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Verdiene lieber ungewöhnlich

Außergewöhnliche Nebenjobs Verdiene lieber ungewöhnlich

Kellnern, Babysitten, Nachhilfe geben – das sind die Klassiker unter den Nebenjobs. 
Man kann sein Taschengeld aber auch mit außergewöhnlicheren Jobs aufbessern. ZiSH stellt vier davon vor.

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Freut sich schon während der Führung auf sein Bier: Lehramtsstudent Kai Florin bei einer Führung durch die Privatbrauerei Herrenhausen.

Quelle: Schaarschmidt

Von Bier zu Bier

Wenn Kai Florin über seinen Nebenjob spricht, gerät er schnell ins Schwärmen. „Ich habe den besten Studentenjob der Stadt“, sagt er. Der 27-jährige Lehramtsstudent für Physik und Sport ist einer von zehn Brauerei-Führern bei der Privatbrauerei Herrenhausen. „Im Team und bei den Gästen herrscht immer eine entspannte Atmosphäre“, erzählt Kai. Es könne höchstens mal passieren, dass manche Leute nach Brauerei-Besichtigung und anschließender Verköstigung im heimeligen „Stübchen“ gar nicht mehr gehen wollen – und ihm Überstunden abverlangen. Das sei dann aber eher witzig als ärgerlich.

Seit Dezember 2013 ist er Mitglied des Herrenhäuser-Teams. Ein Bewerbungsgespräch? Nicht hier! „Bei uns ist es Brauch, dass Brauerei-Führer, die aufhören müssen, ihre Stelle vererben“, sagt Kai. Er selbst habe den Job von einem Kumpel übernommen, der zuvor einige Jahre dabei war. Mitbringen sollte man aber auf jeden Fall „ein gewisses rhetorisches Talent und einen guten, lockeren Umgang mit Menschen“, erzählt Kai. Für den angehenden Lehrer ist es zudem wichtig, den Gästen ein wenig Wissen vermitteln zu können. Anderen etwas beibringen, das will er nach dem Studium schließlich jeden Tag machen.

Die Führungen bestehen immer aus drei Teilen: Zunächst erhalten die Gäste eine Einführung in die Geschichte des Bierbrauens, im Anschluss werden praktische Einblicke gewährt. Dabei könne es schon mal zu recht kuriosen Nachfragen kommen, erzählt Kai. Wie viele Zacken hat zum Beispiel ein Kronkorken? Zum Abschluss der Führung finden sich dann alle bei Bier und Brot im „Stübchen“ ein – wo man eben manches Mal versackt.

Marius Klingemann

Wenn kein Konzert ansteht, spielt Michel auf der Straße – und spart so für den Costa-Rica-Urlaub.

Das Geld liegt auf der Straße

Vorbeilaufende Passanten drehen den Kopf, manche bleiben stehen und lauschen, wie Michel Allroggen am Kröpcke den Hit „The A-Team“ von Ed Sheeran singt. Als der Song vorbei ist, werfen einige ein paar Münzen in den Gitarrenkoffer.

Wenn andere Studenten im Café um die Ecke den Gästen ihr Frühstück bringen, steht Michel in der Innenstadt. Mit der Straßenmusik bessert sich der Journalistik-Student sein Budget auf. 30 bis 50 Euro sammelt er so pro Stunde ein – und das im Moment dreimal die Woche. „Feste Arbeitszeiten habe ich natürlich nicht, aber seit einem halben Jahr spiele ich relativ regelmäßig“, erzählt Michel. Eine Genehmigung braucht er nicht, solange er werktags zwischen 10 und 20 Uhr spielt, alle 30 Minuten seinen Standpunkt verlagert und nicht zu laut ist.

Angefangen hat er vor zwei Jahren und war vom positiven Feedback der Passanten überrascht. Einmal stellte ihm eine Gruppe eine Flasche Sekt in den Koffer. „Da war ich erst ziemlich perplex. Am Ende haben wir dann gemeinsam getrunken und uns eine Stunde lang super unterhalten. Das war meine schönste Erfahrung bis jetzt“, erzählt Michel.

Einen Teil des Geldes, das er auf der Straße einnimmt, legt sich Michel immer zurück. Aktuell spart er für einen Urlaub in Costa Rica – viel Geld fehlt ihm nicht mehr.

Joscha Saltenberger

Erfreut vor allem Kinder mit ihrer Kunst: Natalie Leutert.

Mit Pinsel und Blümchen

Konzentriert setzt Natalie den Pinsel an. Sie macht eine schwungvolle Bewegung mit ihrer Hand, schon entsteht ein blauer Schnörkel auf der Wange ihres Gegenübers. Wenig später prangen dort weitere Ranken und Blümchen. Zufrieden lächelt sie.

Am Wochenende schwingt Natalie Leutert oft den Pinsel – und verdient sich so noch etwas Taschengeld dazu. Denn sie arbeitet nebenbei als Kinderschminkerin bei Kindergeburtstagen, Events oder Werbeveranstaltungen von Firmen.

„Ich war schon immer kreativ und habe immer gerne gemalt“, sagt die 18-Jährige. So sei das Kinderschminken der ideale Nebenjob für sie: kreativ sein und dafür auch noch 
10 Euro die Stunde plus Wochenendzuschlag verdienen.

Schon seit anderthalb Jahren arbeitet Natalie bei der Firma Schminkauftrag. Zuerst besuchte sie einen Workshop, in dem ihr die wichtigsten Techniken des Schminkens gezeigt wurden. „Da lernt man die Grundlagen“, sagt Natalies Chefin Jutta Karlson. „Die Übung kommt dann mit der Zeit.“ Danach schminkte Natalie vor allem einfachere Motive auf Kindergeburtstagen. Mittlerweile reist sie auch in andere Städte, um dort auf Events zu arbeiten. Und auch, wenn sie selbst viel Spaß am Malen von Schmetterling, Dino und anderen Bildern hat, findet Natalie es nach wie vor„am schönsten, wie die Kinder sich über ihre geschminkten Gesichter freuen“.

Elena Everding

Hat als Maskottchen Snowy richtig Spaß: Friederike Stöckmann.

Im Kostüm auf der Piste

Ein wenig komisch kam Friederike Stöckmann sich schon vor, als sie das erste Mal in das Eisbären-Kostüm schlüpfte. Denn eigentlich arbeitet sie als Ski- und Snowboardlehrerin im Snow Dome Bispingen und will Leuten das Skifahren beibringen – und sich nicht zum Affen machen. Doch mittlerweile machen ihr solche Promotion-Aktionen, bei denen sie mit künstlichem Schnee in verschiedene Städte reist und das Kostüm des Maskottchens Snowy anzieht, besonders viel Spaß. „Es weiß ja keiner, dass ich in dem Kostüm stecke“, sagt die 22-Jährige.

Und das ist auch gut so – denn von ihren Schülern will sie schon noch ernst genommen werden. Denn im Snow Dome wie in der Disco gilt: Auf der Piste gibt es viele Angeber. „Viele sind der Meinung, sie könnten Ski fahren, nur weil sie es ein paar Mal mit der Videospielkonsole Wii gemacht haben. „Dass dem nicht so ist, merken sie aber schnell.“

Die Göttinger Lehramtsstudentin kommt am Wochenende und in den Semesterferien in ihre Soltauer Heimat, um im Snow Dome Kurse zu geben. Und das lohnt sich. Nicht nur wegen der guten Bezahlung, sondern auch, weil sie hier ihr liebstes Hobby zu ihrem Job macht. Ein bisschen doof ist nur, dass sie immer arbeitet, wenn ihre Freunde und Familie frei haben. Aber der Spaß an ihrer Arbeit macht auch das wieder wett – und weil sie ihren Freunden gratis Ski-Unterricht geben kann, sind die auch nicht böse.

Dora Volke

Nebenjob: Das ist wichtig

Wer sich nebenbei Geld verdienen will, muss sich einen Job suchen – klar. Es gilt dabei aber einiges zu beachten. Seit dem 1. Januar gilt auch für Nebenjobs der Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde. Azubis oder Personen unter 18 Jahren darf der Betrieb aber auch weniger zahlen. Zudem muss man aufpassen, dass das monatliche Einkommen nicht höher als 450 Euro ist. Denn sonst wird der Job sozialversicherungspflichtig und ist kein Minijob mehr. Der Verdienst muss in der Regel nicht über eine Steuererklärung angegeben werden, denn anfallende Steuern rechnet der Arbeitgeber pauschal mit der Minijob-Zentrale ab. Generell ist das Mindestalter für Nebenjobs 15 Jahre, allerdings gibt es zum Beispiel für das Zeitungaustragen Ausnahmen. Oft stellen Betriebe aber erst ab 16 Jahren ein. Minderjährige dürfen nicht zu lange arbeiten, Schüler außerdem nur in den Ferien und maximal vier Wochen im Jahr. Ab 15 Jahren ist es erlaubt, im Rahmen des Ferienjobs ganztags, also acht Stunden, zu arbeiten. Weitere Informationen zu Nebenjobs gibt es auf 
www.nebenjob.de.

Elena Everding

 

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