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Unterwegs zum Führerschein Malte Mienert: „15 Prozent der jungen Menschen sind gefährdet“

Interview Malte Mienert: „15 Prozent der jungen Menschen sind gefährdet“

Im vergangenen Jahr sind 796 junge Männer und Frauen im Alter zwischen 18 und 24 Jahren im Straßenverkehr ums Leben gekommen – insgesamt verunglückten knapp 80 000. Der Bremer Entwicklungspsychologe Malte Mienert erforscht die Ursachen.

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Zahl sinkt auch in 2010

Dr. Malte Mienert, Entwicklungspsychologe aus Bremen

Quelle: Handout

Warum ist das Unfallrisiko der 18- bis 24-Jährigen so hoch?

Bei Jugendlichen mischen sich drei Risikofaktoren. Da ist zum einen das Anfängerrisiko, das von einer Überforderung im Straßenverkehr bestimmt wird. Das betrifft jeden Fahranfänger, egal, wie alt er ist – aber die meisten Fahranfänger sind halt jung. Dann gibt es noch das individuelle Risikoverhalten, bei dem der Straßenverkehr als Nervenkitzel gesehen wird. Das ist nicht besonders jugendtypisch, mischt sich aber oft mit der Unerfahrenheit. Und drittens sind Jugendliche besonders gefährdet, weil sie häufiger in jugendtypische Situationen geraten. Ich denke da an nächtliche Überlandfahrten zurück von der Diskothek, oft mit alkoholisierten Freunden im Auto. Alles zusammen führt zu einem erhöhten Risiko. Es wäre also unfair, es nur auf das Alter zu schieben.

Wie viele sind in dieser Altersgruppe im Straßenverkehr besonders gefährdet?

Unsere Untersuchungen haben ergeben, dass ungefähr 15 Prozent der jungen Menschen gefährdet sind.

Und sind es wirklich vor allem Jungen, die zur Risikogruppe gehören?

Nein, dieses Klischee haben wir mit Statistiken widerlegt. Die Mädchen haben aufgeholt, der Unterschied ist leider kaum noch bemerkbar. Früher hieß es immer, die Heranwachsenden vom Land seien die gefährdeten Fahrer. Aber es ist komplizierter.

Woran erkennen Sie risikobehaftete Fahrer?

Viele von ihnen gaben bei Befragungen an, Autofahren ohne Gefahr sei für sie langweilig. Dazu kommt eine geringe Akzeptanz von Verkehrsregeln und eine intensive Bindung ans Auto. Für diese Jugendlichen ist der Führerschein Ausdruck von Identität und schafft – vermeintliche – Akzeptanz bei den Freunden.

Warum vermeintliche Akzeptanz?

Viele Jugendliche glauben, dass von ihnen ein bestimmtes Fahrverhalten erwartet wird und dass das zum Erwachsensein dazugehört. Je souveräner man Gefahren meistert, so der Irrglaube, desto größer ist die Akzeptanz.

Was kann getan werden, um das Unfallrisiko bei jungen Menschen zu mindern?

Es gibt mehrere Ansätze. Die Fahranfänger müssen in den Fahrschulen besser ausgebildet werden. Es sollte ein paar Jahre nach der Führerscheinprüfung eine Nachschulung geben, um die gemachten Erfahrungen zu reflektieren. Zudem muss es weitere Restriktionen geben – wie das absolute Alkoholverbot in der Probezeit. Übrigens ist diese Maßnahme bei den meisten Jugendlichen äußerst beliebt, weil ihnen damit der Druck genommen wird, doch ein „Fahrerbier“ zu trinken.

Ein weiteres Problem ist oft das erste eigene Auto, das älter ist als das Fahrschulauto, mit dem sie gelernt haben.

Das stimmt. Es ist ein bekanntes Phänomen, dass viele Anfänger später eine alte „Möhre“ fahren. Wir Psychologen warnen deshalb auch davor, in der Fahrschule nur mit Assistenzsystemen zu lernen. Autofahren ist ein Handwerk, und als solches muss es auch erlernt werden.

Patrick Hoffmann

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