Volltextsuche über das Angebot:

21 ° / 10 ° wolkig

Navigation:
Wenn sich die Verkehrsregeln ändern Die wichtigsten Änderungen

Verkehrsregeln Die wichtigsten Änderungen

Viele Regeln der Straßenverkehrsordnung haben sich in den vergangenen Jahrzehnten verändert. Und obwohl sich jeder Verkehrsteilnehmer selbst über die jeweiligen Neuerungen informieren muss, klappt dies „in der Regel nicht hundertprozentig“, wie der ADAC Niedersachsen festgestellt hat.

Derzeit ist im Bundesverkehrsministerium wieder eine Revision angesagt; seit Monaten überarbeiten die Mitarbeiter dort die Straßenverkehrsordnung (StVO). Wann die Arbeiten abgeschlossen sein werden, und wann der Bundesrat über die Gesetzesnovelle abstimmen kann, ist aber noch offen.

Eigentlich wird die StVO ständig überarbeitet. Eine Novelle im Jahr 1970 etwa verlangte den Autofahrern ab, fortan beim Wechseln von der einen auf die andere Fahrspur den Blinker zu betätigen. In den neunziger Jahren räumte der Gesetzgeber den Radfahrern stetig mehr Rechte ein, etwa das Befahren von Einbahnstraßen in die Gegenrichtung.

Nicht zuletzt legt die StVO fest, wer mit welcher Strafe zu rechnen hat, wenn er gegen das Gesetz verstößt. Vielen Autofahrern dürfte der Bußgeldkatalog besser geläufig sein als so manches Verkehrszeichen. In den vergangenen Jahren sind die Bußgelder zum Teil drastisch erhöht worden. Wer beispielsweise die Geschwindigkeitsbegrenzung im Ort um 27 Kilometer pro Stunde überschreitet, muss mit drei Punkten in Flensburg und einem Bußgeld in Höhe von 100 Euro rechnen.

Bereits 2006 wurden „Elefantenrennen“ auf den Autobahnen verboten, also das zeitaufwendige Überholen eines Lkw durch einen nur minimal schnelleren Lastwagen. 2009 wurde das Bußgeld dafür schließlich auf 80 Euro erhöht.

Derzeit gilt die 46. Fassung des Gesetzestextes vom 5. August 2009. Hier die wichtigsten Änderungen:

§7 Auf dreispurigen Fahrbahnen – also auf Autobahnen – ist es Autos mit Anhängern nicht mehr gestattet, den linken Fahrstreifen zum Überholen zu benutzen, egal wie lang oder kurz das Gespann ist.

§7a Neu beim Verhalten auf Ein- und Ausfädelungsstreifen ist, dass Fahrzeuge in Zukunft beim Abbiegen auf den Ausfädelungsstreifen vom Beginn der breiten Mittellinie an rechts an dem Verkehr auf dem Hauptfahrstreifen mit höherer Geschwindigkeit vorbeiziehen dürfen. Das gilt aber nur, wenn der Verkehr auf dem Hauptfahrstreifen stockt.

§8 regelt die Vorfahrt – und damit auch die Einfahrt in den Kreisverkehr. Demnach ist es verboten, beim Einbiegen in den Kreisel zu blinken, beim Verlassen des Kreisverkehrs ist es hingegen Pflicht. Es ist übrigens nicht gestattet, über die Mittelinsel zu fahren, auch grundloses Halten im Kreisel ist verboten. (Zeichen 215)

§13 Geändert wurde auch Grundlegendes bei der „Einrichtungen zur Überwachung der Parkzeit“. Was erst einmal trocken klingt, hat eine hohe Knöllchenrelevanz. Die Novelle führt die „Parkraumbewirtschaftungszone“ (Zeichen 314.1 und 314.2) ein. In Zukunft muss der Bereich nur noch durch ein Zeichen am Beginn der Zone und durch ein weiteres am Ende beschildert werden.

§19 Folgende Neuerung ist auch beim Verhalten am Bahnübergang zu beachten: Beim Annähern an den Bahnübergang ist es Autofahrern verboten, andere Fahrzeuge zu überholen.

§21 Bei der Personenbeförderung bringt die 46. Novelle eine Änderung mit sich, die vor allem Familien mit Kindern interessieren dürfte. Dort ist nun geregelt, wer alles in einem Fahrradanhänger sitzen darf, nämlich bis zu zwei Kinder bis zum vollendeten siebten Lebensjahr. Der Fahrradfahrer muss mindestens 16 Jahre alt sein.

§24 regelt die Nutzung „besonderer Fortbewegungsmittel“. Darunter fallen neben Schlitten und Kinderwagen nun auch Inlineskates und Rollschuhe. Für alle, die mit ihnen an den Füßen unterwegs sind, gelten die Vorschriften für den Fußgängerverkehr. Auf Fahrbahnen und Radwegen haben sie nichts zu suchen – es sei denn, es ist durch ein entsprechendes Zusatzzeichen (Paragraph 31) ausdrücklich gestattet. In diesen Bereichen haben sich die Skater mit „äußerster Vorsicht“ am rechten Fahrbahnrand zu bewegen.

§37 regelt das Verhalten an den im Behördendeutsch sogenannten Wechsellichtzeichen, gemeinhin als Ampeln bekannt. Die Änderung betrifft vor allem die Radfahrer: Sie sollen sich in Zukunft – wenn vorhanden – nicht mehr nach der Fußgängerampel richten, sondern nach der Ampel für den Autoverkehr.

Vivien-Marie Drews & Tobias Morchner

Mehr zum Artikel
Tipps für erfahrene Autofahrer
HAZ-Redakteur Hans Borgaes mit Fahrlehrer Helmut Gasterich

Mit dem Schulterblick im Straßenverkehr ist das so eine Sache. Man könnte sagen, er ist auf dem absteigenden Ast. „Der Schulterblick ist so ein bisschen eingeschlafen“, sagt Fahrlehrer Helmut Gasterich, der es aus Erfahrung wissen muss.

mehr
Mehr aus Wenn sich die Verkehrsregeln ändern