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Willkommen in unserer WG

WG-Formen Willkommen in unserer WG

Ein Kühlschrank nur für Bier, Latino-Rhythmen oder Hauspartys mit 150 Gästen: Jede Wohngemeinschaft hat ihre Eigenheiten. Die passende zu finden ist gar nicht so leicht. Wir haben fünf WGs gefragt, worauf es ihnen beim Zusammenleben ankommt.

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Reine Männer-WG: Tobi, Tom und Philipp kochen gern gemeinsam.

Quelle: Kutter

Für gute Freunde

In der Küche schnippeln Tobi, Tom und Philipp Gemüse für das Abendessen. Jeder erzählt dabei ein bisschen was von seinem Tag. Das ist ein Ritual in ihrer WG: Auch wenn tagsüber jeder sein eigenes Ding macht, wird abends so oft es geht gemeinsam gekocht und gegessen. „Dabei kann man sich alles von der Seele reden“, findet der 22-jährige Tobi.
Auch wenn es um die Ordnung in der Wohnung geht, mögen es die drei harmonisch. Einen Putzplan gibt es nicht, jeder räumt freiwillig auf oder wischt mal das Bad. „Wenn Gäste kommen, machen wir automatisch regelmäßig sauber“, sagt Tobi und grinst. Nur die Pfandflaschen stehen schon eine Weile in der Küche.
Die Jungs sind Freunde, schon bevor sie zu Mitbewohnern wurden. Tom und Philipp kommen aus dem gleichen Dorf, später lernten sie Tobi kennen. Irgendwann entstand die Idee zur WG. Dass es eine reine Jungs-WG wird, war ihnen nicht so wichtig. Nur mit Fremden wohnen wollte keiner, „sonst kauft man die Katze im Sack“, sagt Philipp. „Die WG ist wie eine zweite Familie“, findet Tom.
Ihr WG-Leben bezeichnen sie als eher ruhig. Statt Party gibt es bei ihnen viele entspannte Abende mit Video- und Brettspielen.

Elena Everding

Für Familiäre

Mit Familienanschluss: Mohammed (links) feiert auch mit Gudrun (rechts) und Familie Weihnachten.

Gudrun und Mohammed sitzen im Wintergarten. Auf dem Tisch liegen Urlaubsfotos, Mohammed redet über seinen Tag an der Uni. Eine typische Szene in einer eher seltenen WG: Denn der 27-jährige Mohammed könnte der Enkel der 77-jährigen Gudrun sein. Obwohl sie nicht verwandt sind, lebt Mohammed seit eineinhalb Jahren mit Gudrun und ihrem Mann Werner in einem Haus. Und alle sind glücklich damit.
„Ich wollte etwas Neues ausprobieren und dabei mein Deutsch verbessern“, erklärt der Student aus Marokko seine Entscheidung, eine WG mit dem Rentnerehepaar zu gründen, anstatt mit Gleichaltrigen zusammenzuziehen. Der Kontakt zu Gudrun kam über den Verein „Wohnen für Hilfe“ zustande. Nun vermittelt sie ihm ein bisschen deutsche Kultur, zum Beispiel beim gemeinsamen Frühstück. Gudrun freut sich über Mohammeds Gesellschaft, außerdem hilft er im Haushalt mit. Miete muss er für sein Zimmer mit eigenem Bad nicht zahlen, nur laufende Kosten, zum Beispiel für Strom.
Für Feierwütige ist ihre WG nichts, jedes Wochenende eine Hausparty schmeißen geht nicht. Dafür gibt es viel Familienanschluss. Mohammed feiert sogar Weihnachten mit Gudrun und ihrer Familie.

Elena Everding

Für Mutige

Von der Zweck-WG zu Freunden: Maja, Anna und Jasmin.

Dass Maja, Anna und Jasmin sich kennengelernt haben, verdanken sie ihrem Vermieter. Denn der hat für die Lindener Dachgeschosswohnung in mehreren Runden Bewerber gecastet und sich schließlich jeweils für die drei 19 Jahre alten Frauen entschieden. Was aber vor knapp zwei Monaten als Zweck-WG entstand, entwickelte sich schnell zur Freundschaft: „Gleich am ersten Abend haben wir alle in einem Bett gelegen und Mario Kart auf dem Nintendo gespielt“, erzählt Anna. Garantiert ist das in einer WG aus lauter Fremden nicht, doch die Chance auf neue Freundschaften ist groß.
Auch der WG-Alltag funktioniert bei den Mädels. Wer Dreck sieht, putzt sofort. „Wir brauchen keinen Plan“, sagt Maja. In der winzigen Küche steht trotzdem ein voller Aschenbecher, obwohl an der Wand ein „Rauchen verboten“-Schild hängt. Der Raum ist spartanisch eingerichtet, um eine Holzplatte stehen ein Campingsessel und zwei Bierkästen mit Kissen. „Wir haben uns bewusst gegen Möbel entschieden“, sagt Anna. Auf ihrem Bett sitzt das WG-Haustier Harro Peanut, ein Plüsch-Panda. Wenn die drei zusammensitzen, erzählt die mit dem Panda auf dem Schoß zuerst vom Tag – ihr Abendritual ist ihnen wichtig.

Theresa Kruse

Für Internationale

Die Kultur-WG: Bulgarin Hristina und Mexikaner Miguel wohnen zusammen.

Die unterschiedlichen Kulturen der WG-Bewohner erkennt man am deutlichsten beim Musikgeschmack. Aus Miguels Zimmer tönen Latino-Rhythmen, Hristina hört am liebsten den arabischen Klängen ihrer bulgarischen Heimat zu. Die beiden ausländischen Studenten wohnen in einer WG mit Anke und Caroline aus Deutschland.
Besonders seltsam war die Konstellation zu Beginn für den Mexikaner Miguel. In seiner Heimat wohnte er zwar auch in einer WG, aber nur mit Männern. Das sei dort so üblich, gemischte WGs gebe es kaum. „Hier muss ich ein wenig ordentlicher sein“, gibt Miguel zu und zwinkert Hristina zu.
Das klappt aber gut: Jeder hält sich an den Putzplan. „Die Deutschen sind gut organisiert. Und sie stehen immer um 8 Uhr morgens auf. Selbst wenn sie keine Kurse haben“, sagt Miguel und schüttelt den Kopf. Wenn sich solche Vorurteile bestätigen, nehmen das die vier aber mit Humor.
In einem sind sich Miguel, Hristina, Anke und Caroline einig: Das WG-Klima hängt nicht von der Nationalität, sondern von der Persönlichkeit ab. „Du ziehst irgendwo ein – und findest deinen Platz“, ist sich Hristina sicher.

Dora Volke

Für Gesellige

Die Party-WG: In der Sechser-WG geht es um die Gemeinschaft.

In unserer WG sind wir ganz offen“, erzählt Josephine freudestrahlend und öffnet die Tür zur 170-Quadratmeter-Wohnung. Sie führt durch den langen Flur und zeigt die sechs Zimmer, die zwei Balkone, das große und die zwei kleinen Badezimmer und den Extra-Kühlschrank, in dem nur Bier gelagert werden darf.
Die 25-Jährige wohnt schon seit vier Jahren in der Sechser-WG in der Goethestraße und hat sich bei wechselnder Besetzung nie wohler gefühlt als jetzt. „Als wir vor einem Jahr gleich vier neue Mitbewohner casten mussten, habe ich fast die Krise gekriegt“, erzählt sie. „Doch das Ergebnis war es voll wert.“ Seitdem stehen in der WG die Türen fast immer offen. „Vorher hat jeder eher für sich gelebt, doch seit dem Casting machen wir total viel zusammen.“ So kochen, essen und feiern sie gemeinsam.
Beim Casting vor einem Jahr musste jeder neue Mitbewohner zustimmen, bei den halbjährlichen WG-Partys dabei zu sein. Die sind mittlerweile im Freundeskreis schon legendär. „Dann räumen wir alle empfindlichen Möbel in ein Zimmer und feiern – mit 150 Leuten“, erzählt Josephine. Wie bei ihren Mitbewohnern war es ihr Wunsch, in einer großen WG zu wohnen: „Für jemanden, der nur Geld sparen will, aber eigentlich lieber alleine wohnt, ist das nichts.“

Von Ansgar Nehls

WG-Casting-Knigge

Ihr sucht dringend ein WG-Zimmer, doch nach jedem Vorstellungsgespräch bekommt ihr eine Absage? Mit diesen Tipps verbessert ihr eure Chancen:

  •    Einschleimen ist tabu: Ein kleines Begrüßungsbier als Mitbringsel kann aber nicht schaden, darüber freuen sich die meisten WGs.
  •    Mama muss zu Hause bleiben: Was gar nicht geht, ist, mit Mama zu erscheinen. In einer WG zu leben bedeutet, selbstständig zu sein. Das muss auch schon im Casting rüberkommen.
  •   Stärken geschickt verpacken: Unkompliziertheit, Spontanität, Ordentlichkeit und Sauberkeit sind gewünschte Eigenschaften. Wer das unterschwellig in seine Antworten einfließen lässt, hat schon halb gewonnen. Im Gegensatz dazu sind Pingeligkeit, Zickigkeit oder Ich-Bezogenheit absolute No-Gos.
  •    Sei ehrlich: Rauchst du? Bringst du ein Haustier mit? Fährst du am Wochenende oft nach Hause? Kläre schon am Anfang, ob ihr euch bei solchen Sachen versteht. Sonst ist es vielleicht einfach nicht deine WG.
  •    Bereite dich vor: Es gibt Standardfragen, auf die man eine Antwort geben sollte: „Wann stehst du normalerweise auf?“, „Was hörst du für Musik?“ Auf solche Fragen kannst du dich vorbereiten – aber bloß keinen auswendig gelernten Text runterrattern!
  •   Frag nach: Auch wenn es hauptsächlich um dich geht: Lass dich nicht nur ausfragen. Werd selbst aktiv und frage zum Beispiel, ob die WG zusammen kocht oder Spieleabende macht. Das zeigt dein Interesse am gemeinschaftlichen Leben. Und nimm dir Zeit, die Wohnung anzugucken. Nebenbei nach der Existenz eines Putzplans zu fragen, ist auch nicht schlecht.

Dora Volke

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