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An die Arbeit!

Erfahrungen aus der Ausbildung An die Arbeit!

Dass man es in der Ausbildung auch mit wütenden Kunden und großen Herausforderungen zu tun bekommt, damit rechnen viele nicht, wenn sie eine Ausbildung beginnen. Auf ZiSH erzählen vier Ex-Azubis, warum sich die Lehre trotzdem gelohnt hat.

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Auf der schiefen Bahn

Hammerjob: Max entschied sich für eine Lehre als Zimmerer statt fürs Abitur und Studium – und ist damit glücklich geworden.

Quelle: BT

Ein Hammerjob

Hannover.

„Etwas Praktisches“ sollte es sein, da war ich mir bei meinerwar sich Max Große-Bley bei seine Berufswahl sicher. Als ich meine Ausbildung zum Zimmerer begann, hatte ich ehrlich gesagt trotzdem wenig Ahnung, wie das konkret aussehen wird.

Es war nicht gerade typisch, das Gymnasium nach der 11. Klasse mit dem erweiterten Realschulabschluss für eine Handwerksausbildung zu verlassen. Zum Glück reagierten meine Freunde, viele davon Studenten, und meine Familie super. Ein solider Beruf, das kommt bei Eltern gut an. Großen Respekt hatten alle vor der anstrengenden körperlichen Arbeit, die der Job verlangt.

Ich erhoffte mir eigenständig zu arbeiten und finanzielle Unabhängigkeit. Doch meine Erwartungen wurden noch übertroffen. Zwar war ich anfangs oft kaputt nach der Arbeit: Bei größter Hitze und im eisigen Winter den ganzen Tag draußen zu arbeiten ist hart – daran muss man sich gewöhnen. Aber es hat sich gelohnt: Nach meiner Abschlussprüfung werde ich von meinem Betrieb übernommen.

Vielleicht mache ich irgendwann den Meister oder studiere – aber eines weiß ich: Die Ausbildung war das Beste, was ich machen konnte.

Aufgezeichnet von Elena Everding

Max Große-Bley (24) ist Azubi bei der Hannoverschen Zimmerei GmbH & Dachdeckerei.

Für das 
Leben gelernt

Mein Traum war es schon von klein auf, später mal ein Hotel zu leiten. Nach der Ausbildung zur Hotelfachfrau kann man aber auch was anderes machen, zum Beispiel ein Restaurant führen. Natürlich war die Lehre hart – die körperlichen Belastungen sind nicht zu unterschätzen. In diesem Beruf nimmt man viel für das Leben mit. Ich habe während der Ausbildung die unterschiedlichsten Menschen kennengelernt. Heute trete ich in vielen Situationen viel selbstbewusster auf. Das hat meine Persönlichkeit sehr gestärkt. Es kann auch schon mal sein, dass man mit unfreundlichen Gästen zu tun hat, aber dadurch lernt man, Konflikte zu bewältigen, was für mich auch im privaten Umgang mit Freunden und Familie sehr hilfreich ist.

Man bekommt während der Lehre einen Einblick in verschiedene Bereiche des Hotels, zum Beispiel ins Housekeeping, wo die Zimmer hergerichtet werden, in die Küche, den Service, die Arbeit an der Rezeption, im Veranstaltungsbüro oder im Bankett-Service, wo größere Tagungen vorbereitet werden. Wobei mir der Einsatz im Veranstaltungsbüro besonders viel Freude bereitet hat, da hier Organisation gefragt ist.

Aufgezeichnet von Johanna Liebenau

Franziska Geißler (21) wurde nach Abschluss ihrer Ausbildung vom Hotel Courtyard by Marriott übernommen.

Organisatorin 
im Hintergrund

Immer wenn ich ein Projekt abgeschlossen habe, bin ich erschöpft – und auch ein bisschen stolz. Bei meiner Ausbildung zur Veranstaltungskauffrau im Musikzentrum kümmere ich mich darum, dass die Veranstaltungen reibungslos ablaufen. Die größte bisher war die Fête de la Musique, bei der wir für alle Bühnen verantwortlich waren. Nur ganz selten kann ich dann in Ruhe die Musik genießen. Denn eigentlich ist immer noch etwas zu tun: Dann muss ich zum Beispiel Wasserkästen oder Gema-Formulare besorgen.

Doch hauptsächlich arbeite ich im Büro, wähle Bands für kommende Veranstaltungen aus oder organisiere den Aufbau der Bühne. Häufig habe ich mich bei den verschiedenen Projekten des Musikzentrums auch um die Finanzierung und Koordination gekümmert. Da durfte ich schon sehr früh selbstständig arbeiten – das schätze ich sehr.

Zusätzlich musste ich ein bis zwei Tage in der Woche zur Berufsschule. Dort lernte ich dann unter anderem wie viele Rettungswege bei welcher Deckenhöhe und Besucherzahl nötig sind. Das ist manchmal nervig, aber sehr wichtig falls tatsächlich mal etwas schiefläuft.

 Aufgezeichnet von Theresa Kruse

Jennifer Nörtemann (26) arbeitet nach ihrer Ausbildung jetzt weiterhin beim Musikzentrum als Veranstaltungskauffrau .

Autos aus 
Leidenschaft

Leasing-Verträge abwickeln, Garantiebescheinigungen ausstellen, Ersatzteile beschaffen: Das habe ich während meiner Ausbildung zum Automobilkaufmann gelernt. Für den Umgang mit schwierigen Kunden gibt es keine Anleitung. Während meiner Ausbildung musste ich das in jeder Situation neu lernen. Gerade bei wütenden Kunden, die nicht einsehen, warum sie manchmal für eine Reparatur viel Geld bezahlen müssen, ist es schwierig die Nerven zu wahren. Da hilft es nur, sich einen Schutzschild zuzulegen, damit man nicht selbst unfreundlich wird.

Manche Abteilungen übertragen einem sofort viel Verantwortung, aber nur so habe ich gelernt, selbstständig zu arbeiten. Viele Abläufe kehren wieder, so dass man sich selbst einarbeiten und schnell besser werden kann. Schön ist es dann, wenn man auch Erfolge verbuchen kann und man mit komplizierteren Aufgaben betraut wird. So durfte ich einmal eine komplette Auto-Auslieferung an einen Großkunden mit organisieren. Wenn die Kunden danach zufrieden sind, weiß ich, dass ich den richtigen Job gewählt habe.

Aufgezeichnet von Tim Ende

René Langer (24) hat seine Ausbildung Ende Juli erfolgreich abgeschlossen und wurde vom Autohaus Gessner & Jaccobi übernommen.

Noch keinen 
Ausbildungsplatz?

In den meisten Betrieben beginnt die Ausbildung traditionell zum 1. August. Mehr als 4200 Azubis hatten in der Region Hannover kürzlich ihren ersten Arbeitstag. Wer selbst noch keine Stelle hat, braucht nicht in Panik auszubrechen: In vielen Betrieben kann auch im September oder später begonnen werden. Freie Stellen gibt es bei der Lehrstellenbörse der Industrie- und Handelskammer (IHK) im Netz unter 

www.ihk-lehrstellenboerse-hannover.de. Für dieses Jahr finden sich dort noch rund 340 freie Ausbildungsplätze. Besonders gute Chancen auf eine Stelle gibt es in der Gastronomie, Logistik und im Handel, aber auch im IT-Bereich. Auch die Agentur für Arbeit hat eine Jobbörse. Hier gibt es auch Alternativen zum eigentlichen Wunschberuf.

Da jedes Jahr Hunderte von Azubis ihre Ausbildung zum 1. August trotz Zusage nicht antreten, bekommen neue Bewerber eine zweite Chance: Die IHK meldet die freien Stellen bei der Agentur für Arbeit, wo sich Jugendliche ohne Stelle als ausbildungsplatzsuchend melden sollten.

Wer bis zum 30. September noch kein Glück hatte, kann an Nachvermittlungsgesprächen von IHK und der Agentur für Arbeit teilnehmen. Dafür muss man ebenfalls als ausbildungsplatzsuchend gemeldet sein.

Manuel Behrens

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