Volltextsuche über das Angebot:

23 ° / 16 ° Regenschauer

Navigation:
Ab ins Ausland

Reisen nach dem Abi Ab ins Ausland

Das Abi in der Tasche und das ganze Leben noch vor sich: Statt aus dem Klassenzimmer in den Hörsaal zu wechseln, 
wollen viele erst einmal weg. Nur wie? Fünf Abiturienten berichten von Au-Pair, Work & Travel, FSJ und Auslandspraktikum.

Voriger Artikel
Wo der Rock ’n’ Roll Pause macht
Nächster Artikel
„Mir fällt es leicht, echt zu sein“

Bezahltes Praktikum im Ausland: Anna-Lena Kraemer (20) hat 5000 Euro für Praktika in Südafrika bezahlt.

Quelle: privat

Geparden streicheln in Afrika

Hannover. Ich war furchtbar aufgeregt, als ich das erste Mal einen Geparden streicheln durfte. Aber meine Nervosität war schnell verflogen, als ich das ruhige Schnurren hörte. Noch vor Kurzem hätte ich mich das nie getraut – doch jetzt gehört es zu meinen Praktikumsaufgaben im Cheetah-Outreach-Zentrum.

Nach dem Abi wollte ich unbedingt nach Südafrika – ein englischsprachiges und trotzdem fremdes Land. Bei der Vermittlung meiner zwei zweimonatigen Praktika dort hat mir die Organisation „Rainbow Garden Village“ (RGV) geholfen. Das hat mich stolze 5000 Euro gekostet. Dafür hat sich RGV aber um alles gekümmert: Flug, Unterkunft, Ansprechpartner vor Ort. Nur mit dem Visum war es problematisch. Ich würde jedem raten, sich rechtzeitig vor Abreise zu informieren. Zu den Kosten für die Organisation kamen noch rund 2000 Euro für Lebensmittel und Reisen. Ein teures Vergnügen – aber jeden Cent wert.

Mein erstes Praktikum bei einer Kapstadter Blindenschule war spannend. Doch die Zeit im Cheetah-Outreach-Zentrum mit den Geparden hat das noch getoppt. Ich habe die Tiere gefüttert, Gehege gesäubert, Besucher informiert und Gruppen geleitet. Ich war ein richtiger Tourguide – und das auf Englisch.

Südafrika war die beste Zeit meines Lebens. Ich habe die Hemmungen verloren, Englisch zu sprechen, und bin selbstständiger geworden. Natürlich war es teuer, aber das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt.

Protokoll: Johanna Hasse

Kostenfaktor: 5 von 5
Spaßfaktor: 5 von 5
Sprachlernfaktor: 5 von 5

Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ): 
Gregor Willenbrock (20) hat gute Erfahrungen beim Goethe-Institut in Ghana gemacht.

Der weiße Mann in Ghana

Für die Menschen, die mich in Ghana auf der Straße angesprochen haben, war ich „Obroni“. Auf Twii, der Stammessprache in meinem Ort, heißt das „der von hinter dem Horizont“. Das trifft es eigentlich ziemlich genau. Ich war ein weißer Westeuropäer in einem mir völlig fremden afrikanischen Land. Aber genau das wollte ich nach dem Abi. Raus aus der Blase, in der ich in Deutschland gelebt hatte.

So bin ich für ein halbes Jahr nach Ghana gegangen und habe dort am Goethe-Institut ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) abgeleistet. Geholfen hat mir dabei Kulturweit, eine nicht kommerzielle Organisation der Unesco und des Auswärtigen Amtes, die den kulturellen Austausch fördert. Vor der Ausreise gab es ein mehrtägiges Vorbereitungsseminar, und auch während des Austauschs gibt es länderübergreifende Seminare. So war ich zusammen mit anderen Freiwilligen für zehn Tage in einem Naturcamp in Kenia. Die Kosten des Austauschs wurden übernommen, ich habe sogar ein monatliches Taschengeld von 300 Euro bekommen.

Dafür konnte ich mir nicht wirklich aussuchen, wo ich mein halbes Jahr verbringe. Bei der Onlinebewerbung habe ich neben „Afrika“ auch „Asien“ und „Naher Osten“ angeklickt und mich überraschen lassen.
Dass es am Ende Ghana geworden ist, war großartig. Ich habe für das Goethe-Institut Konzerte mitorganisiert, viele Leute kennengelernt und kann sogar ein paar Sätze auf Twii sagen.

Protokoll: Paulina Sophie Westing

Kostenfaktor: 1 von 5
Spaßfaktor: 5 von 5
Lernfaktor: 3 von 5

Praktikum im Ausland: Nina Tomschiczek (21) hat in Bra ihr Italienisch aufgebessert.

Multikulti in Italien

Es ist 9 Uhr morgens in der italienischen Stadt Bra. Ich stoße das erste Mal die Türen des Slow-Food-Büros auf, in dem ich die nächsten sechs Wochen ein Praktikum mache. Doch es ist menschenleer. Und meine zukünftigen Mitarbeiter lassen mich warten: Erst zwei Stunden später trudeln die ersten ein.

Obwohl ich meine Praktikumszusage für die Organisation für nachhaltigen Genuss und regionale Lebensmittel erst eine Woche vor Beginn bekommen hatte, fand ich eine schöne WG in Bra. Miete und Lebensunterhalt musste ich selbst finanzieren, das Praktikum war unbezahlt. Dafür hatte ich durch meine Mitbewohnerinnen aus der Schweiz und Ecuador sofort Anschluss an das Studentenleben. International war auch das Praktikum in Bra: Auf dem Gang schallten italienische, deutsche, englische und asiatische Wortfetzen aus den geöffneten Türen. Zwar kam ich mit Englisch gut zurecht, aber die Landessprache zu beherrschen, eröffnete mir ungeahnte Chancen: Ich durfte eine dreitägige Konferenz in Österreich als Dolmetscherin begleiten und an einem Werbefilm für die Organisation mitarbeiten.

Nicht nur meine Sprache hat sich während des Praktikums in Italien verbessert. Ich bin auch offener gegenüber anderen Mentalitäten geworden und habe gelernt, mich anderen Arbeitsrhythmen anzupassen, als ich sie aus Deutschland kenne – es gibt ja Schlimmeres, als spät anzufangen.

Protokoll: Sarah Seitz
Kostenfaktor: 3 von 5
Spaßfaktor: 4 von 5
Sprachlernfaktor: 5 von 5

Au-Pair: Leonie Katzer (21) hat ihre Zeit in Genua trotz Hausaufgaben-Streits genossen.

Der Kampf mit den Hausaufgaben

No, basta!“ Wutentbrannt schlägt Marco seine Zimmertür zu. Genervt massiere ich meine Schläfen und linse zu Giacomo, der ungerührt weiter seine Matheaufgaben löst. Manchmal frage ich mich, für wen Hausaufgaben schlimmer sind: für Schüler oder für ihre Au-Pairs, die sich täglich damit herumschlagen müssen.

Ein halbes Jahr habe ich in Genua bei einer italienischen Familie gelebt und gearbeitet. Abgesehen von alltäglichen Scherereien um Hausaufgaben war es eine tolle Zeit. Vormittags und am Wochenende hatte ich frei. Dann habe ich eine Sprachschule besucht, mich mit anderen Au-Pairs getroffen oder bin durchs Land gereist. Am Nachmittag habe ich mit den Kindern Hausaufgaben gemacht, gespielt oder sie zum Sport gebracht. Der Alltag ist klar strukturiert. Man ist eben Teil einer Familie. Dafür hat man eine feste Unterkunft, Versorgung und bekommt Taschengeld – in meinem Fall 240 Euro pro Monat.

Gefunden habe ich meine Familie über aupair-world.net. Dort können sich Gastfamilien und Au-Pairs anmelden und miteinander in Kontakt treten. Das ist unkompliziert, aber man sollte vorher die Arbeitsbedingungen vertraglich festlegen, um nicht als Putzfrau zu enden. Was man letztendlich für die Familie wird – ein Langzeit-Gast oder ein richtiges Mitglied –, liegt an ihr. An meine Familie werde ich mich immer erinnern. Und den Kleinkrieg um die Hausaufgaben habe ich schon fast wieder vergessen.

Protokoll: Sarah Seitz
Kostenfaktor: 1 von 5
Spaßfaktor: 4 von 5
Sprachlernfaktor: 3 vom 5

Work & Travel: Anna Rickmann (20) hat beim Trampen in Neuseeland 
ihren Freund kennengelernt.

Daumen hoch in Neuseeland

Das Auto klappert und quietscht. Sobald ich das Lenkrad loslasse, bewegt es sich wie von allein hin und her. Höchste Zeit, es in die Werkstatt zu bringen. Dabei wollten meine Freundin und ich am nächsten Tag die Autofähre zur Südinsel Neuseelands nehmen.

Gemeinsam haben wir in Neuseeland fünf Monate Work & Travel gemacht. Etwa 5000 Euro hatten wir uns schon vorher angespart. Um das Budget noch für das Reisen aufzustocken, hatten wir unter anderem auf einem Festival als Falafelverkäufer gearbeitet. Den ganzen Tag in der Hitze zu stehen, war anstrengend – aber das war es wert für die Reise. Doch statt mit der Autofähre weiterzureisen, mussten wir nun eine Nacht auf einer Parkbank schlafen und dann weiter trampen. Trotz unseres sperrigen Gepäcks wurden wir immer mitgenommen und lernten viele nette Leute kennen. So gab uns einmal ein Fremder eine Stadtführung durch Wellington und einmal trug uns eine Gruppe singender Uruguayer sogar die Rucksäcke.

Wir lernten nicht nur unglaublich viel über Land und Leute, sondern verbesserten auch unser Englisch. So war es am Ende nicht schlimm, dass unser Auto den Geist aufgegeben hatte. Ohne das kaputte Auto hätte uns auch nicht dieser charmante belgische Backpacker mitgenommen – der jetzt mein Freund ist.

Anna Rickmann
Kostenfaktor: 3 von 5
Sprachlernfaktor: 3 von 5
Spaßfaktor: 5 von 5

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus ZiSH

ZiSH ist die junge Redaktion der HAZ. Hier schreiben Studenten, Azubis und Schüler über das, was sie bewegt. Jeden Dienstag und Freitag gibt es eine neue ZiSH-Seite in der HAZ. Du willst auch mitmachen? Dann bewirb dich gerne! mehr

Der HAZ-Schreibwettbewerb hat begonnen

Die Sieger des großen HAZ-Schreibwettbewerbs stehen fest. Die besten Schülertexte zum Thema "Fremd" könnt ihr hier nachlesen.  mehr