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Wann sollen Senioren den Führerschein abgeben? Christine Rettig: „Ein Zwangstest ist Gängelung“

Kontra Christine Rettig: „Ein Zwangstest ist Gängelung“

Eine gesetzlich vorgeschriebene Überprüfung der Fahrtüchtigkeit von Senioren lehnt der ADAC ab. "Wir plädieren für regelmäßige ärztliche Untersuchungen auf freiwilliger Basis und bieten spezielle Kurse für Senioren am Steuer an. Ein Zwangstest käme einer Gängelung gleich" behauptet Christine Rettig, Sprecherin des ADAC Niedersachsen und Sachsen-Anhalt.

Christine Rettig, Sprecherin des ADAC Niedersachsen und Sachsen-Anhalt, plädiert für regelmäßige ärztliche Untersuchungen auf freiwilliger Basis und spezielle Kurse für Senioren am Steuer.

Quelle: Handout

Zwar lässt sich nicht bestreiten, dass die körperliche Leistungsfähigkeit im Alter nachlässt, daraus zu schließen, dass von älteren Autofahrern eine überdurchschnittliche Gefährdung ausgeht, entbehrt jedoch jeder faktischen Grundlage. Senioren gehen meist regelmäßiger zum Arzt als Jüngere. Sie werden medizinisch engmaschig betreut und sind entsprechend gut über eigene körperliche Defizite aufgeklärt. Überdies sind die meisten Senioren durch ihre immense Lebenserfahrung in der Lage, ihren Fahrstil an ihr sinkendes Leistungsvermögen anzupassen: Sie fahren zumeist keine längeren Strecken mehr und wählen Routen, die ihnen vertraut sind.

Dass dies keine bloßen Behauptungen sind, belegen die Unfallstatistiken: Senioren, also Menschen jenseits des 65. Lebensjahres, stellen rund 20 Prozent der Gesamtbevölkerung, sind aber nur an elf Prozent aller Unfälle beteiligt. Bei den sogenannten Fahranfängern, der Altersgruppe zwischen 18 und 25 Jahren, verhält es sich dagegen nahezu umgekehrt. Sie machen acht Prozent der Bevölkerung aus, sind aber an 20 Prozent aller Unfälle beteiligt.

Diese Zahlen belegen, dass Rentner beim Unfallgeschehen, zumindest im Autoverkehr, lediglich eine untergeordnete Rolle spielen. Bei Fußgängern und Radfahrern bietet sich dagegen ein weniger erfreuliches Bild: Rund die Hälfte aller im Straßenverkehr getöteten Fußgänger und Radfahrer sind jenseits der 65. Das zeigt, dass wir dringend Anstrengungen für bessere Verkehrskonzepte unternehmen müssen. Für Konzepte, die der wachsenden Komplexität des Straßenverkehrs und einer alternden Gesellschaft Rechnung tragen. Mobilität ist ein hohes Gut, besonders für Senioren. Sie haben ein Recht darauf, ihren Aktionsradius bis ins hohe Alter möglichst weit zu halten.“

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Insgesamt geben pro Jahr rund 150 Fahrer aus dem Umland Hannovers von sich aus den Führerschein ab. Etwa 200 bis 300 Fahrerlaubnisse werden dagegen jährlich von der Führerscheinstelle entzogen. Es ist ein schmerzhafter Verlust für viele, die seit Jahrzehnten Auto fahren und selbst im hohen Alter davon überzeugt sind, dies „so sicher wie früher“ zu tun.

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