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ZiSH testet das Wassersportangebot in Hannover

Mit allen Wassern gewaschen ZiSH testet das Wassersportangebot in Hannover

Der Sommer macht Lust aufs kalte Nass. Dazu muss man nicht bis ans Meer: ZiSH-Autorin Alisa Schellenberg hat ausprobiert, was die Region Hannover an Wassersport zu bieten hat. Ein Selbsttest an fünf Stationen.

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Und Abfahrt: Nur mit Mühe kann sich Ariane 
alleine auf dem Wakeboard halten.

Quelle: Philipp von Ditfurth

Kräftemessen beim Windsurfen
Die Spitze des Surfbretts steuert geradeaus ins Uferschilf. Mit letzter Kraft versuche ich, das Segel in eine andere Richtung zu steuern. Es ist windstill, meine Arme zittern, ich verliere das Gleichgewicht und lande zwischen Seerosen und Algen. Bevor ich einmal auf dem klobigen Brett stehe und das Windsurfsegel, das sogenannte Rigg, zu mir gezogen habe, verliere ich fünfmal die Balance und stürze unsanft ins Steinhuder Meer.

Wie meine Freundin Ariane und ich auf dem Wasser in die richtige Richtung steuern, hat uns unser Surflehrer Jan vom „Surfer’s Paradise“ in Mardorf in einer Trockenübung im Sand erklärt: Wir sollen den Wind für uns nutzen und das Rigg zur Wasseroberfläche drücken. Einfacher gesagt als getan. Denn der Wind bleibt aus, das Rigg dreht in die verkehrte Richtung und ich steuere wieder auf das Ufer zu. Gut, dass mir das seichte Steinhuder Meer uns nur bis zur Hüfte geht, bei einem Sturz muss ich mich so nicht aus eigener Kraft über Wasser halten. Ich sehe Ariane, wie sie mit aller Kraft an dem zwei Meter langen Segel zerrt und versucht, die Kontrolle darüber zu behalten. Ihre Bewegungen wirken unbeholfen, ihre Beine zittern auf dem Surfbrett.

Mir reicht’s! Meine Arme sind lahm. Ich bin müde von dem holprigen Weg, den wir mehrmals zum Strand laufen mussten. Rigg und Brett waren schwer, unhandlich und alleine kaum zu tragen. Ich mache eine Pause, lege mich auf das Surfbrett und sehe den Wolken beim Vorbeiziehen zu. Jan beobachtet, wie meine Kräfte schwinden: „Komm, Segel anluven, dann geht es leichter und du fährst auch mal geradeaus.“ Eigentlich hatte ich die Hoffnung schon verloren, aber es funktioniert. Mit leichtem Aufwind und Konzentration kann ich das Segel leichter von mir wegdrücken – die Brettspitze zielt dieses Mal nicht ins Uferschilf, sondern geradeaus.

Entspannung im Tretboot
Wir gleiten langsam über das ruhige Wasser. So wenig wie möglich treten wir in die Pedale und widmen uns stattdessen lieber ganz der Beobachtung. Wir sehen aufgetakelte Damen am Nordufer entlangstolzieren, motivierte Jogger, die im Eiltempo um den Maschsee laufen und Enten, die ihren Kopf ins Wasser stecken. Ich kühle lieber nur meine Füße im grünen Maschseewasser ab. So lange, bis Ariane ganz beiläufig von riesigen, aggressiven Maschseekarpfen erzählt. Schnell ziehe ich meine Füße zurück ins Boot – den großen Zeh möchte ich lieber behalten.

Genüsslich essen wir unser Eis, das auf dem Wasser irgendwie besser schmeckt, als auf dem Land. Schade, dass wir nicht in die große Fontaine fahren dürfen, bei der Mittagshitze täte eine Abkühlung gut. Nur wenn wir anderen Booten ausweichen müssen, geben wir Gas. In einer halben Stunde schaffen wir den Weg vom Bootsverleih „Maschsee Nord Segel- und Yachtschule“ zum Courtyard-Hotel. Ariane macht ein paar Fotos, ich verschicke SMS, wir dösen in der Sonne und genießen die Verschnaufpause zwischen Windsurfen und Segeln. Das sachte Gleiten auf dem Wasser könnte der perfekte Sonntagnachmittagsausflug mit Oma und Opa sein.

Segeln mit Fachsprache
Fertig machen zur Wende“, kommandiert unser Segellehrer. „Jo, läuft“, ruft Ariane. Doch so läuft das nicht. Die korrekte Antwort lautet: „Klar zur Wende.“ Wir drehen bei und wenden noch einmal – Segeljargon ist nicht zu unterschätzen.

Wenn der Wind kurzzeitig von vorn kommt, kann die Jolle die Richtung ändern. Die Verholleinen müssen so gezogen werden, dass der Wind in das Vorsegel wehen kann. Ich ziehe zu früh, der Aluminiumbalken unter dem großen weißen Segel knallt mir gegen die Stirn. Aua. Im Boot liegt ein Gewirr aus Tauen und Seilen, das in der Fachsprache in „Stehendes“ und „Laufendes Gut“ unterteilt wird. Die vielen neuen Begriffe verwirren mich. Doch unser Segellehrer besteht auf die korrekten Bezeichnungen. Für einen Segelschein an der „Segelschule Wellenbrecher“ in Mardorf müssten wir schließlich auch ein Dutzend neuer Vokabeln lernen. Ariane und ich ziehen an drei unterschiedlich langen Seilen, die die Ausrichtung der Segel verändern. So kann der Wind abwechselnd in eines der beiden Segel wehen und uns vorantreiben. Um weitere Beulen zu vermeiden, ducke ich meinen Kopf bei jedem neuen Richtungswechsel unter das Segel.

Seit heute morgen hat sich an Wind- und Wellengang auf dem Steinhuder Meer nichts geändert, schon um vom Steg wegzukommen mussten Ariane und ich kräftig paddeln. Auf dem offenen Wasser wenden wir häufig, damit sich die kleine Jolle von der Stelle bewegen kann. Einmal gerät das Boot dabei in gefährliche Schieflage. Gut, dass unser Segellehrer die Kontrolle über die Steuerung hat. Segelschuhe, die ich bis zu meinem ersten Törn auf dem Steinhuder Meer belächelt habe, würde ich jetzt gerne gegen meine Flip-Flops tauschen. Das Balancieren auf dem Segelboot ist ohne festes Schuhwerk gar nicht so einfach. Nach einer Stunde Segeltörn spüre ich eine kleine Beule auf meiner Stirn. Es ist Zeit für eine Pause.

Badengehen beim Wasserski
Ich liebe es, mit meinen Skiern parallele Schwünge in den eisigen Schnee der schwarzen Pisten zu zeichnen. Im Winter kann ich mich auf den beiden Brettern prima bewegen. Meine erste Skifahrt im Sommer bei „Wasserski & Wakeboard Blauer See“ hingegen ist mehr ein Fallen als ein Fahren. In der Hocke warte ich auf den Ruck, der die Leine, an die ich mich klammere, in Bewegung setzt. Ich nehme Fahrt auf, verliere beide Wasserski – und stürze rücklings in den Blauen See. Nach dem zweiten Fehlstart finde ich Wasserskifahren blöd.

Ariane hat bereits Vorerfahrung im Wasserskifahren und versucht sich auf dem Wakeboard. Auf diesem snowboardähnlichen Gefährt die Balance zu halten, ist noch komplizierter als auf Wasserskiern. Ariane steht und fällt, schafft dann aber eine ganze Runde über den Blauen See. Bei mir klappt’s erst beim dritten Versuch. Nach einer längeren Frustpause klebt mein Neoprenanzug am Körper, es zieht mich wieder ins Wasser. Mit Körperspannung bis in die Zehenspitzen ziehe ich mich in eine aufrechte Position. In rasender Geschwindigkeit gleite ich über den blauen See. Geschafft – jetzt muss ich nur noch den Rampen ausweichen, über die ich mich bei meiner ersten Fahrt noch nicht traue. Der Plan im Kopf überträgt sich leider nicht auf die Skier, ich klatsche in voller Fahrt mit dem Rücken auf die Wasseroberfläche. Andere Fahrer müssen mir ausweichen. So schnell wie möglich, die Ski vor mir her schubsend, kraule ich aus der Mitte des Parcours zurück zum Steg. Nach einer halben Stunde auf und unter den Brettern sind wir ausgepowert.

Im Kanu durch die Idylle
Mit gemächlichen Paddelschlägen fahren wir parallel zum Maschsee die Leine herunter. Orte, an denen wir sonst täglich hektisch vorbeilaufen, sehen wir heute aus der Kanuperspektive. Es ist still auf dem Fluss. Die letzten Strahlen der Nachmittagssonne scheinen uns ins Gesicht. Nach den bewegten Stunden auf dem Blauen See genießen wir es jetzt, in unserem Kanu vom „Bootsverleih am Allerhorn“ einfach nur den Fluss hinunterzutreiben. Das Alte Rathaus und die Marktkirche ziehen vorbei.

Unterwegs entdecken wir idyllische kleine Terrassen direkt am Ufer, auf die jemand einen Strandkorb oder einen alten Lehnsessel gestellt hat. Einige Gärten haben einen eigenen Steg, an dem ein Boot festgemacht ist. In der Altstadt müssen wir das Kanu einmal über die Straße tragen, um die Schleuse zu umgehen. Passanten sehen uns verwundert zu. Ein Mann macht ein Foto. Beim Umladen kommt mir jede Wasserflasche und jedes Paddel dreimal so schwer vor. Auch Ariane beschwert sich über müde Arme. Die letzten anderthalb Tage in und auf dem Wasser machen sich bemerkbar.

Am Maschseewehr angekommen, wischen wir mit einem alten Schwamm das Wasser aus den Kanus. Es kommt uns vor, als seien wir für eine kurze Zeit weit weg gewesen. Dabei waren wir die ganze Zeit direkt vor der Haustür.

Alisa Schellenberg

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