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Unterwegs zum Führerschein Ein bundesweites Erfolgsmodell

Führerschein mit 17 Ein bundesweites Erfolgsmodell

2004 startete Niedersachsen den Modellversuch des „Begleiteten Fahrens“. Sechs Jahre später gilt der Führerschein mit 17 als Erfolgsmodell, zum 1. Januar 2011 wird er bundesweit eingeführt.

Hannover. Es gab nicht wenige Skeptiker, als Niedersachsen 2004 den Modellversuch des „Begleiteten Fahrens“ startete. Zu jung seien die Fahranfänger, hieß es, womöglich eher störend die Eltern auf dem Beifahrersitz. Sechs Jahre später gilt der Führerschein mit 17 als Erfolgsmodell, zum 1. Januar 2011 wird er bundesweit eingeführt. „Das ist eine sehr gute Maßnahme“, sagt der Entwicklungspsychologe Malte Mienert, „denn dadurch wird die Ausbildungszeit verlängert und eine Möglichkeit für die Jugendlichen geschaffen, langsam und unter Begleitung in den automobilen Straßenverkehr hineinzuwachsen.“

Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) erwartet vom begleiteten Fahren „eine sehr positive pädagogische Wirkung – auf Fahranfänger und Beifahrer“. Und der Präsident der Deutschen Verkehrswacht, Kurt Bodewig, nennt es „die erfolgreichste Maßnahme zur Reduzierung des Unfallrisikos junger Fahrer, die es je gab“.

Eine Studie der Universität Gießen aus dem Jahr 2007 zeigt in der Tat, dass die Teilnehmer am niedersächsischen Modellversuch in den ersten eineinhalb Jahren nach der Begleitphase 28,5 Prozent weniger Unfälle verursachten als sonstige Fahranfänger. Daraus zu schließen, dass generell das Unfallrisiko bei den 18- bis 24-jährigen Fahranfängern sinkt, hält Mienert allerdings für eine zumindest fragwürdige These. Bislang, sagt der Wissenschaftler, „wissen wir nicht, ob die 17-Jährigen nicht eh die Vernünftigen sind, die später ohnehin eine geringere Risikobereitschaft im Straßenverkehr gezeigt hätten“.

Mienert, der auch Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat der Deutschen Fahrlehrerakademie ist, befragt seit Jahren Jugendliche ab 14 Jahre zu ihrem Verhalten im Straßenverkehr. Seine Vermutung: „Diejenigen, die es im Auto krachen lassen wollen, warten lieber ein Jahr und fahren dann alleine.“ Das gelte vor allem für Jugendliche, die das Autofahren „als eine Möglichkeit der Selbstbeweisung, der Selbstdarstellung und des aggressiven Handelns verstehen“. Diese Jungen und Mädchen nehmen demnach erst gar nicht am begleiteten Fahren teil.

Für alle anderen aber ist es offenbar eine hilfreiche Lehrzeit hinter dem Steuer.

Die Auflagen sind im Wesentlichen:

  • Mit Erlaubnis der Eltern können sich Jugendliche ab 16,5 Jahren zum Unterricht anmelden. Nach bestandener Prüfung darf ab 17 in Begleitung gefahren werden.
  • Die Begleitperson muss mindestens 30 Jahre alt und auf der Prüfbescheinigung eingetragen sein. Sie muss seit mindestens fünf Jahren den Führerschein besitzen und darf nicht mehr als drei Punkte im Verkehrszentralregister haben.
  • Der Fahrer darf keinen Alkohol getrunken haben; für den Begleiter gilt die 0,5-Promille-Grenze.
  • Wer noch nicht 18 ist und ohne Begleitperson beim Fahren erwischt wird, zahlt 150 Euro Bußgeld und kassiert vier Punkte. Die Fahrerlaubnis wird entzogen und ein Aufbauseminar angeordnet.
  • Nach dem 18. Geburtstag hat man maximal drei Monate Zeit, um den vollwertigen Führerschein zu beantragen – in dieser Zeit darf übergangsweise noch mit der Prüfbescheinigung gefahren werden, auch ohne Begleitung. Im Ausland wird das Papier aber nicht anerkannt.

Patrick Hoffmann

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