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Wie ich mit 23 Jahren mein erstes Date hatte

Nach Beziehungsende Wie ich mit 23 Jahren mein erstes Date hatte

Nachdem Schluss mit ihrer Jugendliebe ist, hat unsere Autorin ihr erstes Date – mit 23 Jahren. Ein Bericht über feuchte Hände und Versagensängste.

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Quelle: iStock

Ich mag Listen. In ihnen sortiere ich nicht nur meinen Wocheneinkauf oder zähle alle Orte auf, an die ich reisen möchte. Auf sie schreibe ich auch, an welchem Tag ich wie viele Kapitel meiner Hausarbeit schreiben will. Ich liebe es, einen Plan zu haben – und das schöne Gefühl, die einzelnen Punkte abzuhaken. Deshalb habe ich letztens eine neue Liste begonnen. Denn es gab etwas, das mich extrem nervös und orientierungslos machte. „Mein erstes Date“ schrieb ich auf ein DIN-A4-Blatt.

Für viele klingt das vielleicht albern. Noch alberner ist aber, dass ich inzwischen 23 Jahre alt bin – und mir wegen dieser vermeintlich normalen Sache beinahe in die Hose mache. Dabei habe ich weder einen Damenbart noch 20 Katzen, denen ich mein Sozialleben widme. Mit 16 Jahren bin ich mit meinem ersten Freund zusammengekommen – für die nächsten fünfeinhalb Jahre. Wir gingen an dieselbe Schule, hatten die gleichen Freunde, aus Freundschaft wurde Liebe und so weiter. Ein richtiges erstes Date hatten wir nie. Erste Rendezvous-Erfahrungen auf School’s-out-Partys oder Hups-jetzt-haben-sich-unsere-Hände-im-Popcorn-Becher-berührt-Momente kannte ich nur aus Erzählungen.

Sofa statt Tinder

Die schwitzigen Teenie-Hände, das nervöse Gefühl im Magen und die ständigen Gedanken, wie man auf den anderen wirke, holten mich nun wie ein Bumerang mit doppelter Wucht ein. Und plötzlich war da auch dieser Druck: das Gefühl, mit 23 Jahren zu alt für die schwitzigen Teenie-Hände zu sein. Dass alle Menschen um mich herum schon Dutzende Dates hatten und Profis darin waren, sich wie in einem Bewerbungsgespräch locker easy zu verkaufen. Für mich war das Neuland. Also schob ich Verabredungen immer weiter auf. Wie einen Arzttermin, vor dem man Bammel hat – aber weiß, dass man ihn irgendwann machen muss.

Alleine sein reicht nicht

Während ich also zu Hause saß, hatten meine Mädels ein Date nach dem anderen. In mir wuchs die Unzufriedenheit – mit mir selbst, weil ich das Gefühl hatte, etwas zu verpassen, und mit der Welt an sich. Gefühlt liefen entweder Schnulzen im TV oder Datingplattformwerbung.

Freundinnen, die mir von ihrer Beziehung vorschwärmten, verunsicherten mich weiter: Alleine sein reicht einfach nicht. Auf Tinder hatte ich keine Lust, also verabredete ich mich mit einem Typen, den ich über einen Kumpel kennengelernt habe.

Es war keine Liebe auf den ersten Blick – also genau der richtige, solide Typ, um nicht nervös zu werden. Mein DIN-A4-Blatt habe ich trotzdem komplett vollgekritzelt mit Dingen wie ‚Outfit raussuchen’, ‚Gesprächsthemen suchen’ oder ‚Was ich mache, wenn er versucht, meine Hand zu nehmen’. Insgesamt waren es 22 Punkte.

Aufs Bauchgefühl hören

Als ich schließlich am Kröpcke auf Tom wartete, war ich echt aufgeregt. Ich hatte dasselbe unsichere, mulmige Gefühl wie vor einem Bewerbungsgespräch – trotz meiner Liste. Wie beginne ich die Unterhaltung? Wer bezahlt die Getränke? Wie begrüßen wir uns? Bevor ich den letzten Gedanken zu Ende denken konnte, stand er auch schon vor mir.

Und es war wirklich nett. Wir quatschten drei Stunden lang über Musik, die Uni und unsere Hobbys. Danach musste ich mich zusammenreißen, nicht nach Hause zu hüpfen. Nicht, weil ich mich unsterblich verliebt hatte – sondern weil ich meine Angst vor Dates bekämpft hatte. „So schlimm war es ja gar nicht“, meinte ich lässig zu meiner Mitbewohnerin. Ein zweites Treffen mit Tom gab es nicht.

Ich war nicht nur froh, das erste Date hinter mir zu haben. Ich war auch erleichtert, dass ich in den vergangenen Jahren scheinbar nichts verpasst hatte. Klar, es ist aufregend, Menschen kennenzulernen. Aber sich mit einem Typen treffen nur um des Treffens willen? Nö. Meine 22 Punkte sind im Mülleimer gelandet. Dafür habe ich mir einen einzigen, neuen Punkt notiert: auf mein Bauchgefühl hören und mir keinen Druck einreden lassen. Zu Verabredungen gehe ich jetzt nur noch, wenn ich mich wirklich darauf freue. Alles andere wäre verschwendete Lebenszeit.

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Sieben No-Gos für das erste Date

  1. „Du riechst“: Zwei Tage ungeduscht, Zahnbelag oder ein schmuddeliges Outfit wecken keinen guten Eindruck.
  2. Doof gucken: Krampfhaftes auf-den-Boden-starren ist für dein Date genauso irritierend wie minutenlanges anstarren. Deine Bekanntschaft soll keine Angst vor dir haben!
  3. Träumen: Im Café oder Restaurant ist Konzentration auf das Gegenüber angesagt. Auch wenn die Speisekarte äußerst interessant ist.
  4. Nerven verlieren: Ständig nervös am Smartphone herumzufingern geht gar nicht. Popeln oder Fingernägelkauen und Ahnliches ebenfalls.
  5. Angeben: Jeder will gut rüberkommen, klar. Den ganzen Abend mit Studium oder Jobs zu prahlen ist dagegen aber abtörnend.
  6. Zu spät am Treff: Niemand wartet gerne. Deswegen überleg dir beim Zuspätkommen wenigstens eine gute Ausrede.
  7. Blöde Fragen: „Bist du ein Katzen- oder Hundetyp?“ nervt genauso wie: „Wo siehst du dich in zehn Jahren?“
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