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ZiSHer erzählen von Festivalpannen

Dumm gelaufen ZiSHer erzählen von Festivalpannen

Musik, Zelten, Freiheit: Wer ein Festival besucht, der will was erleben. Auf so manches Festivalerlebnis hätten unsere ZiSH-Autoren aber auch verzichten können. Neun Tipps, wie’s besser geht.

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Das Klo vor lauter Zelten nicht gesehen: Auf Festivals kann viel schiefgehen.

Quelle: Illustration: Stefan Hoch

Beim "Hurricane" ohne Gaskocher: Gaslose Gourmets
Vier Tage mit kalten Dosenravioli und trockenem Toast? Nicht mit uns. Als Debütanten unter den Festivalgängern wollten wir uns stilecht von der Masse abheben. Die von Freunden bildreich geschilderten Anekdoten kulinarischer Untiefen waren uns zutiefst suspekt. Wir erstellten einen Masterplan: Jeder von uns vier war für einen Tag des Festivals verantwortlich, für den er im Vorfeld einkaufte. Alles schien perfekt organisiert: In unseren Rucksäcken lagerten Zutaten für Pfannkuchen und Spaghetti Carbonara und vegetarisches Gulasch. Unser Speiseplan war perfekt.
Nun, nicht ganz perfekt. Nach dem „Willkommens-“ und dem „Zelt-endlich-aufgebaut-Bier“ überkam uns am ersten Abend der Hunger. Wir warteten gespannt auf die Ankündigung des Tagesmenüs, als zum ersten Mal eine ganz entscheidende Frage gestellt wurde: „Wer hat eigentlich den Gaskocher eingepackt?“ Da kein warmes Mahl dieser Welt ohne entsprechende Gerätschaften zubereitet werden kann, beendeten wir unseren ersten Festivaltag im Frust – mit trockenem Brot und Würfelspeck.
Tipp: Ganz ohne warme Mahlzeit machen selbst Dosenravioli im Nachbarzelt den Festivalgrünschnabel zum bitteren Neider.

Ansgar Nehls

Beim "Wacken" ohne Lampe: Mission in der Müllgrube
Im Zeltwald des Campinggeländes fühle ich mich nachts wie ein Filmheld. Blind taste ich mich durch die Zeltleinen, die sich über den Weg spannen wie das Laser-Alarmsystem vor einem Banktresor. Doch hier bewachen sie nur mein Ziel – das Dixi-Klo. Ich summe die Titelmelodie zu „Mission Impossible“. Eben noch voller Übermut wie Tom Cruise, bleibe ich nun in den Schnüren hängen und reiße die Heringe eines Zeltes heraus. Ich schlage der Länge nach hin. Vor meinem geistigen Ohr höre ich bereits den Alarm losgehen, raffe mich auf und renne los. An Schlaf ist für die Bewohner nicht mehr zu denken. Meine Flucht bleibt nicht ohne Folgen: Ich stürze in einen tiefen Abgrund. Am nächsten Morgen wache ich in meinem Zelt auf, in der Luft liegt der Geruch von angebrannter Dosennahrung und Bier. Mein Körper tut weh und ist irgendwie klebrig. Anscheinend bin ich in der vergangenen Nacht in der Müllgrube meiner Nachbarn gelandet. So gar nicht heldenhaft. Ich nehme mir beim Entfernen der Raviolireste auf meinem Shirt vor, mich beim nächsten Mal nicht auf meinen Tastsinn zu verlassen.
Tipp: Taschenlampe, Fackel oder Teelicht einstecken. Oder ganz einfach ein Nachtsichtgerät.

Isabell Korth

Beim "Hurricane" ohne Blick auf die Nachbarschaft: Der Stress von nebenan
Ein Gitarrenspieler hockt vorm Nachbarzelt. Er spielt „Wonderwall“, fast so gut wie Oasis selbst. Grund genug, dem netten Nachbarn eine Dose Bier auszugeben. Ein gläserner Blick als Dankeschön – es ist heute wohl nicht sein erstes. Seine stetig wachsende Zuhörerschar unterstützt ihn beim Gesang. Ich verabschiede mich zur richtigen Festivalbühne. Als ich mitten in der Nacht zurückkehre, hat sich der Gitarrist mit einer Zuhörerin in sein Zelt zurückgezogen, der Rest seiner Fans ist verschwunden – leider nur vorübergehend. Einige wollen den Musiker wiedersehen und stimmen vor unserem Zelt den Evergreen von Oasis an. Die Suche nach dem Sänger beginnt bei uns. Bald ist unser Zeltvordach niedergerissen, und dass ich nicht der Musiker bin, merken die Fans erst, als ich ohne Gitarre aus dem Zelt komme. Ein paar Meter weiter flackern gerade zehn lichterloh brennende Dixie-Klos. Jemand hat die Desinfektionslösung der mobilen Toiletten in Brand gesetzt. Ob die Feuerteufel eifersüchtig auf unseren musizierenden Nachbarn waren? Die nächtlichen Eindringlinge stört’s wenig. Auch eine brennende Toilette reicht wohl für die Lagerfeuerromantik.
Tipp: Trotz überfüllter Campingplätze auf die Umgebung achten – manch nette Bekanntschaft kommt nachts wieder, und dann könnte es brenzlig werden.

Martin Palm

Beim "Hurricane" ohne gute Ausrüstung: Von Löchern und Bränden
Ein wohlwollender Blick auf die frisch erstandene Ausrüstung: Pavillon, Zelt, Luftmatratze, Einweggrill. Und das alles für wenig Geld. Wozu teuer kaufen, was ich als Restposten beim Baumarkt-Discounter hinterhergeworfen bekomme?
Wenig später verfluche ich das vermeintliche Schnäppchenpaket. Das Zelt bricht beim ersten Anlauf zusammen, der Stoff reißt, und das Ganze lässt sich nur mithilfe von Panzertape zusammenflicken. Beim Pavillon passt kein Teil zum anderen. Um uns von dem Schlachtfeld aus Flickwerk und der Metallstabruine abzulenken, schmeißen wir den Einweggrill an. Dessen Zündhilfe aus Wachspapier brät nicht nur die Würstchen, sondern fackelt gleich den ganzen Grill ab. Eine Stichflamme, und meine Essensration ist verbrannt und ungenießbar. Schließlich neigt sich der Tag dem Ende entgegen – genauso wie die Luftmatratze, die sich unter mir im Schlaf mehr und mehr gen Erdreich absenkt. Kein Wunder, dass die Hersteller unserer Ausrüstung mittlerweile insolvent sind.
Tipp: Ausrüstung am besten immer vorher einmal aufbauen und testen, damit einem nicht die Decke auf den Kopf fällt.

Martin Palm

Bei „Omas Teich“ ohne Gummistiefel: Kein Pfützenspringer
Ich packe meinen Rucksack mit kurzen Hosen und T-Shirts. Zwar hat es die Nacht über geregnet, doch jetzt scheint die Sonne. Das Festivalwochenende wird schon gut gehen, und leichte Kleidung wird reichen, denke ich mir. Doch am Zeltplatz angekommen, sehe ich nur eine einzige, riesige Pfütze. Leichtfüssig bahne ich mir einen Weg durch den Schlamm: dort auf ein Brett und weiter auf eine trockene Stelle. Fast unbeschmutzt lege ich Müllsäcke auf die Stelle, an der mein Zelt stehen soll. Ein richtig sauberes Geschäft ist es nicht, dieses Camping. Spätestens auf dem Weg zur Bühne bereue ich es, keine Gummistiefel zu besitzen. Ich stehe bis zu den Knien im Matsch, meine Sneaker sind danach nicht mehr wiederzuerkennen. Doch sobald die Musik von der Bühne dröhnt, vergesse ich meine nassen Füße. Bis zum nächsten Regen, der den Boden noch weicher macht. Meine Laune sinkt tiefer mit jedem Liter, der vom Himmel fällt. Der Gang zur Toilette wird zum Ballanceakt zwischen brackigen Pfützen. Vor lauter Schlamm ist kaum noch zu erkennen, welche noch benutzbar ist. Am nächsten Tag beschließe ich, vorzeitig abzureisen. Ich rette mich barfuß ins Auto. Mein zugeschlammtes Zelt aber bleibt auf der Strecke.
Tipp: Mit nassen Füßen tanzt man schlecht. Wetterbericht beachten!

Thomas Walter

Bei „Rock am Ring“ ohne Neugier: Papa weiß es immer besser
Jedes Mal, wenn ich auf das Programmheft blicke, das an meiner Pinnwand überm Schreibtisch hängt, ärgere ich mich, denn ich erinnere mich noch ganz genau: Ich war 14 Jahre alt, musikalisch noch nicht allzu aufgeschlossen gegenüber Neuem und zum ersten Mal bei „Rock am Ring“. Ich war zusammen mit meinem Vater dort und musste mit ihm zur „Alterna-stage“ gehen. Dort spielten die Deftones, und ich hatte keine Ahnung, wer oder was das sein soll. Die Band fing an, und mein Vater stand begeistert vor der Bühne. Ich dagegen stand mit verschränkten Armen neben ihm und langweilte mich. Ich kannte die Band nicht und hatte auch nicht das geringste Interesse, das zu ändern. Ich hörte nicht zu, zerrte am Arm meines Vaters und wollte weiter. Doch er beharrte darauf, noch zu bleiben. Nach 15 Minuten hatte er dann endlich ein Einsehen mit mir, und wir gingen zur nächsten Bühne. Noch heute möchte ich mich für meine Dummheit ohrfeigen. Durch einen TV-Mitschnitt wurde ich ein paar Monate später doch noch aufmerksam auf die Band. Und meine Begeisterung hat sich bis heute nicht gelegt.
Tipp: Wer nur anguckt, was er schon kennt, verpasst womöglich den besten Act des Festivals.

Thomas Walter

Beim „Weedbeat“ ohne Lageplan: Ohne Konzert am See
Voller Vorfreude auf die folgenden zwei Tage marschieren wir im Dunkeln vom Bahnhof zum Festivalgelände des „Weedbeats“ – immer den wummernden Bässen nach. Jeder von uns ist bis kurz vor dem Zusammenbruch bepackt, und als schon fast die Sonne wieder aufgeht, kommen wir am Eingang an. Der Zeltplatz direkt gegenüber mit Duschen und komfortablen Klos aus Porzellan genügt meinen Freunden nicht, sie haben von einem mit Seeblick gehört. Wo genau der ist, das weiß keiner. Nach einigen Kilometern kommen wir endlich am See an, und laufen Slalom um die Zelte, bis wir eine freie Stelle gefunden haben. Der Platz ist schön, der See entschädigt für die fehlenden Toiletten, die Büsche müssen reichen. Dumm nur, dass wir jetzt 30 Minuten bis zur Bühne brauchen. Wir bleiben also, wo wir sind, und verpassen die meisten Konzerte, während wir es uns vor unserem Zelt gemütlich gemacht haben. Doch damit sitzen wir nicht alleine da, um uns herum ist mindestens genauso viel Party wie direkt vor der Bühne. Vielleicht gehen wir das nächste Mal einfach nur campen und sparen das Geld für das Konzert.
Tipp: Ein Blick auf den Lageplan, dann kommen Blasen an den Füßen nur noch vom Tanzen, nicht vom langen Fußmarsch.

Friederike Vogel

Beim „Weedbeat“ ohne Sonnencreme: Gebranntes Kind
Die Musik groovt, der Schweiß läuft, und die Sonne brennt. Während wir uns vor der Bühne lässig zu den Klängen der Ska- und Reggae-Musik bewegen, treffen die bösen Sonnenstrahlen ungebremst auf meine zarte, weiße Haut. Für Sonnencreme war in meinem Gepäck zwischen Handtüchern, Milchbrötchen und Müsli kein Platz mehr. Außerdem versuche ich das weiße, klebrige Zeug, so gut es geht, zu meiden. Solange ich in Bewegung bin, merke ich nicht, dass meine Haut langsam eine ungesund rote Farbe annimmt. Nicht einmal das nächtliche Herumwälzen auf dem harten, steinigen Untergrund lässt es mich spüren, die Gliederschmerzen lenken davon ab. Erst auf dem Weg zurück zum Bahnhof, als sich die Träger meines schweren Rucksacks auf meinen Schultern reiben, fühle ich den Schmerz. Zu Hause angekommen, wird so auch die lang ersehnte Dusche nach einem Wochenende voller Schweiß und Staub zu einer Tortur. Wie tausend Nadelstiche prickeln und brennen die Wasserstrahlen auf der Haut. Auf dieses Festivalsouvenir der besonderen Art kann ich im nächsten Jahr verzichten.
Tipp: Mit Sonnencreme- und Hut kann man hinterher gesunde Festivalbräune präsentieren – ohne lästigen Sonnenbrand.

Friederike Vogel

Beim Hurricane ohne Duschkopf: Ehrenkodex eingehalten

Diese Zeltschnur habe ich nicht gesehen. Ich stolpere und lande mit einem Bauchklatscher in einer braunen, fast metertiefen Schlammpfütze. Wenn es auf dem Hurricane Festival regnet, werden graue Staubwolken, die tausende von Feiernden hochwirbeln, zu ekligen Matschfeldern. Mein weißer Pullover ist graubraun gefleckt, ich habe Schlammspritzer im Gesicht und schlechte Laune. Der Ehrenkodex aller hartgesottenen Festivalgänger verbietet mir, in vier Tagen und drei Nächten Festivalbesuch auch nur einen Tropfen Wasser mehr als nötig an meinen Körper zu lassen. Bis zu dieser Schlammpfütze habe ich mich an das Duschverbot gehalten. Jetzt stehe ich in einer meterlangen Schlange zu den Sanitärcontainern und träume von einem Schaumbad im eigenen Badezimmer. Bewaffnet mit Handtuch, Bikini und weit ausgestreckten Ellenbogen erkämpfe ich mir meinen Weg zu einer der wenigen Warmwasserduschen. Der Boden ist dreckig, es tropft und plätschert – dann streikt der rostige Duschkopf. Ungewaschen und vielleicht noch dreckiger als vorher stolpere ich auch über meine eigene Zeltschnur. Nächstes Jahr schlafe ich im Wohnwagen. Ohne blaue Flecken und frisch geduscht macht das Tanzen in der ersten Reihe dann bestimmt nur halb so müde.

Tipp: Bei schlechtem Wetter niemals stolpern. Wer sich dem Ehrenkodex verweigert, kann in eine Solardusche aus dem Baumarkt investieren.

Alisa Schellenberg

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