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Zeit für gute Taten

Schüler engagieren sich Zeit für gute Taten

Am Donnerstag, 9. Juli, werden zum Sozialen Tag über 80000 Schüler in Unternehmen gehen, arbeiten - und das verdiente Geld spenden. Doch wie ist es, dauerhaft auf die eigene Freizeit zu verzichten und sich zu engagieren? ZiSH hat mit drei jungen Helfern gesprochen.

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Mit dem Patenkind toben, Wunden verarzten oder sich für Kinderrechte starkmachen - Can (links), Virginia (mittleres Bild links) und Celine engagieren sich in ihrer Freizeit in sozialen Projekten.

Quelle: Kuttner (2), Surrey

Probier’s mal mit Gemütlichkeit

Wer wäre nicht stolz, als Junge einen erwachsenen Freund zu haben, mit dem man durch die Stadt ziehen kann? Der zehnjährige, behinderte Sascha ist extrem stolz, wenn er mit seinem Kumpel Can auf dem Bolzplatz tobt, Eis isst oder ins Kino geht. Schüler Can ist acht Jahre älter und Mitglied bei „Balu und du“. Und Can ist ein Balu.

Das soziale Projekt, bei dem Schüler, Studenten, aber auch Rentner Zeit mit Grundschülern verbringen, ist an die ungleichen Freunde im Disney-Film „Das Dschungelbuch“ angelehnt: den bequemen Bären Balu und seinen Schützling, den Waisenjungen Mogli.

Auch im echten Leben geht es darum, mit seinem Mogli eine gute Zeit zu haben. Doch für Can ist das nicht alles: „Wir haben auch unsere Facharbeit im Rahmen von ‚Balu und du’ geschrieben. Mein Thema war Inklusion, weil Sascha ein Inklusionskind ist“, sagt er.

Alle zwei Wochen treffen sich Sascha und der Elftklässler vom Johannes-Kepler-Gymnasium in Garbsen. In Deutschland wurden seit 2002 schon fast 4000 Freundschaften zwischen Grundschulkindern und Engagierten vermittelt. Die Patenschaft geht über ein Jahr. Das Projekt lässt viel Freiraum, was Balu und Mogli miteinander machen. Can ist es wichtig, nur Dinge zu unternehmen, auf die Sascha auch Lust hat. Also keine Hausaufgaben oder anderen Schulkram. Das sei einer der Gründe, warum sich die beiden so gut verstehen würden, wie Can meint. Wie passend zum Lebensmotto von Balu aus dem Dschungelbuch: „Probier’s mal mit Gemütlichkeit.“

Paulina Sophie Westing/ZiSH

Aufgeschürfte Knie und blaue Flecken

In dem fensterlosen Raum ist es schon um 10 Uhr morgens heiß und stickig. Vom Pausenhof ist lautes Gekreische zu hören. Virginia Ullmann (17), Merle Thielebein (17) und Mali Vogel (16) sitzen auf den orangen Krankenliegen im Sanitätsraum der Ludwig-Windthorst-Schule in Hannover. Während ihre Mitschüler die große Pause draußen verbringen, warten die drei Mädchen darauf, dass sie gebraucht werden. Wie 45 weitere Schüler der Schule in der Südstadt opfern sie einen Teil ihrer großen Pausen für den Schulsanitätsdienst. Heute dauert es nicht lange. Eine Schülerin mit angeschlagenem Knie kommt herein und wird sorgfältig versorgt. „Das Wichtigste ist, den Verletzten zu beruhigen“, meint Virginia.

Die Zehntklässlerin war einmal dabei, als eine ältere Dame auf der Straße ohnmächtig wurde. Damals war sie hilflos. Jeder der 2500 Schulsanitäter in der Region Hannover absolviert vor seinem ersten Einsatz eine zweitägige Ausbildung. Dabei lernen die Schüler, wie ein Verband angelegt wird oder was man als Erstes bei einer Vergiftung macht. Seit Kurzem wissen sie sogar, wie im Notfall ein Defibrillator bedient wird.
„Die Tätigkeit im Sanitätsdienst fördert neben notfallmedizinischem Fachwissen auch Empathie und Toleranz“, sagt Clemens Kühn, verantwortlich für den Schulsanitätsdienst beim Deutschen Roten Kreuz Hannover. Wirklich dramatische Fälle haben die Mädchen im Schulsanitätsraum noch nicht erlebt. Die meisten Verletzungen sind Schulhofklassiker: aufgeschürfte Haut vom Fußballspielen, blaue Flecken vom Klettergerüst oder Sand im Auge. Nur einmal musste Virginia den Krankenwagen rufen: Ein Mädchen hat im Sportunterricht hyperventiliert. „Wir haben sie in eine Tüte atmen lassen, so wie wir das im Erste-Hilfe-Kurs gelernt haben“, erzählt Merle.

Die drei Freundinnen sind seit der achten Klasse im Sanitätsdienst der Schule engagiert. Als erste Schule in Hannover hat die IGS Roderbruch vor 20 Jahren eine Schulsanitätsgruppe eingerichtet. Die Sanitäter-AG der Ludwig-Windthorst-Schule gibt es seit zehn Jahren.

Langsam neigt sich die Pause dem Ende zu. Mittlerweile haben schon mehrere Mitschüler Virginia, Mali und Merle im Sanitätsraum besucht und nach Pflastern oder einem Kühlkissen gefragt.
Virginia hofft, dass ihre Erfahrungen aus dem Schulsanitätsdienst ihr auch später noch helfen. Sie möchte Kindergärtnerin werden und wird dann sicher auch den einen oder anderen kleinen Patienten behandeln müssen.

Jacqueline Niewolik

Helfen mit 
Erdnusspaste

Warum sie sich sozial engagiert, weiß Celine Wild eigentlich gar nicht so richtig. Es fühlt sich irgendwie richtig an, findet sie. Weshalb sie zu Unicef, dem Kinderhelfswerk der Vereinten Nationen, gegangen ist, kann die 17-Jährige dagegen genau sagen: „Ich glaube, dass man da wirklich was bewegen kann.“

Seit einem halben Jahr ist Celine Mitglied in der hannoverschen Gruppe des Kinderhilfswerkes. Einmal im Monat trifft sie sich mit den anderen Unterstützern und plant Aktionen. Das sind meist Info-Stände auf Straßenfesten oder anderen öffentlichen Veranstaltungen. Dort verteilen sie dann Flyer mit Texten über Kinderrechte und sammeln Spenden für Kinder in Krisengebieten. „Ich fand den Gedanken, mich für Kinderrechte einzusetzen, am besten“, sagt Celine. „Besonders Kinder leiden unter den Problemen im Nahen Osten, die brauchen Hilfe von außen.“

Da macht es ihr auch nichts aus, eine der wenigen Jüngeren in der Gruppe zu sein – die meisten Mitglieder studieren schon. Wie viel Celine selbst dazu beiträgt, dass es Kindern besser geht, kann sie nicht sagen. „Aber wenn man sich zusammenschließt, dann kann man viel erreichen“, ist sie überzeugt. Wie mit der Erdnusspaste. Dieses Projekt hatte die Unicef-Gruppe gestartet, als Celine gerade dazukam. In Restaurants bat die Gruppe um Spenden für Erdnusspaste, die mangelernährte Kinder in armen Ländern bekommen sollten. „Ein Café in unserer Nähe hat richtig viel gespendet“, erzählt Celine stolz.

Isabel Christian

Seit 1998 organisiert der Verein Schüler Helfen Leben den Sozialen Tag. An diesem Tag, der dieses Jahr auf dem 9. Juli liegt, tauschen Schüler in Deutschland einmal im Jahr das Klassenzimmer gegen einen richtigen Job. Das verdiente Geld wird dann aber nicht behalten, sondern für Hilfsprojekte auf dem Balkan gespendet. Bis heute, fast 25 Jahre nach dem Krieg zwischen Kroatien und Serbien, sind die Nachwirkungen zu spüren: Arbeit und Ausbildungsplätze sind knapp, und in Bildung wird wenig investiert.

So wurden in den 17 Jahren, in denen es den Sozialen Tag nun schon gibt, über 22 Millionen Euro durch Schüler erarbeitet und gespendet. Dadurch wurden schon etliche Hilfsprojekte im Bereich der Jugend-, Bildungs- und Friedensarbeit angeschoben – es sind unter anderem Jugendzentren und Ausbildungsstätten entstanden.

Mitmachen können alle Schulen – von der Grundschule bis zum Gymnasium. Dafür müssen sie sich bei Schüler Helfen Leben für den Sozialen Tag anmelden. Dann können sich die Schüler selbstständig einen Job suchen. Das kann in einem Betrieb sein. Oder man mäht den Rasen des Nachbarn. Andere Schulen organisieren Spendenläufe. Hauptsache ist, dass Spendengelder zusammenkommen.

Im vergangenen Jahr nahmen über 80 000 Schüler aus 700 Schulen teil. Für dieses Jahr haben sich knapp 750 Schulen angemeldet. Das Datum für den Sozialen Tag im nächsten Jahr steht noch nicht fest. Mehr Infos für Schulen, Schüler und Arbeitgeber gibt es unter: 
 www.schueler-helfen-leben.de

Hannah Scheiwe

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