Volltextsuche über das Angebot:

18 ° / 7 ° wolkig

Navigation:
Wann sollen Senioren den Führerschein abgeben? Michael Dette: „Ein Check sollte bindend sein“

Pro Michael Dette: „Ein Check sollte bindend sein“

Autofahrer sollten sich ab dem 55. Lebensjahr regelmäßig einem medizinischen Check unterziehen. Dieser sollte gesetzlich vorgeschrieben sein. Zusätzlich sollten Autofahrer, alle zehn Jahre Theoriekurse machen müssen, denn die Straßenverkehrsordnung ändert sich laufend. Dies rät Michael Dette, stellv. Grünen-Fraktionsvorsitzender im Rat Hannover.

Mitarbeiter der Gruenen im Rat richten Fahrradparkplaetze im Parkhaus in der Osterstrasse ein. Michael Dette, Maarit Westphely und Ingrid Lange.

Quelle: Martin Steiner

Es ist Fakt, dass das Wahrnehmungsvermögen im vorgerückten Alter abnimmt – oftmals so schleichend, dass die Betroffenen erste Beeinträchtigungen ihrer Sinnesleistungen vielleicht nicht einmal registrieren. Deshalb bin ich dafür, dass sich Autofahrer ab dem 55. Lebensjahr regelmäßig einem medizinischen Check unterziehen. Das sollte gesetzlich vorgeschrieben sein. Dabei sollten allerdings nur die für die Fahrtüchtigkeit notwendigen Parameter überprüft werden, etwa das Seh- und Hörvermögen. Schließlich sollen die Menschen nicht das Gefühl haben, vorgeführt zu werden. Zusätzlich sollten alle Autofahrer, egal welchen Alters, in regelmäßigen Abständen – etwa alle zehn Jahre – Theoriekurse machen müssen. Die Straßenverkehrsordnung ändert sich laufend, langjährige Autofahrer sind oftmals nicht mehr im Detail mit geltenden Verkehrsregeln vertraut.

Eine gesetzliche Regelung würde klare Spielregeln schaffen und bei weniger einsichtigen Verkehrsteilnehmern mit sanftem Druck dazu beitragen, etwas gegen die eigenen Handicaps zu unternehmen. Oft ist mit einer Brille oder einem Hörgerät schon Abhilfe geschaffen. Und wenn tatsächlich schwerwiegendere Beeinträchtigungen vorliegen, kann es durchaus sinnvoll sein, den Führerschein abzugeben. Zum eigenen Wohl und zum Wohl anderer Verkehrsteilnehmer.

Für Mobilität bis ins hohe Alter brauchen wir tragfähige Verkehrskonzepte, die den Bedürfnissen älterer Menschen gerecht werden. Eine Stadt wie Hannover hat ein glänzend aufgestelltes Nahverkehrssystem, das ein eigenes Auto weitgehend verzichtbar macht. In ländlichen Regionen sieht das mitunter ganz anders aus. Hier müsste über intelligente Lösungen nachgedacht werden, die wirtschaftlich tragbar und flexibel sind. Wo sich der Einsatz regelmäßiger Buslinien nicht lohnt, könnten kostengünstige Ruftaxis zum Einsatz kommen. Gemeinden könnten über Fahrplatzbörsen im Internet dazu beitragen, dass Menschen Fahrgemeinschaften bilden. Ich bin davon überzeugt, dass Mobilität auch ohne eigenen Pkw möglich ist – vorausgesetzt, es wird genug unternommen, um Alternativen zu stärken.“

Mehr zum Artikel
Autofahren im Alter
Senioren verursachen weniger Unfälle als jüngere Autofahrer, statistisch betrachtet. Allerdings lassen Seh, - Hör- und Reaktionsvermögen nach.

Insgesamt geben pro Jahr rund 150 Fahrer aus dem Umland Hannovers von sich aus den Führerschein ab. Etwa 200 bis 300 Fahrerlaubnisse werden dagegen jährlich von der Führerscheinstelle entzogen. Es ist ein schmerzhafter Verlust für viele, die seit Jahrzehnten Auto fahren und selbst im hohen Alter davon überzeugt sind, dies „so sicher wie früher“ zu tun.

mehr
Mehr aus Wann sollen Senioren den Führerschein abgeben?