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Mit Umweg an die Uni

Plan B zum Wunschstudium Mit Umweg an die Uni

Die Bewerbungsfrist an den Hochschulen ist abgelaufen. Abiturienten hoffen nun, für ihr Wunschstudium zugelassen zu werden.
Doch viele scheitern dabei am Notendurchschnitt. ZiSH gibt Tipps, wie es danach weitergehen kann.

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Quelle: Eberstein

Doktor in 
Bulgarien

Erst kurz vor meinem Abi vor zwei Jahren habe ich mich entschieden, Medizin zu studieren. Da war es natürlich schon zu spät, um meinen Notendurchschnitt entsprechend aufzupolieren. Mit einem Studienplatz in Deutschland wurde es deshalb nichts. Ich hätte zwar auch eine Ausbildung machen können, was meine Chance auf einen Platz in Deutschland erhöht hätte. Aber wozu drei Jahre vertrödeln?

Dann fand meine Mutter heraus, dass man auch im Ausland studieren kann. Der Osten war für mich nie so richtig attraktiv, aber in Berlin wollte ich auch nicht bleiben. Also bewarb ich mich und bekam einen Studienplatz in Bulgarien. Zu Beginn hatte ich das Gefühl, in einer Blase zu leben. Ich war hauptsächlich mit anderen Studis aus Deutschland zusammen und für die Verhältnisse hier ist unser Leben vergleichsweise luxuriös. Unter den ausländischen Studenten kennt sich jeder.

Mein Jahrgang besteht aus 200 Medizinern. Dabei sind Studenten aus England, Griechenland und der Türkei. Aber über 50 Prozent sind aus Deutschland. In das Uni-Leben habe ich mich schnell eingefunden. Die Vorlesungen sind auf Englisch und die Dozenten sind sehr bemüht um uns. Am Anfang war es etwas schwer, sich mit der Sprache und dem kyrillischen Alphabet zurechtzufinden, aber mittlerweile sprechen wir dank eines Kurses alle mehr oder weniger gut Bulgarisch.

Aufgezeichnet von Manuel Behrens

Fleur Jendroska aus Berlin ist 20 Jahre alt und studiert Medizin an der Universität in Varna, Bulgarien.

Wald statt 
Jugendzentrum

Mit einigen Kommilitonen stapfe ich durch den Wald. Hin und wieder reißt vor mir jemand ein Blatt von einem Baum oder zupft ein Farnblatt aus dem Gebüsch – und steckt es in seine Mappe. Denn das, was wir tun, ist kein gemütlicher Waldspaziergang, sondern unser Studienalltag. Seit zwei Jahren studiere ich Forstwissenschaft in Göttingen. Ich gebe zu: Das war eigentlich nicht mein Plan. Nach dem Abitur habe ich ein Freies Soziales Jahr in einer Behindertenwerkstatt gemacht. Danach war für mich klar, dass ich Soziale Arbeit studieren möchte – wäre der Numerus Clausus nicht so hoch gewesen. Also bewarb ich mich für Sozialwissenschaften, wofür ich jedoch ebenfalls keine Zusage bekam. Die Bewerbungsfristen verstrichen, und meine Verzweiflung wuchs.

Im Internet suchte ich nach zulassungsfreien Studiengängen und blieb bei Forstwissenschaft hängen. Die Kombination von Fächern wie Mathe, Politik, Biologie und BWL und die guten Berufschancen machten mich neugierig. Letztlich bin ich froh, in Sozialwissenschaften nicht angenommen worden zu sein: Es gibt viele Absolventen, die nach ihrem Studium keinen Job bekommen haben oder für nur wenig Geld arbeiten. Mit Forstwissenschaft habe ich bessere Chancen – ich könnte neben Försterin auch Waldpädagogin werden – da arbeitet man auch mit Menschen. Von Sozialer Arbeit gar nicht so weit entfernt.

Aufgezeichnet von Sarah Seitz

Neele Ziegeler ist 21 Jahre alt und studiert im vierten Semester Forstwissenschaft an der Uni Göttingen.

Ziemlich 
blauäugig

Im September 2011 brach für mich eine Welt zusammen. Schließlich wusste ich schon seit meiner Schulzeit, dass ich Grundschullehrerin werden will. Deswegen habe in der Wartezeit zwischen Abitur und Studium ein Praktikum in einer Grundschule gemacht. Für mich war klar, dass ich im Wintersemester Deutsch und Religion auf Lehramt studieren will. An mehr als zehn Unis hatte ich mich beworben. Mein Wunsch, Grundschullehrerin zu werden, war so stark, dass ich dafür an jeden Ort in Deutschland gegangen wäre. Über den N. C. habe ich mir damals keine Gedanken gemacht. Mit einem Abi-Schnitt von 2,9 war ich zuversichtlich, einen Platz zu bekommen.

Heute finde ich mein Verhalten naiv. Ich bekam nur Absagen – und fühlte mich als Versagerin. Jetzt würde ich nach einer Alternative zum Studium schauen, vielleicht einem FSJ oder Auslandsjahr, um Wartesemester zu sammeln.

Danach jobbte ich in einem Supermarkt. Im Dezember bekam ich die Zusage für einen Ausbildungsplatz für das folgende Jahr. Ich freute mich darauf und mein Wunsch, Grundschullehrerin zu werden, geriet in den Hintergrund. Mit meinem jetzigen Job bin ich zufrieden. Irgendwann will ich es trotzdem noch mal mit einer Bewerbung versuchen. Aber erst mal ein bisschen Geld verdienen und Berufserfahrung zu sammeln ist auch nicht schlecht.

Aufgezeichnet von Sina Sommerfeld

Stephie ist 23 arbeitet inzwischen als Sekretärin beim NDR in Hannover.

Das steckt hinter dem N.C.

Die Abkürzung N. C. kommt aus dem Lateinischen, steht für „numerus clausus“ und gilt als Grenze dafür, wie viele Studis für ein Fach zugelassen werden. Dabei ändert sich der N. C. für die meisten Studiengänge jedes Semester: Die Note des Studenten, der mit der „schlechtesten“ Note gerade noch den letzten Studienplatz ergattert hat, gibt den N. C. für das nächste Bewerbungsverfahren vor. Ein Fach, das im kommenden Semester also einen N. C. von mindestens 1,8 verlangt, könnte im nächsten Jahr einen Abi-Schnitt von 1,7 erfordern, wenn der letzte Studienplatz schon bei dieser Grenze vergeben ist. Jede Uni und Hochschule legt die Zulassungsbeschränkung individuell fest, sodass sich der N. C. an verschiedenen Hochschulen zum Teil stark unterscheiden kann.

Das Vergabeverfahren bei Studienplätzen geschieht nach zwei Ranglisten: Erstes Kriterium ist die Abi-Note gepaart mit Gewichtung von Einzelnoten aus dem Abitur, die für das Wunschstudium besonders wichtig sind. Das zweite Kriterium ist die Wartezeit – Zeit, die man nach dem Erhalten des Abis nicht studiert hat. Die zweite Rangliste funktioniert deshalb andersherum: Hauptgewicht hat hier die Wartezeit, an zweiter Stelle stehen die Noten. Aus diesen beiden Listen wird ein Ranking erstellt, aus dem die vorhandenen Studienplätze vergeben werden. An Unis, die für bestimmte Studiengänge renommiert sind, ist der N. C. meist höher, da die Bewerberzahl größer ist.

ZiSH

Wartesemester sinnvoll nutzen

Absage um Absage wird aus dem Briefkasten gefischt – wie frustrierend. Doch auch, wenn es mit dem baldigen Studienbeginn nichts wird, gibt es Möglichkeiten, die Zeit bis zum nächsten Bewerbungsverfahren zu nutzen. Dabei erhöhen die gesammelten Wartesemester die Chancen, beim nächsten Mal einen Studienplatz zu bekommen. Ein paar Tipps für die Zeit dazwischen:
Ist ein Studium im Ausland möglich?
Wenn sich abzeichnet, dass zwischen dem eigenen Notendurchschnitt und dem erforderlichen N. C. für einen Studiengang einige Wartesemester anstehen, lohnt es sich zu schauen, ob ein Studium im Ausland möglich ist. Viele Unis in anderen Ländern bieten Kontingente für ausländische Studenten. Mehr Infos gibt es auf der Internetseite des Deutschen Akademischen Austauschdienste: www.daad.de.
Macht eine Ausbildung Sinn?
In Studienfächern wie Medizin, die einen hohen N. C. haben, ist es üblich, die Wartezeit mit einer Ausbildung zu überbrücken. Dabei macht es Sinn, Arbeit in einem ähnlichen Bereich zu suchen. Das bringt neben dem Ausbildungsgehalt schon eine Menge kostbare Berufserfahrung, bevor das Studium überhaupt angefangen hat. 

Was gibt’s für Alternativen?
Wem eine mehrjährige Ausbildung zu lang ist, der kann auch in einem Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ) Erfahrung sammeln. Das ist unter anderem auch in den Bereichen Politik, Wissenschaft, Sport und Ökologie oder im Ausland möglich. Informationen dazu gibt es unter www.freiwilliges-jahr.de. Außerdem lohnt es sich, in Praktika neue Einblicke in den späteren Wunschberuf zu verschaffen.

ZiSH

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