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Wie ich zum Tokio-Hotel-Fan der ersten Stunde wurde

Rückkehr der Teenie-Stars Wie ich zum Tokio-Hotel-Fan der ersten Stunde wurde

Für ein Tokio-Hotel-Konzert schwänzte Sarah Franke einst die Schule. Nach dem Hören der neuen Platte "Dream Machine", die vor Kurzem veröffentlicht wurde, fragt sie sich, was sie damals bloß so fasziniert hat.

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Früher und heute: Nicht nur Tokio Hotel haben ein neues Image - auch die Fans sind erwachsen geworden.

Quelle: Collage/Fotos: dpa

Im Spätsommer 2005 hastete ich jeden Tag nach der Schule zu unserem Dorfladen. Der hatte neben Lebensmitteln und Zeitschriften nämlich auch eine spärliche Auswahl an CDs. Tokio Hotels Debütalbum war sogar dort so beliebt, dass es einen Lieferengpass gab. Erst nach wochenlangem Warten konnte ich „Schrei“ in den CD-Player schieben. Endlich!

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Entdeckt hatte ich die Band bei den Musiksendern MTV und Viva. Texte über Teenie-Probleme und niedliche, nur ein paar Jahre ältere Jungs – mehr brauchte es damals nicht, um mich und meine Freundinnen zu überzeugen. Fortan 
schwärmten wir für Sänger Bill, seinen Zwillingsbruder und Gitarristen Tom, Bassist Georg und Schlagzeuger Gustav. In einigen Songs wirft Bill mit putzigen Beleidigungen wie „Arschgesicht“ um sich. Für ein Tokio-Hotel-Konzert schwänzte ich mit Freundinnen die Schule – mit Entschuldigungsschreiben unserer Mütter, von denen uns eine begleiten musste.

Fan von etwas zu sein bedeutet ein Geben und Nehmen: Ich investierte Zeit und Geld. Wenn in Teenie-Magazinen wie „Bravo“ oder „Popcorn“ ein Bericht über Bill erschien musste ich den haben – denn Tokio Hotel hatten den Soundtrack zu meinen Teenie-Problemen komponiert. Bill sang über Themen, die mir während der Pubertät nah waren: Zu „Gegen meinen Willen“ hasste ich meine Eltern für ihre Trennung. „Jung und nicht mehr jugendfrei“ ließ mich von Freiheit abseits meines mit Tokio-Hotel-Postern tapezierten Zimmers träumen.

In den Songs der Magdeburger fühlte ich mich aufgehoben und verstanden. Ihr Debütalbum füllten Tokio Hotel mit Hymnen für rebellierende Teenager, die sich (noch) nicht trauten, aufmüpfig zu sein.

Dagi Bee und Sami Slimani sind die Tokio Hotel von heute

Heute, zwölf Jahre später, habe ich das Kinderzimmer längst hinter mir gelassen – und mit ihm meine ehemalige Lieblingsband. Musik machen, das tun die vier immer noch. In einem nostalgischen Moment höre ich das neue, fünfte Studioalbum „Dream Machine“. Von der pubertären Anti-Haltung ist nichts geblieben. Die neuen Songs über Liebesschmerz sind mit zucker­süßen Klangteppichen aus dem Synthesizer unterlegt. Sie klingen so sonnig, wie ich mir die Strände in Los Angeles vorstelle. Dort leben Bill und Tom seit sechs Jahren, vor allem, um ihre Ruhe zu haben. Stets lauerte den Jungs eine Horde kreischender Mädchen vor Konzerthallen oder Hotels auf. Wer dazu keine Lust hatte, bewunderte die vier wie ich aus der Ferne.

Was früher Tokio Hotel waren, sind heute Lifestyle-Youtuber wie Dagi Bee oder Sami Slimani: Auch sie vermitteln ihren Fans das Gefühl, verstanden zu werden und auf einer Wellenlänge zu sein. Sie leben davon, dass ihre Anhänger die Produkte, die sie vorstellen, als authentisch wahrnehmen.

Auch bei Tokio Hotel ging es um Authentizität. Die richtige Geschichte brachten sie mit: Vier Teenager aus Magdeburg machen seit Jahren gemeinsam Musik und schafften quasi über Nacht den Durchbruch. Dass eine Menge Manager und Betreuer dafür sorgten, das teeniefreundliche Image zu vermarkten, war mir damals nicht klar – und bald nicht mehr wichtig.

Denn als Tokio Hotel immer internationaler wurden, verlor ich das Interesse. Die gefühlte Nähe war weg. Mit dem neuen Image kann ich mich heute genauso wenig identifizieren wie mit dem Album, das ich als Zwölfjährige in Dauerschleife hörte. Die Band ist erwachsen geworden. Ich auch.

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