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Biedermann und Brandstifter

Seat Leon Cupra ST im Test Biedermann und Brandstifter

Mit dem Seat Leon Cupra ST bringen die Spanier 300 PS auf die Straße / Ein Testbericht

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Die aggressive Front signalisiert: Dieser Spanier hat mit seinen 300 PS weit mehr unter der Haube, als man gemeinhin vermutet.

Quelle: Hersteller

Autos der spanischen VW-Tochter Seat gelten normalerweise nicht als besondere Aufreger. Zwar hat der Golf-Bruder Leon in der dritten Generation einen gewissen sportlichen Touch, doch das Image als Brot- und-Butter-Auto kann auch er nicht ablegen. Allerdings gibt es da eine kleine Ausnahme, die unter anderem durch den Schriftzug „Cupra“ am Heck zu erkennen ist, einer Wortschöpfung zusammengesetzt aus den Begriffen „Cup“ und „Racing“. Wer auf ein solches Fahrzeug trifft, bekommt es mit  301 PS zu tun. Die kosten im Seat Leon ST Cupra 300 2.0 TSI mindestens 37 200 Euro und haben es ordentlich in sich.

Ganz adretter, erster Eindruck

Bei einem ersten Gang um das Auto, in unserem Fall die Kombi-Version, denkt man: Na gut, okay, ganz nett. Die Spanier haben in den vergangenen Jahren jedenfalls in Sachen Design deutlich dazugelernt. Die roten Bremssättel, die schwarz abgesetzten B- und C-Säulen, 19-Zoll-Leichtmetallräder sowie die etwas großen Lufteinlässe in der Frontschürze ergeben einen ganz adretten Eindruck, der sich nahtlos bei der Inspektion des Innenraums fortsetzt. Ein klares Layout, Türeinstiegsleisten aus Aluminium, Sportpedalerie, Alcantarasitze und das bekannte Instrumentarium aus dem Wolfsburger Warenlager sind zeitlos und unspektakulär, solide eben. Ein gehobener Kombi aus der Kompaktklasse, angenehm anzusehen, aber einer von vielen.

Foto: Sportlich solide: das Cockpit des Seat Leon Cupra.

Sportlich solide: das Cockpit des Seat Leon Cupra.

Quelle: Hersteller

Motor mit aggressiven Unterton

Die ganze Geschichte ändert sich, sobald man seinen Platz eingerichtet hat, den Startknopf drückt und den Motor anlässt. Der faucht und brabbelt zwar nicht wie die großvolumigen Kollegen aus der Sportwagenfraktion, hat aber einen deutlich vernehmbaren, aggressiven Unterton. Wer in einem neuen, noch unbekannten Auto sitzt, tut erfahrungsgemäß gut daran, die ersten Meter verhalten zurückzulegen. Lenkung, Bremsen, Gaspedal – alles mal ausprobieren, zum besseren Kennenlernen.

Schön sauber in der Spur

Wenn der Motor dann warm und man mit dem Fahrzeug dasselbige geworden ist, darf es dann ruhig ein bisschen mehr sein. Wobei ruhig in diesem Zusammenhang das falsche Wort ist, denn mit der Ruhe ist es vorbei: Der Motor heult auf, der Wagen zieht so fulminant an, dass die Insassen spürbar ins Gestühl gedrückt werden. Holla, denkt man jetzt – mit drei Ausrufezeichen. Nach 5,9 Sekunden knackt der Cupra die 100-km/h-Marke, gefühlt ist es sogar noch ein bisschen schneller. Da der Spanier über die Vorderräder angetrieben wird, erwartet man irgendwie, dass der Antrieb an der Lenkung zerren muss. Passiert aber nicht, obwohl 300 PS für einen Fronttriebler eigentlich schon jenseits von Gut und Böse sind. Eine mechanische Differentialsperre an der Vorderachse sorgt dafür, dass der Cupra auch in Kurven schön sauber die Spur hält.

Vom Biedermann zum Brandstifter

Auch das adaptive Fahrwerk ist eine Überraschung. Es hält den Wagen stramm auf dem Asphalt, ohne jemals in Härte umzuschlagen. Das hat schon Klasse. Vor allem aber macht es das Auto in hohem Maße alltagstauglich, da weder die Wirbelsäule gestaucht noch die Bandscheiben strapaziert werden. Der Leon Cupra, und das schlägt die Brücke zum automobilen Mainstream, lässt sich wie ein Biedermann bewegen, gemütlich, komfortabel, ja, sogar ein bisschen langweilig. Sollte sich der Fahrer aber dazu entschließen, vom Biedermann zum Brandstifter zu mutieren und es ordentlich krachen zu lassen, reicht der Tritt aufs Gaspedal und schon fliegt die Kiste davon. Dazu braucht es nicht einmal den Sportmodus, der die Gänge höher ausdreht. Und weil das Kind im Manne auch nach noch so vielen Jahren Lebenserfahrung spielen möchte, macht es immer wieder einen Heidenspaß, im Rückspiegel zu beobachten, wie die verblüfften Gesichter der BMW- und Audi-Fahrer kleiner werden.

Deshalb lerne: Wer nur auf die eigene Marke vertraut und sich in der Nomenklatur der anderen Hersteller nicht  auskennt, kann so manche Überraschung erleben.

Von Gerd Piper

SEAT LEON CUPRA ST

Motor 2,0-Liter-Vierzylinder Turbo
Leistung 221 kW/301 PS
Max. Drehmoment 380 Nm
0-100 km/h 5,9 s
Spitze 250 km/h
Verbrauch 6,9 l Super
CO 2-Emission 158 g/km
Länge/Breite/Höh e 4,54/1,81/1,42 m
Kofferraum 587 l
Radstand 2,60 m
Preis ab 37.200 Euro

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