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Hangover in Hannover

Party-Marathon Hangover in Hannover

Mit der Broschüre „Hannover unverwechselbar“ wirbt Hannover vor Semesterbeginn in anderen Städten – und gibt vor, wo man gut feiern kann. Wir haben den Test gemacht – mit jungen Leuten, die nicht aus Hannover kommen. Ein Partyprotokoll.

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Eine Nacht durchfeiern: Mit Hannover-Neulingen waren wir in vier hannoverschen Clubs.

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Hannover. Avneet Singh kommt aus Patiala, einem „kleinen Ort in Indien“, wie er selbst sagt – gerade mal 1,5 Millionen Einwohner. Hannover müsste also wie ein Dorf sein für ihn. Ist es aber nicht. „Alles ist besser als in Indien. In meinem Heimatort gibt’s nämlich gar keine Bars und Clubs“, erzählt er. Dementsprechend ist auch seine Erwartungshaltung an Hannovers Nachtleben: Er freut sich auf jeden Club. Und ergänzt scherzend: „Mit Alkohol geht jede Musik. Das ist das Club-Gesetz“.

Auch die anderen sieben Hannover-Neulinge, mit denen wir die Tipps der Broschüre „Hannover unverwechselbar“ für junge Leute ausprobieren, haben keine bestimmten Erwartungen an das Feiern. So ist Tina, die in Südniedersachsen arbeitet, extra nach Hannover gezogen, weil im Harz einfach nur tote Hose ist, und pendelt jetzt. Und die 19-jährige Maike Schmidt, die am selben Tag nach Hannover gezogen ist und gerade mal eine Stunde vorher ihr Bett fertig aufgebaut hat, sagt: „Ich hoffe, es ist nicht so schickimicki in den Clubs, sondern ein bisschen alternativ.“ Sie kommt aus Münster und war auch da am liebsten in kleinen, gemütlichen Clubs.

21 Uhr: Klein Kröpcke

Wir starten unsere Tour im Klein Kröpcke in der Nordstadt – dem Stadtteil, der für seine „vielen angesagten Kneipen“ bekannt ist, wie es der Guide verrät. Unsere auserwählte Kneipe läuft dort unter dem Motto „Tradition schlägt jeden Trend“. Das gefällt den Neu-Hannoveranern: Sie finden den kleinen Raum mit seiner Bar mittendrin total urig und sympathisch. „Ich finde das mit den Lichterketten auch voll süß“, sagt Maike, der die Kneipe von außen gar nicht 
aufgefallen wäre. Der Caipirinha sei ihr aber doch ein bisschen stark – was aber auch an dem anstrengenden Umzugstag liegen könnte. Etwas müde sieht sie schon aus, möchte aber trotzdem noch unbedingt mindestens einen Club miterleben. Am Ende schafft sie sogar zwei. Avneet hingegen, der nur Englisch spricht, sieht topfit aus: Er scherzt mit allen und sorgt für gute Stimmung unter den acht Neulingen, die sich noch nicht kennen.

Während Maike bald anfängt, Medienmanagement zu studieren, schreibt Avneet momentan seine Doktorarbeit in Hannover. Andere aus der Runde fangen auch an, zu studieren oder machen ein Praktikum in der Stadt. Nach ein paar Drinks im Klein Kröpcke starten wir zum ersten Club.

23.57 Uhr: Zaza

Gerade noch rechtzeitig um keinen Eintritt zu zahlen, kommen wir am Zaza in der List an, nur fünf Minuten vom Hauptbahnhof entfernt. Gleich am Eingang kommt uns ein Mädchen im kurzen schwarzen Kleid in Glitzeroptik entgegen. Das freut Tina: „Ich style mich schon gern auf“, erzählt sie, auch wenn sie an diesem Abend sicherheitshalber nur Jeans und Ballerinas angezogen hat, um nicht overdressed zu sein. Allen gefällt die Mainstream-House-Musik. Lauthals singen die Hannover-Neulinge „Blame It On The Night“ mit. „Der Club ist nicht so riesig und die Jungs sind niedlich. Und sie gaffen nicht!“, stellt Maike zufrieden fest. Mal gucken, ob das in der Faust auch so ist.

2 Uhr: Faust

Auf dem Weg zum Faust-Gelände in Linden bekommen die Neulinge auch den alternativen Stadtteil zu sehen. „Als ich das erste Mal in Linden war, dachte ich, das ist irgendwie abgeranzt“, erzählt Tina. Jetzt fände sie es ganz cool – besonders, dass alles so multikulti ist und die Leute so offen sind.

Wir gehen direkt in die 60er-Jahre-Halle zur „Halli Galli“-Party. „Voll cool, dass hier mehrere Clubs auf einem Gelände sind“, staunt Maike, als wir am Eingang zum Mephisto vorbeilaufen. Die Website verspricht Musik in Richtung „Hipster-Zeug“ – so hipster finden die Hannover-Neulinge sie aber gar nicht. Als „Schrei nach Liebe“ gespielt wird, gehen alle ab. Fast alle: Avneet, der versprochen hatte, zu jeder Musik zu tanzen, aber kein Deutsch spricht, guckt verwirrt und versteht den Text nicht. Das Club-Gesetz gilt wohl doch nicht immer. Dafür tanzt er bei jedem anderen Lied auf dem Podest. Tina hingegen wird an diesem Abend in einer Hinsicht enttäuscht. „Helene Fischer geht immer“, hatte sie ihr Schlager-Faible gestanden. Doch „Atemlos“ wurde nicht gespielt. Und Tina ist froh, dass sie die hohen Schuhe zu Hause gelassen hat. „An das legere Feiern in Jeans und Sneakers muss ich mich erstmal gewöhnen“, sagt sie.

3.30 Uhr: Béi Chéz Heinz

Auch hier passen die Sneakers gut: Im Béi Chéz Heinz erwartet uns „A 90s Happening“. Die Hannover-Neulinge – zwei haben sich wieder verabschiedet, darunter auch Maike, die nun wirklich schlafen wollte – sind zuerst irritiert, denn es ist nicht viel los. Immerhin machen diejenigen, die noch da sind, richtig Party. Nach einem „Hulk“ (ein Waldmeisterschnaps, wie alle dazulernen) geht es auf die Tanzfläche. Hier erleben wir die bestimmt schnellste Anmache der Club-Geschichte. Nach zehn Sekunden steht ein Fremder neben ZiSH-Autorin Hannah: „Willst du was trinken?“, fragt er und zaubert zwei Jägermeister-Kurze aus seiner Hosentasche. „Ab jetzt nehme ich immer zwei Jägermeister mit zum Feiern“, schmunzelt Avneet. Ab halb 5 greift der DJ in die Rausschmeißer-Musik-Kiste: Bei Oasis‘ „Don’t Look Back In Anger“ leert sich der Club nach und nach. Und wir ziehen weiter.

4.45 Uhr: Café Glocksee

Den Abschluss unserer Tour bildet das Café Glocksee. „Wer spät kommt, bleibt einfach länger“, verspricht die Broschüre. Das stimmt: Obwohl die Tanzfläche nicht voll ist, tanzen die wenigen Gäste fast apathisch im Nebel zu sanften Elektro-Beats. „Das ist meine Musik“, freut sich Avneet. Der Rest der Gruppe hat bereits den Weg in Richtung Bett angetreten. Gegen 6 reicht es auch uns und den zwei übrig gebliebenen Neulingen, Avneet und Mustafa. Mit der aufgehenden Sonne gehen wir ins Bett. Und für Avneet steht fest: In der Glocksee war es am coolsten. Auch wenn er in allen Clubs Spaß hatte – jeder Club ist schließlich besser als gar kein Club.

Dora Volke und Hannah Scheiwe

In der Nordstadt gibt es neben der Uni auch die angesagtesten Kneipen, Linden ist der alternative Stadtteil zum Feiern und in der List gibt es neben der grünen Eilenriede in Bahnhofsnähe auch Clubs wie das Zaza: So bewirbt die Broschüre „Hannover unverwechselbar“ der Hannover Marketing und Tourismus GmbH Niedersachsens Hauptstadt für junge Leute.

Die Broschüre, die in Deutschland Ende 2013 erschienen ist, enthält für jeden Stadtteil eine Übersicht über Plätze, Shops, Bars und Clubs und wurde seitdem in allen beteiligten Geschäften, Museen und Kneipen verteilt sowie in der Touristen Information Ernst-August-Platz. Außerdem wurde die Broschüre, die in Deutschland in einer Auflage von 125 000 erschienen ist, auch überregional unters Volk gebracht: unter anderem in Studentenvierteln in Göttingen, Braunschweig, Hildesheim und Bremen.

Im Juni diesen Jahres wurde der 
Guide dann auch auf Niederländisch in einer Auflage von 150 000 erstellt. Dadurch sollen niederländische, junge Menschen Lust auf Städtetrips nach Hannover bekommen. Für nächstes Jahr ist bereits eine Neuauflage für die deutsche Version geplant. Wer das Heft nicht zur Hand hat, findet auch viele Infos unter www.hannover.de/unverwechselbar.

Hannah Scheiwe

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