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Erste Schritte zur Mobilität Lotsenprüfung mit Leuchtweste

Verkehrshelfer Lotsenprüfung mit Leuchtweste

Nach Angaben der Deutschen Verkehrswacht sind bundesweit 50 000 Schülerlotsen im Einsatz. Einmal im Jahr bildet Dieter Meyer von der Verkehrswacht Hannover neue Lotsen aus. Dieses Jahr ist Meyer besonders zufrieden.

Mit neongelben Westen bekleidet machen Schüler ihre Lotsenprüfung.

Quelle: Dillenberg

Hannover. Es ist halb zehn. Während die meisten Schüler der Dietrich-Bonhoeffer-Realschule in ihren Klassenräumen sitzen und Englisch oder Physik pauken, steht für Lea, Lennart und 32 weitere Neuntklässler Verkehrsunterricht auf dem Stundenplan. Praxisunterricht in Hannovers Süden: Mit neongelben Westen bekleidet, stehen die Jugendlichen am Zebrastreifen, halten Verkehrskellen in den Händen und beobachten konzentriert den Verkehr an der Ecke Peiner Straße/Helmstedter Straße.

Ein Autofahrer im silberfarbenen Peugeot nähert sich und drosselt das Tempo, als er die Schüler in den leuchtenden Jacken erblickt. „Los!“, ruft Lea und marschiert mit erhobener Kelle seitwärts auf den Zebrastreifen. Ihr Gesicht dem Peugeot-Fahrer zugewandt, steht sie nun in der Mitte des Zebrastreifens, die Arme seitlich ausgestreckt. Wie eine Schranke hält sie die rot-weiße Kelle in der Luft, während ihre Mitschüler die Straße überqueren. „Das sieht hervorragend aus“, ruft Dieter Meyer von der Verkehrswacht Hannover. Hans-Peter Schütte, Verkehrssicherheitsbeamter der Polizeiinspektion Süd, der Meyer unterstützt, nickt zustimmend. Prüfung bestanden. Künftig kann Lea als eine von 130 Verkehrshelfern in Hannover ihren Mitschülern helfen, sicher zur Schule zu kommen.

Nach Angaben der Deutschen Verkehrswacht sind bundesweit sogar 50 000 Schülerlotsen im Einsatz. Das macht sich bemerkbar: Seit Einführung des Schülerlotsendienstes in Deutschland in den fünfziger Jahren hat es nach Angaben von Sprecherin Hannelore Herlan keinen nennenswerten Unfall an den von Lotsen abgesicherten Stellen gegeben.

Einmal im Jahr bildet Dieter Meyer, der seit 20 Jahren als ehrenamtlicher Ausbilder bei der Verkehrswacht tätig ist, neue Lotsen in der Dietrich-Bonhoeffer-Realschule, der IGS Linden, der Peter-Petersen-Schule und der Herschelschule aus – mehr als tausend Jungen und Mädchen wurden dank des ehemaligen Fahrlehrers zu Lotsen. Dieses Mal ist Meyer besonders zufrieden. Sowohl im zweitägigen Theorieunterricht als auch auf der Straße seien die Schüler sehr konzentriert und diszipliniert gewesen: „Einfach spitze.“

Nach der praktischen Prüfung auf dem Zebrastreifen geht es aber trotzdem noch einmal ins Klassenzimmer – das Gelernte will wiederholt werden. Und so schnellen etliche Finger in die Höhe, als Meyer fragt, was ein Verkehrshelfer unbedingt beachten muss, bevor er mit seiner Kelle in den Verkehr eingreift. „Die drei As“, antwortet Denise. Es sei wichtig, sich bei jedem herannahenden Auto zu fragen, wie es um die Aufmerksamkeit des Fahrers steht, was seine Absicht ist und wie alt er ist. Zudem, ergänzt ein Mitschüler, sei es wichtig, die Witterungsbedingungen und die Geschwindigkeit richtig einzuschätzen. „Wir haben gelernt, mit einer Formel den Anhalte- und Bremsweg auszurechnen“, sagt er. Dass Beladung, Bereifung, Bremse und Beleuchtung ebenfalls Einfluss auf den Anhalteweg haben, war auch Thema im Theorieunterricht.

„Und was dürft ihr als Verkehrshelfer auf keinen Fall denken?“, fragt Meyer. Antwort: „Dass wir Hilfspolizisten sind!“ Die Schüler müssten ihre Kelle stets mit Verantwortungsgefühl einsetzen, nicht wild herumfuchteln – und keinesfalls in den fließenden Verkehr treten, schärft Meyer ihnen ein. „Und ihr müsst zuverlässig sein.“ Das heißt für die Lotsen, bei Wind und Wetter je nach Dienstplan einmal in der Woche, einmal im Monat oder Schuljahr eine halbe Stunde früher aufzustehen und pünktlich vor Schulbeginn ihren Mitschülern über die Straße zu helfen. „Dafür bekommen wir dann einen positiven Zeugnisvermerk“, erzählt Lea.

Doch das ist nicht der einzige Grund für ihr Engagement. Ihr gefalle auch der Gedanke, den jüngeren Mitschülern dabei zu helfen, wohlbehalten zur Schule zu kommen, sagt die Neuntklässlerin: „Und es macht einfach großen Spaß.“

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