Andere Schule
Die Stimmung an meiner Schule war mies, das Verhältnis zwischen Lehrern und Schülern schlecht. Als mir die Auswirkungen des Turboabiturs bewusst wurden, gab es für mich nur einen Weg, diesem Horror zu entgehen: Ich musste die Schule wechseln. Von einem Gymnasium mit schlechter Lernatmosphäre wechselte ich auf eine IGS. Dort kommt das Abitur immer noch nach 13 Schuljahren, und die Lehrpläne lassen Freiräume. Kein Vergleich mit dem Leistungsdruck und Notenkampf an meiner alten Schule. Seit dem Wechsel fällt mir das Aufstehen morgens wieder leichter, Schule macht wieder mehr Spaß. Meinen Lehrern ist es wichtig, dass jeder Schüler das Abitur schafft. Wir arbeiten zusammen und nicht gegeneinander. Auch meine Noten haben sich seitdem verbessert. Ich bin mir sicher, dass ich das Abitur so schaffen werde. aufgezeichnet
von Alisa Schellenberg
Ohne Partner
Stephan (Name von der Redaktion geändert) war der perfekte Freund: Selbst nicht dem Stress im Doppeljahrgang ausgesetzt, machte er mir Mut und half mir beim Lernen, damit ich neben der Belastung durch „G8“ nicht vergaß, was das Leben bedeutete. Doch irgendwann stresste selbst ihn mein Zeitplan: Fünf Tage die Woche kam ich nie vor 16.30 Uhr aus der Schule, dazu noch Tonnen an Hausaufgaben. Die Rückenschmerzen, die ich nach wochenlangem Sitzen bekam, versuchte ich durch Sporttraining zu lindern. Stephan sah ich nur noch am Wochenende. Doch Liebe braucht Zeit. Wenn die fehlt, ist es unmöglich, eine funktionierende Beziehung zu führen. Stephan und ich stritten uns immer öfters. Er beklagte sich, dass wir uns nicht mehr sehen würden und ich war vom Schulstress einfach nur ausgelaugt und müde. Nach sieben Monaten war ich zu erschöpft, um noch weiter zu streiten, und beendete die Beziehung. Anscheinend müssen sich heutzutage schon Schüler zwischen Liebe und Erfolg entscheiden.
von Isabelle Sckade
Ohne gute Noten
Unter meiner Bio-LK-Klausur steht eine rot umrandete Null. Nicht ungewöhnlich: Seitdem ich in der 12. Klasse des Doppeljahrgangs bin, häufen sich die schlechten Noten. Dabei bin ich in meiner gesamten Schulzeit nie versetzungsgefährdet gewesen. Jetzt kriege ich regelmäßig Schweißausbrüche, weil ich Angst vor der nächsten schlechten Zensur habe. Meinen Mitschülern geht es ähnlich. Durch die überfüllten Kurse gehen schlechtere Schüler schneller unter. Die Lehrer haben häufig nicht die Möglichkeit, die Leistungsschwächeren zu fördern. Manchmal habe ich sogar das Gefühl, dass bewusst versucht wird, noch einmal auszusieben, damit sich die Kurse verkleinern. Gemeinsam mit zwei Freunden habe ich mich jetzt entschieden, auf eine IGS zu wechseln. Eine Schule ohne Doppeljahrgang ist die einzige Möglichkeit für uns, das Abitur zu bestehen.
aufgezeichnet von Marie-Céline Gräber
Ohne Ausland
Ich hatte große Pläne für die Zeit nach meinem Abitur 2010: Ab ins Ausland und dort in Ruhe nachdenken, was ich mit meinem Leben machen möchte. Die Formulare für diverse Auslandsstipendien hatte ich bereits auf dem Schreibtisch liegen. Aber die Schule machte mir einen Strich durch die halbausgefüllten Bewerbungen: Ein Jahr Pause kann ich mir durch „G8“ nicht erlauben. Zu groß ist die Gefahr, anschließend vom Doppeljahrgang überrannt zu werden und keinen Studienplatz mehr zu bekommen. Auch meine Freunde beugen sich dem Zeitdruck: Statt sich auf das Lernen fürs Abitur zu konzentrieren, schreiben sie Bewerbungen für Studiengänge und Ausbildungsplätze oder arbeiten Tag und Nacht, um ihren Lebenslauf durch Künstlermappen und soziales Engagement aufzubessern. Horizonterweiterung im Ausland? Nicht für uns.
von Karoline Born
Mit Therapie
Der Tag, an dem ich zusammenbrach, war ein Montag. Stundenlang hatte ich versucht, meine Geschichtshausaufgaben zu machen, doch in meinem Kopf war alles leer. Über Wochen hatte sich eine Angst angestaut, in die Schule zu gehen und nicht die richtigen Antworten auf die Fragen der Lehrer zu wissen. Ich war am Ende und wies mich selbst in eine Psychiatrie ein. Neun Wochen lernte ich in der Klinik, mit meiner Versagungsangst umzugehen. Ich konnte ich mich endlich frei machen, von dem Druck, nur Einsen auf dem Zeugnis zu haben. Die Schule ist zwar nicht einfacher geworden, doch geht es mir viel besser. Denn ich weiß auch, ich bin mit meinen Ängsten nicht allein: Wenn ich jetzt nicht mehr weiterweiß, treffe ich mich mit meinen Freundinnen, und wir lernen zusammen.
aufgezeichnet von Marina Uelsmann
Ohne Freunde
Du findest doch eh keine Zeit mehr für mich!“ Solche Vorwürfe gehören bei mir zum Alltag. Im Doppeljahrgang ist jeder angespannt. Ich bekomme zu wenig Schlaf und viel zu viel Lernstoff reingedrückt. Soziale Kontakte bleiben da auf der Strecke. Erholung am Wochenende ist bei mir die Ausnahme. Selbst am Sonnabend und Sonntag warten To-do-Listen mit Referatsthemen und Klausurlernstoff. In der Schule ist die Stimmung gereizt, in den Pausen gibt es Zickereien, weil alle ständig gestresst sind. Für vertraute Gespräche findet man k eine Zeit mehr. Meine Schulbücher kenne ich inzwischen besser als meine Freunde. Eine richtige Clique habe ich nicht mehr. Es braucht Zeit, um Freunde zu haben und Beziehungen zu pflegen. Im verkürzten Abiturjahrgang wurde diese Zeit weggestrichen. Freunde finden im Stundenplan keinen Platz mehr.
von Melanie Kindler
Ohne Hobbys
Nur zu gern erinnere ich mich an die Sommerferien zurück: Kein Fußballtraining habe ich verpasst und jeden Tag meine Freunde gesehen. Seit dem Schulbeginn im Herbst habe ich dafür keine Zeit mehr. Sosehr ich mich auch bemühe, meine Hobbys in meinen vollen Zeitplan zu bekommen, es klappt einfach nicht. Bei 36 Schulstunden in der Woche und mehreren Stunden Hausaufgaben pro Tag, Vorbereitungen für Referate und anderen Zusatzleistungen ist das unmöglich. Also bleibt mir nichts anderes übrig, als meinem Trainer jede Woche aufs Neue zu erklären, dass ich keine Zeit habe. Leider trifft man mit diesem Satz nach dreimaligem Wiederholen nicht mehr auf Verständnis, sondern auf Ungläubigkeit. Aus der Stammaufstellung der Mannschaft bin ich so gut wie draußen. Gut, dass ich wenigstens meinen Freunden nicht absagen muss. Denen geht es nämlich genauso wie mir.
von Rebecca Gerigk
Mit Drogen
Seit einiger Zeit habe ich das Gefühl, den Anforderungen nicht mehr gewachsen zu sein. Egal, ob sich jemand mit mir treffen will oder ob es um Hausaufgaben geht: Alles wurde mir zu viel, ich zog mich immer weiter zurück. Schließlich wandte ich mich an eine Ärztin. Sie verschrieb mir Antidepressiva. Endlich kann ich wieder richtig schlafen – der Stress hatte mich auch in der Nacht nicht losgelassen. Schule ist sicher nicht der einzige Grund dafür, dass ich Medikamente brauche. Doch der Leistungsdruck in der Schule ist so stark geworden, dass nicht nur ich mich total überfordert fühle. Auch eine andere Freundin leidet sehr unter dem psychischen Druck in der Schule und übergibt sich schon, wenn sie zu Hause nur an die Schule denkt. Da bin ich mit Medikamenten eigentlich noch gut dran.
aufgezeichnet von Sarah Kniep
Kommentare
Kein Weg für jeden stella_soleil – 30.12.09
Sicherlich ein guter Weg, der leider jedoch nur privilegierten Schüler geebnet ist. Als 'Lösung' dieses Problems kann er deswegen nicht angesehen werden.Und die anderen... Schüler – 27.12.09
Das Geheule geht mir so langsam auch auf die Nerven. Ich gehe in Sachsen in die Schule und hier gab es noch nie 13 Klassen.Ich darf kein Fach mehr abwählen, muss sämtliche Notenpunkte einbringen, habe eine zusätzliche mündliche Prüfung aufgebrummt bekommen und schreibe pro Woche auch gut 2 - 3 Klausuren.
Schüler in meiner Stufe schaffen es trotzdem, auf einen 2er-Durchschnitt zu kommen. Meine Freizeit leidet auch unter dem Stress und dem Leistungsdruck, und ich kann mich in keinem Fach zurücklehnen, weil alles in meine Abiwertung eingeht.
Zusammenlernen, sich Hilfe holen, aber nicht rumjammern, das macht nur schlechte Laune.
.... Hayri S. – 21.12.09
Ich spüre das ganze auch am eigenen Leibe. In den letzten 2 Wochen haben wir sage und schreibe 8 Klausuren geschrieben. Morgen (am letzten Schultag !) schreiben wir zur Krönung die letzte im Politik-LK.Diese Turbo-Abi ist der größte Mist, denn es überhaupt gibt !
Ich kann dazu nur folgendes sagen: Man hat kaum noch Freizeit und ist kontinuirlich von Schulstress geplagt. Das ist psychisch kaum auszuhalten !
Man sollte das Turbo-Abi umgehend anullieren und zum "alten" wieder übergehen. Ansonsten werden die Schüler von Generation zu Generation immer ängstlicher !
Tipp an Schüler unter uns:
Keine Angst haben vor Klausuren, weniger als 0 Punkte können es nicht werden ;)...
Liebe Grüße aus dem KWRG !
Yeah, good idea that... Chris W. Mueller – 19.12.09
Meine älteste Tochter hat auch gerade Deutschland verlassen um dem ersten Jahrgang G8 meets G9 zu entgehen. Sie geht nun auf eine gute amerikanische Highschool und nur wenn es sich hier in Niedersachsen eine vernünftige Schulpolitik einpendeln sollte (zum Beispiel nach dem erfolgreichen Volksbegehren) würde sie wieder zurückkommen und hier das Bruttosozialprodukt steigern.@ warum mickey mouse – 19.12.09
Anscheinend war es in der 70er Jahren möglich, Abitur mit nur geringen Rechtschreib- und Orthographiekenntnissen zu machen.Sozialkompetenz wurde wohl auch nicht vermittelt. Nur so kann ich mir diesen abschätzigen Beitrag erklären.Auslandsaufenthalt Karoline Born – 18.12.09
Liebe Frau Born,lassen Sie sich auf keinen Fall davon abbringen, ins Ausland zu gehen! Sie werden von dieser Zeit so unglaublich viel profitieren, dass Ihnen auch der Doppeljahrgang Ihre Chancen nicht kaputt machen kann! In sehr vielen Berufen wird heute profunde Fremdsprachenkenntnis vorausgesetzt und darin sind Sie Ihren "Abi-KollegInnen" nach 1 Jahr im Ausland weit(!!!) überlegen! Außerdem sollten Sie Ihre eigene Entwicklung in dieser Zeit nicht unterschätzen. Ein selbstbewußter junger Mensch mit genauer Zielvorstellung findet immer eine Möglichkeit!
Alles Gute!
JH
So sieht's also aus. Jawoll – 18.12.09
An "warum" :Wenn Sie so Oberschlau sind und sich darüber kaputtlachen können, was Ihr Sohn an Lehrstoff durchzuarbeiten hat, finde ich das ehrlich gesagt einfach zum Kotzen. Mag sein, dass 'damals', als Sie zur Schule gingen, alles noch viel schlimmer war, aber was machen Sie denn nun ? Richtig, Sie jammern, wie viel schlechter es damals war, anstatt dafür zu sorgen, dass es keinen Grund mehr zum jammern gibt. Anstatt zu lachen was Ihr Sohn zu lernen hat und anstatt zu sagen, er solle weniger Playstation zocken und weniger Drogen konsumieren (ist es Ihnen eigentlich völlig egal, was Ihr Sohn macht, oder bezogen sich diese Aussagen auf die Allgemeinheit? Dann wär das noch schlimmer!), könnten Sie ja einfach mal helfen, schließlich betonen Sie ja, wie gut und schlau Sie sind (wobei Sie schon die Regelung der 'dass-das'-Schreibung nicht draufhaben, www.dass-das.de ist da eine nette Hilfe!) und wie hart Ihre Zeit damals war.
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Außerdem noch zu "Schwarz+Gelb=Braun" :
Anderswo? Zählt der Bildungsstreik am 17.11. nicht, und die mehrmals pro Jahr stattfindenden Demonstrationen nicht? Würden Schüler nur Jammern, würden solche Aktionen sicherlich nicht in dem großen Stil stattfinden!
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Desweiteren : Verallgemeinern können wir ja wohl alle super.
Wie immer wird nur von Mobbing, Drogen und Jammern geredet. Nur weil das auf einige zutrifft, muss das nicht auf alle zutreffen, vor allem was Drogen angeht! Man sollte da ganz klar distanzieren, dass nicht jeder Jugendliche weinerlich ist, nicht jeder Jugendliche Drogen nimmt, nicht jeder jammert, und so weiter, und so fort.
Im Endeffekt jammern Sie fast alle nur selbst, anstatt es in die Hand zu nehmen und (zum Teil) die Zukunft der eigenen Kinder zu verbessern, oder ist es Ihnen lieber, wenn Ihre Kinder später ohne Ausbildung und Perspektive darstehen, weil Sie dem Druck in der Schule nicht standhalten konnten?
Gelernt? Zippl – 18.12.09
In erster Linie habt Ihr gelernt, älteren Generationen völlig respektlos zu begegnen und bei jeder noch so unpassenden Gelegenheit klugzuscheißen...70er ich – 18.12.09
Aber wir haben, anscheinend im Gegensatz zu den 70ern, gelernt Jugendliche mit d zu schreiben.Schule macht krank? warum – 18.12.09
Ich kann dieses jammern von Leuten die meinen die Schule mache krank nicht mehr hören. Meine Schulzeit war Anfang der 70 ich mußte jeden morgen erst mal 12 Kilometer zur Schule fahren und nachmittags auch wieder nach hause bei Wind und Wetter. Auch damals war Leistungsdruck wer nicht gut genug war mußte die Schule verlassen. Hausaufgaben täglich zwischen 2-3 Stunden. War von morgens 7:00 - nachmittags 15:00 durch Busfahrt und Schulzeit unterwegs dann noch die Hausaufgaben. Niemand hat damals auch nur ein Wort darüber verloren. Heute halten das die Kinderchen nicht mehr aus und werden krank. Vielleicht liegt es auch daran das Kinder heute nicht mehr Leistungsbereit sind und von ihren Eltern nur noch verhätschelt werden. Jeder weiß doch, daß der Leistungsstandart wesentlich höher war in den 70 als heute. Die Jugentlichen die heute ihr Abitur mit 3 oder 4 bestehen wären in den 70 knallhart durchgefallen. Wenn ich sehe was mein Sohn heute in der 11. Klasse an Lehrstoff hat lache ich darüber das war zu meiner Zeit in der 9 drann. Aber jammern macht ja Spaß. Weniger Playstation spielen, weniger in der Stadt rumhängen, weniger Drogen konsumieren dann ist auch genug Zeit zum lernen vorhanden.Anderswo... Phil – 18.12.09
Es soll auch Gegenden geben, wo Kinder noch viel mehr Zeit in der Schule verbringen müssen, die gehen auch nicht alle zum Psychiater.Ich frage mich, wenn doch alles so schlimm ist, wer sind dann die ganzen Chicas bei H&M, in der Baggi und und und?!
Anderswo... Schwarz+Gelb=Braun – 18.12.09
...gehen auch Kinder und Jugendliche auf die Straße, wenn sie gegen Mißstände protestieren.Nur hierzulande jammert man lieber, nimmt es ansonsten hin, hofft, daß es nicht die eigene Karriereplanung versaut und übt sich ansonsten schon mal darin, die Kohle der anderen zu verprassen und noch Schwächere nach Herzenslust zu mobben.
Kein Mitleid. Selber schuld. Jammern umgehend einstellen. Punkt.
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... links der Leine – 17.12.09
Und nun lese man mal den saloppen Kommentar von Frau Heister-Neumann dazu...Mich wundert es eh, dass die Schüler nicht viel mehr auf die Barrikaden gehen. Die Stundenzahl die unseren Schülern zugemutet wird, würde jede Gewerkschaft als Anlass für einen Generalstreik sehen!
Das ist eine Frechheit. Ich habe echt Angst, dass meine Kinder nicht mehr die Kindheit und Jugend haben die ich Ihnen wünsche: Eigene Bedürfnisse kennenlernen, Interessen nachgehen...
Schule darf nicht alle sein im Leben, es soll lediglich alle Schüler auf einen gemeinsamen Mindeststandard an Wissen und Können bringen. Und das was an Wissen laut Lehrplan vermittelt werden muss ist offensichtlich zu groß!
Ich habe mittlerweile auch das Volksbegehren für gute Schulen unterschrieben und kann nur jeden ermuntern es mir nach zu tun!