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Kochkunst im Blitzlicht

Foodporn Kochkunst im Blitzlicht

Viele stellen auf Instagram ja Fotos von ihrem Essen ins Netz, ordentlich angerichtet und farblich nachgebessert. Doch lässt sich jeder Snack zur Delikatesse hochretuschieren? ZiSH hat den Test gemacht – in Hannovers Hochschulkantinen.     

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Essen in der Mensa am Conti-Hochhaus.

Quelle: Kutter

Hannover . Rosa Cupcakes mit hellblauen Streuseln neben pinken Cremetörtchen. Am oberen Rand ragt noch die Tastatur des MacBooks ins Bild. Ein Stillleben. Auf Instagram. Unter dem Begriff „foodporn“, also „Essenspornografie“, sammeln Nutzer des sozialen Fotonetzwerks Bilder von ihrem Essen – schön angerichtet, aus dem perfekten Winkel geknipst und mit Farbfiltern optimiert. Aber ob der mediterrane Nudelsalat mit Pinienkernen und getrockneten Tomaten auch ohne Nahaufnahme und Vintage-Farbgebung noch so appetitlich aussieht, vermag nur der Fotograf zu wissen.

Vielleicht sieht die vermeintliche kulinarische Höchstleistung ohne retuschieren auch eher aus wie Kantinenessen – alltäglich und farblos. Benjamin Lerch, Masterstudent im Bauingenieurswesen, stört das nicht. Zufrieden sitzt er in der Hauptmensa an der Leibniz-Universität Hannover vor seinen Eiern in Senfsoße mit Kartoffelbrei. Oder wie er sie sieht: „Proteine und Kohlenhydrate.“ Das Essen sei in der Regel gesund. Den Pudding könne man auch immer durch Brokkoli ersetzen. Etwas schnöde wirkt die Portion auf seinem Teller dennoch. Bei Instagram würde man jetzt Kontrastregler und Farbkorrektur bemühen.

Sieht manchmal schlechter aus, als es schmeckt. ZiSH zeigt den #foodporn hannoverscher Mensen.

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Beliebt sind die hannoverschen Kantinen bei den Studenten trotzdem. Immerhin verkaufen die 15 Mensen und Cafeterien im Stadtgebiet durchschnittlich 6800 Essen pro Tag. Im vergangenen Jahr waren es insgesamt mehr als 1,6 Millionen Portionen zu einem durchschnittlichen Preis von 2,72 Euro. 81 Prozent davon gingen an Studenten. Beeindruckende Zahlen.

Die Studenten scheinen also zufrieden zu sein. Und was ist nun mit dem Vorurteil, Mensaessen sei fade? Vielleicht muss man die Teller nur mal richtig anrichten. Und aus dem richtigen Winkel fotografieren. Ein bisschen „foodporn“ eben.

Von Jacqueline Niewolik  

Und wer macht das alles wieder sauber?  

Zeigt uns, wie schön Essen sein kann!

Wir wollen euer Essen sehen. Macht mit bei unserer Mensa-Fotochallenge auf Insta-gram. Alles, was ihr dafür tun müsst, ist Folgendes:

  • Schießt ein Foto von eurem Mensa-Essen in Hannover – egal, ob in der Schule oder der Hochschule.
  • Loggt euch bei Instagram ein.
  • Ladet euer Mensa-Foto hoch.
  • Vergebt den Hashtag #mensa_zish.
  • Folgt haz.de auf Instagram.

Bis einschließlich 31. Oktober 2015 suchen wir die besten Bilder aus Hannovers Mensen, die wir anschließend online in einer Bildergalerie veröffentlichen. Das schönste Foto zeigen wir auf der ZiSH-Seite am 3. November und auf dem Instagram-Account der HAZ. Den Gewinner laden wir zu einem Essen in die HAZ-Kantine ein. Viel Erfolg und guten Appetit!     

Teilnahmebedingungen

Mit der Teilnahme an unserer kostenlosen Instachallenge werden die Teilnahmebedingungen akzeptiert. Beschäftigte der Mediengruppe Madsack und ihre Familienangehörigen sind ausgeschlossen. Jeder Teilnehmer bestätigt, dass er die alleinigen Verwertungsrechte an seinem eingereichten Foto sowie das Einverständnis der abgebildeten Personen hat. Der Teilnehmer räumt der Verlagsgesellschaft Madsack GmbH & Co. KG das Recht ein, seine Fotos unentgeltlich in der HAZ, auf haz.de, dem HAZ-Account auf Instagram und in Madsack-Apps zeitlich und örtlich unbegrenzt zu veröffentlichen und zu verbreiten. Welche Fotos veröffentlicht werden, entscheidet die ZiSH-Redaktion. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

So kommt ihr gut durch den Tag

Wie sieht eigentlich die optimale Ernährung für den Studentenalltag aus? Das weiß Dr. Ursula Dreikhausen. Die Biologin und Ernährungsberaterin mit Studium in Hannover und an der University of East Anglia arbeitet derzeit für Queemu, ein Institut für Ernährungsberatung in Hannover. Ihre Tipps:

Frühstück ist Pflicht: Nach der (langen) Nacht müssen die leeren Zuckerspeicher aufgefüllt werden. Für alle, die morgens nicht viel essen können, empfiehlt sich eine Banane mit Nüssen, ein Apfel oder ein Joghurt mit Nüssen und Trockenfrüchten. Das gibt Energie für den Tag.

Koffein alleine reicht nicht: Kaffee-Junkie? Wie viel Kaffee genau gesund ist, hängt von vielen Faktoren ab, wie der Stärke, der sonstigen Ernährung und dem Tagesprogramm. Klar ist hingegen: Nur ein Kaffee morgens reicht nicht – das Gehirn braucht Zucker. Deshalb sollte man immer eine Kleinigkeit dazu essen.

Keine Mega-Portion in der Mensa: Isst man mittags eine riesige Portion Nudeln oder Ähnliches, ist der Körper danach mit der Verdauung beschäftigt – das belastet. Deshalb sollte man es nicht übertreiben. Wer zu Hause aus Platz- oder Zeitgründen nicht kocht, sollte aber unbedingt mittags etwas Richtiges essen. Nur eben nicht zu viel.

Der perfekte Snack vor einer Klausur: Da eignet sich tatsächlich das typische Studentenfutter. Schnelle Kohlenhydrate sind mit wichtigen Fetten und Vitamin B kombiniert, die gut für Nerven und Gehirn sind.

Effektive Durstlöscher: Die einfache Flasche Wasser oder eine Saftschorle sind geeignete Getränke für einen Tag an der Uni. Auch Kräuter- oder Früchtetee ist super. Und vor allem: rechtzeitig genug trinken. Wenn man schon ein Durstgefühl verspürt, ist es eigentlich zu spät. Reinen Saft empfiehlt die Expertin nicht – zu viel Zucker auf einen Schlag.

Julia Nikoleit

„Nicht alles kann schön aussehen“

Jens Nebel (35) ist seit zwei Jahren Mensakoch beim Studentenwerk Hannover, das 15 Mensen betreibt.

Herr Nebel, würden Sie selbst jeden Tag in Ihrer eigenen Mensa essen gehen?

Wenn ich hier in der Nähe arbeiten würde, könnte ich mir das gut vorstellen.

Wie entsteht ein Mensamenü? Wer entscheidet, was draufsteht, und was passiert dann?

Es gibt einen Speiseplan, der vom Küchenchef konzipiert wird. Dann wird bestellt. Wir gehen nicht einkaufen, sondern bekommen die Ware vor allem von regionalen Lieferanten. Die Preise werden dann jede Woche neu ausgehandelt, je nach Angebot und Nachfrage.

Der Speiseplan ist in allen Mensen der gleiche. Warum?

Das wurde angeglichen, da wir seit über einem Jahr das Cook-and-Chill-Verfahren nutzen. Das bedeutet, dass wir hier in der Hauptmensa am Donnerstag das Essen für Montag kochen. Das wird dann einvakuumiert und gekühlt und an die einzelnen Betriebe ausgeliefert. So haben wir in allen Mensen den gleichen Standard, und es schmeckt überall gleich gut. Zusätzlich gibt es noch den Marktstand, an dem täglich frisch gekocht wird. Da kann auch jede Mensa etwas anderes anbieten.

Hier in der Hauptmensa werden dann ja unglaublich große Mengen gekocht, oder?

Ja: Schon allein hier rechnen wir pro Tag mit ungefähr 3000 Gästen. Jetzt im Wintersemester sind es meistens noch mehr Da kann es schon mal sein, dass wir an einem Tag 1,2 Tonnen Chili kochen.

Alles in einem Topf?

(lacht) Nein, da gibt es dann ganze Kesselreihen.

Da bleibt doch bestimmt immer wieder was übrig. Was passiert mit den Resten?

Alles, was einmal aus der Küche rausgegangen ist, kommt in die Tonne. Wir können nicht gewährleisten, dass das Essen am Tagesende noch wiederverwertbar ist. Aber meistens wird das, was wir produziert haben, am Ende auch gegessen.

Wie passen Sie sich den Essgewohnheiten der Studenten an?

Wir bieten jeden Tag mindestens ein vegetarisches Gericht an und versuchen auch, immer mehr auf die vegane Schiene zu gehen. Indem wir beim Gemüseeintopf die saure Sahne einfach daneben stellen. So kann jeder entscheiden, ob er ein veganes oder vegetarisches Gericht essen möchte. Es gibt seit Neuestem auch veganen Aufschnitt, der läuft ganz gut.

Warum hat das Mensaessen einen so schlechten Ruf? Und was kann man dagegen machen?

Ist ja klar, dass bei den Mengen, die da in knapp drei Stunden mittags über den Tisch gehen, nicht alles schön aussehen kann. Aber wir stehen über das Mensa-Forum mit der Kritik der Studenten in Kontakt und sind immer offen für Verbesserungsvorschläge.

Interview: Jacqueline Niewolik

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