Volltextsuche über das Angebot:

20 ° / 12 ° wolkig

Navigation:
Im Kreisel kracht’s am häufigsten Im Grundsatz Grün

Verkehrssteuerung in Hannover Im Grundsatz Grün

Reibungslos sollte der Autoverkehr durch Hannover rollen – weil aber Busse und Bahnen Vorfahrt haben, tritt selten der Idealfall ein.

Nächster Artikel
Prof. Bernhard Friedrich: „Der konkrete Entwicklungsplan fehlt“

Verkehrsplaner Klaus-Peter Busse

Quelle: Kristoffer Finn

Hannover. Berufspendler, die Tag für Tag frühmorgens eher stockend als fließend über die Vahrenwalder Straße in Richtung Innenstadt rollen, mögen es womöglich nicht so recht glauben: Die berühmte grüne Welle existiert, auch in Hannover. „Ja, im Grundsatz gibt es die“, sagt Peter Freiwald, zuständiger Bereichsleiter für Koordinierung und Verkehr bei der Stadt Hannover. Aber so einfach sei das eben nicht mit der freien Fahrt auf den großen Straßen der Stadt.

Der Idealfall sieht vor, dass Autofahrer auf den viel befahrenen Einfallstraßen nur ein einziges Mal vor einer auf Rot stehenden Ampel halten müssen, an den nachfolgenden Kreuzungen haben sie dann grünes Licht. Das aber setzt ideale Bedingungen voraus: „Zum einen müssen die Abstände zwischen den einzelnen Kreuzungen genau aufeinander abgestimmt sein. Das ist zum Beispiel auf der Vahrenwalder Straße so nicht gegeben“, sagt Klaus-Peter Busse vom Fachbereich Tiefbau. Er ist für die Planung von Verkehrseinrichtungen verantwortlich. Autofahrer müssten sich für eine reibungslose grüne Welle zudem exakt an die vorgegebene Geschwindigkeit halten. Und letztlich dürften Bus und Bahn den abgestimmten Takt der Ampeln nicht ständig unterbrechen.

Genau das aber ist in Hannover der Fall – bewusst und gewollt. Aus umweltpolitischen Gründen beschloss der Rat vor mehr als 20 Jahren das Vorrecht des öffentlichen Nahverkehrs. Nun hat die Stadt einen Masterplan zur Mobilität für die nächsten 15 Jahre ausgearbeitet, der künftig keinen Verkehrsteilnehmer mehr benachteiligen soll. Wann und in welcher Form er umgesetzt wird, ist allerdings unklar.

Derzeit genießen Busse und Bahnen Vorfahrt, sobald sie sich den großen Kreuzungen nähern. Im Stadtbahnverkehr registriert ein in die Gleise eingelassener Empfänger die heranrollenden Bahnen und sendet die Information an die Ampelsteuerung, Busse melden sich über Funk bei der Anlage an. „Sobald die Fahrzeuge die Kreuzung überquert haben, melden sie sich bei der Ampelsteuerung automatisch wieder ab“, sagt Üstra-Sprecher Udo Iwannek. So soll sichergestellt werden, dass das grüne Licht für den bevorrechtigten Nahverkehr nur so lange wie wirklich notwendig leuchtet und der restliche Verkehr so schnell wie möglich wieder regulär rollen kann.

„Verkehrssteuerung ist ein komplexes Thema“, sagt Verkehrsplaner Busse. Die Ampelanlage an der Kreuzung Podbielskistraße/Sutelstraße habe zum Beispiel neun Signalphasen. „Es gibt also neun verschiedene Varianten, sie zu schalten. Das muss erst einmal konzipiert werden“, sagt Busse und deutet auf einen Plan mit Hunderten feinen, schwarzen Zeichen und Abkürzungen darauf. Die Skizze stellt den ampelgesteuerten Knotenpunkt in Bothfeld aus Perspektive der Verkehrsplaner dar. Ein komplexes Gebilde, das Fußgängern, Radfahrern, rechts und links abbiegenden Autofahrern gerecht werden soll. „Am besten allen gleichzeitig. Aber das ist schlicht nicht möglich“, sagt Busse.

Wie an den meisten der 500 Kreuzungen und Überwege im Stadtgebiet messen auch an der Kreuzung zwischen Podbi und Sutelstraße Detektoren das Verkehrsaufkommen. Die Ampel reagiert je nach Bedarf. Besonders kniffelig für die Verkehrsplaner ist die Festlegung der maximalen Wartezeiten, die – je nachdem, welche Phasen in Folge geschaltet werden – die einen oder die anderen Verkehrsteilnehmer in Kauf nehmen müssen. „80 Sekunden sind an einem solchen Knotenpunkt eigentlich viel zu lange“, sagt Busse. Für wartende Autofahrer fühle sich das an wie eine kleine Ewigkeit. „Aber auch die Fußgänger müssen nun mal rüber zur Sutelstraße.“

Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Brennpunkte im Straßenverkehr
Westschnellweg/Anschlussstelle Limmer

Der Deisterkreisel bringt die Experten an ihre Grenzen. „Markierungen, Ampeln, Schilder. Wir haben alles getan“, sagt Hauptkommissar Gerd Schöler, Verkehrssicherheitsexperte der Polizeidirektion Hannover.

mehr
Mehr aus Im Kreisel kracht’s am häufigsten
Von Redakteur Vivien-Marie Drews