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ZiSH verlost Karten für Fertig, Los!

Das Ferngespräch ZiSH verlost Karten für Fertig, Los!



Die Band Fertig, Los! steht seit sieben Jahren für jungen, dynamischen Indie-Pop. Das Deutsche Kulturzentrum in Kurdistan Irak lud die Münchener im September zu einem deutsch-kurdischen Festival in Erbil ein. ZiSH-Autor Joss Doebler hat sich mit Sänger und Gitarrist Philipp Leu unterhalten. Am Sonnabend spielen sie im Musikzentrum - ZiSH verlost am Dienstag um 14.30 Uhr Karten für das Konzert.

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Am Sonnabend in Hannover: Fertig, Los!

Quelle: Handout

Wie war's im Irak?
Es war eine Woche der Absurditäten. Wir kamen uns vor, als wäre der Dadaismus erneut ausgebrochen. Das ging schon mit der Verleihfirma der Musikanlage, „Babylon Productions“, los. Wir kamen dahin, und alles war mit Marmor ausgelegt. Der Chef hat uns dann in sein holzvertäfeltes Büro mit ausgestopften Tieren an den Wänden eingeladen, uns erzählt, was er alles an Equipment hat und betont, dass wir uns keine Sorgen machen sollen.

Hatte er recht?
Wir mussten schon zwei Monate vorher sagen, was wir für Gitarrenverstärker für den Auftritt benötigen. Was am Ende dabei herauskam war, dass sie nur einen einzigen Gitarrenverstärker hatten. Und da hätten wir einfach irgendeinen aus Deutschland mitnehmen können, und der wär besser gewesen. Wir mussten da viel improvisieren. Auch bei der Bühnentechnik. Die hat rund 25.000 Euro gekostet, was viel zu teuer war für das, was letztendlich da stand. Aber da es im Irak nur diese eine Firma dafür gibt, bestimmt die eben auch den Preis. Das ist schon ein krasser Kontrast: Der Chef der Firma hat sich da mitten in der Steppe seinen unglaublich protzigen Musikverleihpalast gebaut, aber keinen Pfennig in die Technik investiert, die er da für riesige Summen verleiht. Zwei Tage lang brauchten die, um Bühne und Anlage aufzubauen. Und als sie schließlich auch mit dem Verkabeln fertig waren, fiel ihnen auf, dass das alles anders musste. Dann meinte deren Techniker auch noch, er gehe jetzt heim. Er hätte den ganzen Tag gearbeitet und könne jetzt nicht mehr. Unser Techniker stand ganz allein da, und einen zweiten Gitarrenverstärker hatten wir auch noch nicht. Den wollten sie auch nicht mehr besorgen.

Wie habt ihr das gelöst?
Das Festival sollte um 18 Uhr losgehen, und um 16.30 Uhr kam dann noch ein Keyboardverstärker an. Da bin ich dann einfach mit meiner Gitarre rein. Das musste dann halt einfach gehen. Für die Anlage hatten wir zum Glück einen total coolen Typen dabei, der auch in Deutschland viele Bands professionell mischt. Der hat dann eben das Beste aus dem Equipment herausgeholt.

Und wie waren die Menschen, mit denen ihr da zu tun hattet?
Der am häufigsten gehörte Spruch war eigentlich „No problem“. Das soll so viel bedeuten wie: „Ich weiß nicht so genau. Wahrscheinlich klappt’s.“ Weil das Publikum mal die Bühne gestürmt hat, hat die Polizei einen 20 Meter breiten Graben vor der Bühne errichtet, in dem der Mischer und noch zehn Kamerateams ihre Podeste aufgebaut hatten. Und ich dachte mir: „Was wollt ihr eigentlich? Wie schwer kann man es einem denn bitte machen? Wir spielen hier im Ausland vor einem Publikum, von dem ich nicht wirklich weiß, wie es überhaupt tickt, und dann seh ich das Publikum noch nicht mal! Wie soll hier denn jemals Stimmung aufkommen?“ Da hat man überhaupt nichts vom Publikum gesehen, was zeigt, wie wenig Erfahrung die da mit Veranstaltungen haben. Ich bin dann von der Bühne gerannt und habe so rattenfängermäßig Leute in den Graben gelockt. Die Polizisten haben erst noch versucht, die Menschen aufzuhalten, aber wir hatten zum Glück noch eine Gruppe bayerischer Alphornbläser dabei, die mir dann geholfen haben, die Polizisten wegzuschieben.

Gab es dafür noch Ärger?
Nein, der Veranstalter fand das gut. Und die Polizisten konnten da nichts mehr machen, haben aufgegeben und meinten: „Na gut, dann stellt euch doch vor die Bühne. Dann habt doch Spaß.“

Hat es für Probleme gesorgt, dass ihr mit eurer Bassistin Julia eine Frau in der Band habt?
Also es war schon sehr schwierig. Jetzt nicht, weil sie kein Kopftuch trägt. Da sind die Kurden sehr liberal. Aber auf der Straße siehst du dort praktisch nie Frauen, nur Männer. Ab 18 Uhr dürfen die Frauen noch nicht einmal alleine aus dem Haus. Und weil die Jungs da einfach nie Frauen sehen, reagieren die auf sie wie ausgehungerte Wölfe. Und Julia ist dazu auch noch sehr hübsch und blond, das ist dann eine gefährliche Mischung.

Warum?
Die wollten alle Fotos von ihr haben, haben sich vorgedrängelt und wurden eben einfach zu schwanzgesteuerten Jugendlichen. Als wir auf dem Marktplatz in Erbil waren, haben da die Alphornbläser gespielt. Das war total absurd, wie die da vor der Zitadelle in ihren bayerischen Trachten standen, neben einer Skulptur von einem Mullah, der den Koran aufschlägt. Aber die waren da auf einmal völlig uninteressant, weil da ja auch noch Julia war. Da kam dann so ein ganz findiger Geschäftsmann an, hat einen kleinen Fotodrucker aufgebaut und Bilder von ihr direkt vor Ort für 1000 Dinar (etwa ein Dollar) das Stück verkauft. Da mussten wir schon ganz schön aufpassen und sie in Schutz nehmen. Die hätten sie sonst teilweise einfach umgerannt.

Aber es hat keine Probleme beim Auftritt gegeben?
Nein, da nicht. Irgendwann wussten sie halt, wie sie heißt, da haben sich „Julia“-Sprechchöre gebildet. Aber sonst gab es da keine Probleme. Sie sind zwar sehr fordernd, aber wenn du denen sagst: „Hier ist die Grenze“, dann überschreiten sie die auch eigentlich nicht. Sie würden sie jetzt nicht angrabschen, auf keinen Fall.

Kommen wir nochmal weg vom Irak. Euer zweites Album „Pläne für die Zukunft“ erschien vor eineinhalb Jahren. Wann kommt das nächste?
Das wissen wir noch nicht, hoffentlich nächstes Jahr. Wir arbeiten schon daran und haben auch einen guten Weg dafür gefunden. Die Produktion vom letzten Album war mir ein bisschen zu steril. Wir versuchen jetzt, mehr die Band in den Vordergrund kriegen. Bei den zwei neuen Demo-Songs, die wir schon aufgenommen haben, bekommst du wirklich das Gefühl, dass da eine Band steht und das in diesem Moment spielt. Das wollen wir noch verstärken. Aber damit es nicht ewig lang dauert, haben wir in der Zwischenzeit noch eine limitierte Akustik-EP mit unseren fünf Lieblingsliedern aus den ersten zwei Alben herausgebracht. Die ist sogar erstaunlich gut geworden, obwohl ich sie selbst im Proberaum aufgenommen habe. Die gibt es nur auf unserer Tour zu kaufen.

Ihr hattet schon Auftritte mit Amy MacDonald und Pink, seid mit Dúné und Jennifer Rostock getourt und auf dem Label der Sportfreunde Stiller gelandet. Wie ist das für euch, wenn man ständig mit solchen Größen in Kontakt kommt und sich sogar die Bühne mit ihnen teilt?
Mit 16 war ich ein großer Sportfreunde-Stiller-Fan. Das sind eben Figuren, zu denen du aufschaust. Neben Selig sind die auch der Grund gewesen, warum ich gesagt habe, dass ich Musik machen möchte. Das ist schon komisch, wenn man dann seine großen Idole trifft, und dann winken sie dir zu und sagen Hi. Da denkst du dir: „Boah, er redet mit mir! Er ist ein Mensch!“ Das fand ich schon erstaunlich, ich neige dazu, solche Menschen zu Gottheiten zu verklären, weil sie so tolle Musik machen. Dann merkt man, dass das wirklich Menschen sind, die auch noch total nett und sympathisch sind.

Joss Doebler

  • Am Sonnabend, dem 22. Oktober, spielen Fertig, Los! im Musikzentrum, Emil-Meyer-Straße 26–28. ZiSH verlost zweimal zwei Karten. Einfach heute um 14.30 Uhr unter (05 11) 518 17 58 anrufen und mit ein bisschen Glück gewinnen.
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