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Popstar für 15 Sekunden

App musical.ly Popstar für 15 Sekunden

Snapchat und Facebook? Schnarch. Das neuste Ding heißt musical.ly. Damit erstellen die Nutzer Mini-Playback-Clips von sich, auf denen sie Songs performen. Warum das spannend ist, erklärt ZiSH-Autorin Jorid Engler.

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Geschichten erzählen auf musical.ly: „Muserin“ Liane V nimmt die strengen Ansichten ihres Vaters aufs Korn, der fragt „Weiß deine Mutter, dass du so tanzt?“, – und tanzt einfach mit ihr.

Quelle: Collage

Zwei Mädchen tanzen in einem Hotelflur, im Hintergrund läuft der Popsong „Stitches“ von Shawn Mendes. Nach 15 Sekunden ist das Video schon zu Ende. Kaum zu glauben, dass dieser Clip fast drei Millionen Mal aufgerufen wurde. Die beiden Mädchen sind die Zwillinge Lena und Lisa. Das Video haben sie mit der App „musical.ly“ gedreht – und auch darüber geteilt. 8,27 Millionen Fans haben die 13-jährigen Schwestern aus Stuttgart dort. Zum Vergleich: Einen Hamburg-“Tatort“ mit Till Schweiger schauen im Schnitt etwa 8,7 Millionen.

Musical.ly ist Schnittprogramm und Musikbibliothek in einem. Der Nutzer, „Muser“ genannt, wählt einen Song aus, performt dazu und filmt sich mit seinem Smartphone. Dabei entstehen 15-sekündige Clips, die andere „Muser“ weiter teilen oder liken können – wie eine Mini-Playback-Show. Anders als bei der Synchro-App Dubsmash können sich die Nutzer auch untereinander folgen und interagieren. Dadurch entsteht ein soziales Netzwerk wie bei Snapchat oder Instagram.
Teilen kann man die kurzen Videos aber auch in anderen Netzwerken: 4,5 Millionen Menschen folgen Lisa und Lena auf Instagram, auf Youtube hat ein Best-of-Video ihrer musical.ly-Clips über zehn Millionen Aufrufe. Die beiden Stuttgarterinnen sind innerhalb von wenigen Monaten zu den erfolgreichsten „Musern“ Deutschlands geworden.

In den USA wird das Unternehmen mit 500 Millionen Dollar bewertet, meldet das Online-Magazin Tech Crunch. In Deutschland ließ der Hype erst noch auf sich warten. Obwohl die App schon seit März 2015 auf dem Markt ist, wird sie jetzt erst von Youtubern, Bloggern und Prominenten entdeckt. Weltweit hat die App bereits über 100 Millionen Nutzer zwischen 13- und 25-Jahren.

Ein Erfolgsrezept ist, dass sie Eigenschaften erfolgreicher Vorgänger wie Snapchat und Dubsmash aufgreift und vermischt. Mit Dubsmash kann man zwar unterhaltsame Videos dank Lippensynchronisation berühmter Filmzitate produzieren. Direkte Interaktion mit anderen Nutzern ist jedoch nicht möglich. Snapchat schafft zwar eine Community, aber die Clips verschwinden schnell wieder.

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Welche die besten Playback-Formate sind, lest ihr hier.

Auf musical.ly kann man nicht nur aufeinander reagieren, sondern im Duett performen. Die „Muser“ können sich auch untereinander in Challenges herausfordern: Dabei nehmen viele „Muser“ ein Video zum selben Clip auf und versuchen die anderen durch einfallsreiche Choreografien zu übertrumpfen. Musiker wie Britney Spears nutzen diese Challenges auch, um ihre Songs ins Gespräch zu bringen.

Und das Beste daran: Man muss nichteinmal singen können. Singen lässt man einfach die, die es können – zum Beispiel Adele oder Rihanna. Dann ist die Kreativität des „Musers“ gefragt: Nicht nur die möglichst synchrone Lippenbewegung, sondern auch die Choreo sind Kriterien für Likes und Follower. Nicht jeder Videoclip gelingt, aber immerhin dauert auch der schlechteste Clip nur 15 Sekunden.

Wer es gut macht, kann mit der App eine ganz neue Kunstform schaffen: Mit den kurzen Videos erzählen manche „Muser“ ganze Geschichten. Ein Beispiel dafür ist Liane V aus den USA, die zurzeit mit ihrem Clip zu „Hey Now“ von 99 Percent auf der Startseite der App gefeatured wird. Bei jedem Öffnen der App wird ihr Video direkt empfohlen. Darin läuft ein Mann durchs Bild und fragt in die Kamera: „Does ya Mama know you dance like that?“, zu Deutsch: „Weiß deine Mutter, dass du so tanzt?“ In der nächsten Sequenz sieht man Liane mit ihrer Mutter tanzen.

Junge Nutzer nehmen von Facebook Abstand, weil mittlerweile sogar Oma und Opa das soziale Netzwerk nutzen – Mama und Papa haben sich ohnehinschon lange dort mit alten Schulfreunden vernetzt. Bei musical.ly sind die Teenager noch unter sich – aber die Eltern dürfen immerhin ab und zu mittanzen.

 Jorid Engler

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