer allein und ohne eine Münze Bargeld zurücklegen will. Es dauert nicht lange, bis Catrina auch daran zweifelt, dass sie es wirklich schaffen wird. Schon kurz nach ihrer Ankunft in Norwegen überlegt sie, wieder nach England zurückzukehren. Weil sie aber auch kein Geld für ein Rückfahrtticket hat, reist sie doch weiter.

Sie hat Glück: Auf ihrer Reise lernt sie immer wieder Menschen kennen, die ihr helfen, ihr Ziel zu erreichen, und die junge Frau in ihrem Vorhaben unterstützen. So wie Jan Erik, der Catrina ein paar Tage bei sich wohnen lässt. Er hilft ihr auch, Jazzstücke zu lernen, die die Leute kennen und zum Zuhören animieren.

Die britische Autorin Catrina Davies erzählt in ihrem Debütroman von ihrer eigenen Reise zur Mitternachtssonne. Sie nimmt den Leser mit auf die lange Reise mit all ihren Höhen und Tiefen. Immer begleitet von der wunderschönen Landschaft und den Städten Norwegens sowie dem Klang ihres Cellos. Ein Roman über den Mut, seinen eigenen Träumen zu folgen.

Susanne Kolbeck

Deutschland von außen

Deutschland ist im Ausland so beliebt, wie nie zuvor in seiner komplizierten Geschichte. Trotz zwei Weltkriegen und dem Holocaust. Wie kann das sein?

Der Journalist und TV-Moderator Manuel Möglich („Wild Germany“) versucht, diese Frage in „Deutschland überall“ (Rowohlt, Taschenbuch, 19,95 Euro) zu beantworten. Er reist Tausende Kilometer nach Brasilien, Namibia, Samoa, in die USA oder nach China, um aus der Distanz zu verstehen, warum wir eigentlich so angesehen sind. Dabei findet der 36-Jährige in jedem Land Spuren deutscher Kultur.

Im brasilianischen Städtchen Santa Catarina besucht er die Nachfahren deutscher Auswanderer. Obwohl sie dort eine Minderheit sind, dominieren sie das Stadtbild: Es gibt deutsche Schulen und Architektur. Und Chöre, die altdeutsches Liedgut schmettern. Einmal im Jahr findet ein riesiges Oktoberfest statt. Junge Brasilianer beneiden die Deutschen um ihren Ordnungssinn, ihre Pünktlichkeit, und darum, dass hierzulande in ihren Augen alles funktioniert.

In seinem persönlichen Reisebericht lässt Möglich den Leser an seinem Staunen teilhaben. Und er staunt oft: Ungläubig berichtet er etwa, wie er in der ehemaligen deutschen Kolonie Namibia eine Weiße trifft, die den Geburtstag Adolf Hitlers feiert. Unfassbar. Noch am selben Abend sieht er aber auch, wie bei einem deutschen Karneval Schwarze und Weiße gemeinsam Helene Fischer singen. Viele seiner Gesprächspartner können nicht verstehen, dass er zwar gern in Deutschland lebt, jedoch nicht stolz darauf sein kann, Deutscher zu sein. In „Deutschland überall“ schildert Möglich nicht nur seine Eindrücke und Begegnungen. Emotional, lakonisch und auch wütend schreibt er auf, wie ihn die Treffen verändern. Und dass man sich erst aus vielen Kilometern Entfernung wirklich Deutschland und den Deutschen nähern kann.

Manuel Behrens

Spurensuche in Istanbul

Evelyns Leben steht Kopf: Mit ihrer Mutter ist sie von Berlin-Mitte an den Stadtrand gezogen. Dann macht auch noch ihr Freund Schluss, weil sie zu sehr klammerte. Schließlich brechen lange unterdrückte Emotionen aus der 15-Jährigen heraus: Evelyn wünscht sich, endlich ihren Vater kennenzulernen. Jahrelang hat ihre Mutter alle Fragen zu ihm abgeblockt, begreift aber endlich, wie wichtig es ihrer Tochter ist, mehr über ihn zu erfahren. Gemeinsam tauchen sie in „Aprikosensommer“ (Fischer, Taschenbuch, 9,99 Euro) in die schmerzlich-schöne Vergangenheit von Evelyns Mutter ein – und machen sich auf die Suche.

Nach Telefonaten und Briefen an die Behörden spürt schließlich ein Detektiv Verwandte des Vaters in Istanbul auf. Sechs Tage später treten Evelyn und ihre Mutter die Reise ins Ungewisse an. Der junge Dolmetscher Sinan, der wie Evelyn ebenfalls Deutsch-Türke ist, begleitet die beiden durch die orientalischen Straßen Istanbuls und enträtselt mit ihnen das Geheimnis um Evelyns Vater.

Autorin Deniz Selek lässt den Leser unmittelbar mitfiebern, indem sie Evelyns turbulente Gefühlswelt mit klarer Sprache greifbar macht. So wird „Aprikosensommer“ zu einer Coming-of-Age-Geschichte auf Reisen.
Selek selbst stammt aus Hannover, wuchs aber in Istanbul auf. Da Selek sich in beiden Kulturen auskennt, zeichnet sie ein plastisches Bild der widersprüchlichen Metropole am Bosporus: Evelyn erlebt die Stadt trotz exotischem Stadtbild und chaotischem Straßenverkehr als erstaunlich modern und offen. Irgendwie vertraut. Nach der Lektüre zieht es einen selbst nach Istanbul, um zu erleben, wie Tradition und Moderne aufeinanderprallen. Und um die Stadt auf eigene Faust kennenzulernen – mit „Aprikosensommer“ als Reiseführer.

Sophie Leyh

Tschick

Als eines Abends der 14-jährige Deutschrusse Andre Tschichatschow, von allen nur Tschick genannt, mit einem geklauten Lada vor Maiks Tür steht, beginnt das Abenteuer. Und eine besondere Freundschaft. In Wolfgang Herrndorfs Roman „Tschick“ (Rowohlt, Taschenbuch, 8,99 Euro) geht es um das Ausbrechen aus dem Alltag. Auf ihrem Roadtrip über Landstraßen und Felder, durch fast vergessene Dörfer in Ostdeutschland lernen die beiden Außenseiter viele Fremde kennen – wie das verrückte „Müllmädchen“ Isa. Und auch, wenn eine übergewichtige Sprachtherapeutin Tschick den Fuß bricht und die Ausreißer bald von der Polizei verfolgt werden: Sie finden unterwegs eine Welt, die viel freundlicher ist, als ihre Eltern ihnen weismachen wollten.

Tim Klein

In die Wildnis

„Auf der Flucht vor dem Gift der Zivilisation durchschreitet er allein das Land, um sich in der Wildnis zu verlieren.“ Das schrieb Christopher McCandless 1990 – über sich selbst. Die Tagebucheinträge des Radikalaussteigers hat der Wissenschaftsjournalist John Krakauer in seinem Roman „In die Wildnis“ (Piper, Taschenbuch, 9,99 Euro) verarbeitet. McCandless zog das Leben in einem verwaisten Bus in der Einsamkeit. Krakauer versucht, in dem Buch zu ergründen, was den 22-Jährigen zu diesem radikalen Schritt bewegt hat. Er gibt Einblicke in McCandless’ Kindheit und dessen zweijährige Tramperodyssee, die in Alaska endet. Die Tagebucheinträge, die Krakauer bei seiner Recherche ausfindig gemacht hat, wurden 2007 mit „Into the Wild“ verfilmt.

Paulina Sophie Westing

Globus Dei

Helge Schneider, Lebenskünstler und Naturliebhaber, verreist. Seine Expedition startet am Nordpol und endet in Patagonien. Unterwegs passiert so einiges: Helge watet in Russland durch endlose Müllberge, gibt im Kaukasus einem Adler erste Flugstunden und reitet zusammen mit Günter Netzer auf einem Kamel durch die Wüste. Und auch wenn Helge sagt: „Alles stimmt, alles ist echt passiert!“ - zu ernst sollte man das nicht nehmen. Helge, der eigentlich Jazzmusiker ist, ist für seine schrägen Filme wie „00 Schneider – Jagd auf Nihil Baxter“ und trashige Songs wie „Katzeklo“ bekannt. Die Berichte in seinem Buch sind gewohnt chaotisch-sprunghaft und erzählen von Begegnungen mit diversen Kulturen, von Umweltverschmutzung und der reinen, rauen Natur. Unermüdlich kämpft er gegen extremes Klima, wilde Tiere und Annäherungsversuche zahlreicher Frauen. „Globus Dei“ (KiWi, Taschenbuch 6,99 Euro) ist nicht nur eine zeitlose Sammlung komischer, kosmopolitischer Erzählungen, sondern auch eine Mahnung, die Erde pfleglicher zu behandeln.

Sophie Leyh

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus ZiSH

ZiSH ist die junge Redaktion der HAZ. Hier schreiben Studenten, Azubis und Schüler über das, was sie bewegt. Jeden Dienstag und Freitag gibt es eine neue ZiSH-Seite in der HAZ. Du willst auch mitmachen? Dann bewirb dich gerne! mehr