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Was wir wirklich in der Uni lernen

#uniwissen Was wir wirklich in der Uni lernen

#uniwissen: Die Beschreibungen der Veranstaltungen im Vorlesungsverzeichnis sagen viel – oft steckt aber nicht so viel dahinter.
 ZiSH-Autoren haben geschaut, wie ihre Kurse wirklich waren, und sie in einem Satz zusammengefasst.

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Wie Vorlesungen wirklich ablaufen, steht häufig nicht im Vorlesungsverzeichnis.

Quelle: dpa

„Game of Thrones“, „Fargo“ und „House of Cards“ gucken, über Figurenkonstellationen und Aufbau diskutieren, Serien weiterspinnen: All das hatte ich mir unter dem Seminar „Serien in Literatur und Film“ vorgestellt. So versprach es auch der Ankündigungstext im Vorlesungsverzeichnis, nach dem ich anfangs meine Seminare auswählte.

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Und was studierst du so? Sag es einem Satz auf Twitter unter dem Hashtag #uniwissen . Die schönsten Beispiele veröffentlichen wir hier.

Was wirklich passierte: Ja, manchmal schauten wir Ausschnitte aus Serien. Die waren aber Teil von endlosen Referaten, die wie vorgelesene Wikipedia-Artikel klangen. Hinterher gab es noch ein langweiliges Handout dazu. Die fehlende Struktur der Vorlesung machte das tolle Seminarthema kaputt. Von den Versprechungen aus dem Vorlesungsverzeichnis blieb nicht viel übrig.

Solche Enttäuschungen kennt wohl jeder Student. Ich habe daraus gelernt. Natürlich sollte man sich für die Seminare entscheiden, die einen vom Thema her ansprechen. Oft ist aber noch wichtiger: Welcher Dozent gibt das Seminar? Haben Kommilitonen das Seminar schon mal belegt? Eine kurze Einschätzung vom Mitstudenten sagt oft mehr über das Seminar aus als elendig-lange, kompliziert ausformulierte Beschreibungen im Vorlesungsverzeichnis. Und darüber kann man sich auch gut bei einer Folge „Game of Thrones“ austauschen – wenn es die Spannung gerade erlaubt. 

Von Hannah Scheiwe

Ankündigung für Einführung in die Literaturwissenschaft (Fach: Germanistik, Uni Hannover):

Das steht im Vorlesungsverzeichnis: Die Vorlesung führt in zentrale Themen und Fragen der Literaturwissenschaft und ihrer Geschichte ein und gibt zugleich einen Überblick über das Fach. Behandelt werden folgende Aspekte und Fragen: Was ist Literatur? Was ist Literaturwissenschaft? Geschichte der Literaturwissenschaft, Arbeitstechniken, Edition/Ausgaben, Rhetorik/Stilistik, Autor–Text–Leser, Theorien und Methoden der Literaturwissenschaft, Kultur/Wissen, Medien/Medialität, Gattungen: Lyrik, Epik, Dramatik.

Das habe ich gelernt: Alles kann Literatur sein, sogar ein 
Einkaufszettel.

Ankündigung für Medien als Dinge (Fach: Medienwissenschaft, Uni Regensburg):

Das steht im Vorlesungsverzeichnis: Das Seminar beschäftigt sich ... damit, warum Figuren wie Hello Kitty, obwohl sie an kein Narrativ gebunden sind und wenig Charakter besitzen, ... eine solche Allgegenwart zu erzeugen vermögen ...

Das habe ich 
gelernt: 
 Hello Kitty mag jeder, weil sie so süß ist.

Ankündigung für Kulturwissenschaft (Fach: Kultur, Sprache, Medien, Uni Flensburg):

Das steht im Vorlesungsverzeichnis: Die Veranstaltung versteht sich als Einführung in die theoretischen Grundlagen und Grundbegriffe der Kulturwissenschaft, die aufgrund ihrer interdisziplinären Ausrichtung ein weites Spektrum an wissenschaftlichen Ansätzen und Fragestellungen impliziert, das der zunehmenden Spezialisierung der Einzeldisziplinen produktiv entgegenzuwirken vermag. Das Seminar sucht u.a. Antworten auf zentrale Fragen zu geben wie: Was ist Kultur? Welche Funktionen übernimmt sie? Wie lassen sich Texte „als Formen der kulturellen Selbstwahrnehmung und Selbstthematisierung ...“, mithin als Teil von Kultur erfassen und kontextualisieren? Wie können die gewonnenen Erkenntnisse theoretisch reflektiert werden? Ziel des Seminars ist es, Einblicke in das transdisziplinäre Vorgehen der Kulturwissenschaft zu gewinnen und dieses (nicht nur) auf literarische Werke anwenden zu können. Hierzu werden wir uns mit zentralen kulturwissenschaftlichen Ansätzen, (Literatur-)Theorien und Personen beschäftigen und deren mögliche Anwendungen ausloten.

Das habe ich gelernt: Kultur ist das 
Gegenteil von Natur.

Ankündigung für Utopisches Denken als Gegenstand der Philosophiedidaktik (Fach: Philosophie, Uni Hannover):

Das steht im Vorlesungsverzeichnis: Die Betrachtung der Welt im Modus des Konjunktivs lenkt den Blick auf alternative Gesellschaftsentwürfe und enthüllt damit zugleich den defizitären Zustand der Gegenwart. Die Utopie als Vor-Schein einer besseren Welt versucht, die bestehende zu transzendieren und verweist so auf einen räumlich oder zeitlich entfernten Sehnsuchtsort ... Die didaktische Grundannahme des Seminars besteht darin, dass das utopische Denken in seiner kontrafaktischen, spekulativen Ausrichtung einen unverzichtbaren Bestandteil des „Philosophierens als Kulturtechnik“ ... darstellt, dessen Umsetzung in der Unterrichtspraxis jedoch noch genauer zu bestimmen ist. Ziel des Seminars ist die Analyse ausgewählter Utopien (und Dystopien) in Auszügen und ihre didaktische Aufbereitung für den Unterricht in den Fächern Philosophie und Werte und Normen.

Das habe ich gelernt: Studenten referieren knapp einzelne Utopieentwürfe – die verbliebenen 80 Prozent der Zeit wird darüber diskutiert, ob ein stummer Impuls
sinnvoll wäre.

Ankündigung für Getränketechnologie und -sensorik (Fach: Lebensmittelwissenschaft, Uni Hannover):

Das steht im Vorlesungsverzeichnis: Aufbauend auf der Gewinnung pflanzlicher und tierischer Rohstoffe und auf der Allgemeinen Lebensmitteltechnologie werden spezielle Verfahren zur Herstellung, Lagerung, Gästeservice und Qualitätssicherung alkoholfreier und alkoholischer Getränke behandelt ... In dem begleitenden Seminar mit ausgewählten Exkursionen und/oder multimedialer Unterstützung werden die Vorlesungsinhalte produktspezifisch vertieft. Ein Praxisbezug wird durch ausgewählte Exkursionen zu Getränkeherstellern und/oder multimediale Unterstützung sowie sensorische Verkostungen hergestellt. Die Studierenden halten ... Referate über Beurteilungsgrundlagen, Warenkunde (inkl. sensorisches Profil), Herstellung und Qualitätssicherung von ausgewählten Getränken und bereiten zu dieser Produktgruppe sensorische Verkostungen vor, die sie mit den Studierenden durchführen, auswerten und diskutieren.

Das habe ich gelernt: Das teuerste Bier ist nicht immer das beste.

Ankündigung für Grundlagen der Sportmedizin – Schwerpunkte Leistungsdiagnostik und körperliches Training (Fach: Humanmedizin, MHH Hannover):

Das steht im Vorlesungsverzeichnis: Vermittlung der sportmedizinischen und physiologischen Grundlagen unter Einbindung von Sportpraxis bei beliebten Sportarten. Praktische Übungen zu sportartspezifischen Fragestellungen unter besonderer Berücksichtigung der Leistungsdiagnostik im Bereich Ausdauer, Kraft und Schnelligkeit.

Das habe ich gelernt: Ein Wochenende lang Blutwerte bestimmen, die eigene Fitness 
prüfen und am Ende um den Maschsee joggen.

Mitarbeit: Tim Ende, Sarah Seitz, Kira von der Brelie, Anne Lucas, Hannah Scheiwe, Jacqueline Niewolik, Sophie Leyh

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