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Im Pony-Express

Ford Mustang Im Pony-Express

Der Ford Mustang ist eine amerikanische Ikone und das Schnäppchen unter den Sportwagen. Allerdings sollte man ihn nicht mit dem Elfer von Porsche vergleichen wollen.

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Der neue Ford Mustang: Der amerikanische Sportwagen gibt sich äußerlich ziemlich aggressiv, dabei lässt sich das Fahrzeug durchaus moderat bewegen.

Quelle: Hersteller

Isfried Hennen leitet die Produktkommunikation bei Ford in Deutschland. Er ist ein ruhiger Mann. Als Ford den Mustang in Deutschland präsentierte, konnte man bei ihm allerdings einen Anflug von Aufregung beobachten. Niemals zuvor, so Hennen, habe man schon im Vorfeld der Markteinführung so viele Anfragen für ein Testfahrzeug bekommen. Kein Wunder. Denn die Amerikaner bringen den Sportwagen offiziell zum ersten Mal auch in Deutschland auf den Markt.

418 PS aus fünf Litern Hubraum für 44 000 Euro (als GT) – wie geht das? Schließlich stammt der Wagen nicht aus irgendeiner asiatischen Muckelbude, sondern kommt von einem der renommiertesten Autohersteller der Welt.  Also haben wir uns ihn geholt. Auch wir waren etwas aufgeregt, denn dieses Auto bekommt man nicht alle Tage in die Hände.

Mythos von Freiheit auf vier Rädern

Der Mustang ist eine Legende. Er begründete das Segment der Pony Cars, kleiner, aber leistungsstarker Coupés. Er ist der Mythos von der Freiheit auf vier Rädern, der seinen Ursprung im Amerikanischen hat, in einer Gesellschaft in Bewegung. Tausend Geschichten ranken sich um dieses Auto, das in seiner Form stets aufregend, von der Technik aber eher einfach gehalten war. Die starre Hinterachse ist beispielsweise erst jetzt, mit der sechsten Generation, verschwunden. Für den europäischen Markt ist dafür serienmäßig ein Performance-Paket an Bord, über das sich per Kippschalter unter anderem die Charakteristik der Lenkung und die Fahrwerksabstimmung verändern lassen. Drehzahlmesser und Tachometer sind analog, sehr klar abzulesen und werden mit einbrechender Dämmerung wunderbar beleuchtet. Über den Bordcomputer kann sich der Fahrer sogar die G-Kräfte anzeigen lassen, die beim Gasgeben und in schnellen Kurven auf ihn einwirken.

Die Straße ist das Ziel - und darf sehr lang sein

Wer jetzt überlegt, der Mustang könne eventuell eine günstige Alternative zu Fahrzeugen vom Schlage eines Elfers von Porsche sein, macht einen Fehler. Ein Elfer flutscht anders um die Kurven, dafür wurde er gebaut. Und natürlich sind die 418 Pferdchen unter der mächtigen Motorhaube des Mustangs ein Schnäppchen. Aber der Mustang ist viel mehr: In den Amerikaner steigt man nur vordergründig ein, um an ein Ziel zu kommen. In dieses Auto steigt man ein, um unterwegs zu sein. Er ist das Versprechen, sich eine Zeit lang aus dem Alltag auszuklinken. Die Straße ist das Ziel, und diese Straße darf lang, sehr lang und durchaus kurvig sein. Denn den Mustang fährt man nicht einfach, er fährt mit einem – wenn die Kanten der Powerdomes durch die Dunkelheit schneiden, fallen die Sorgen des Tages auf wundersame Weise von einem ab und verlieren sich irgendwo in der Nacht. Der mächtige Achtzylinder grummelt dazu fast schon zärtlich im Hintergrund.

Kein Spritsparmodell - bei Vollgas frisst er 20 Liter

Und kommt einem unterwegs dann doch der Gedanke, dass es langsam an der Zeit wäre, irgendwo anzukommen, gibt man eben Gas – dann wird der Ami griffig, fletscht die Zähne und setzt den Befehl in mächtigen Vortrieb um. Mag sein, unter Absingen schmutziger Lieder des Fahrers, denn die acht Zylinder wollen befeuert werden, und das nach uramerikanischer Art. Ein Spritsparmodell ist der Mustang nicht, aber er ist eine ehrliche Haut und deshalb kann man per Balkenanzeige zusehen, wie der Benzinbedarf nach oben schnellt ­– 20 Liter und mehr können es schon mal sein. Da man nicht ständig im Vollgasmodus unterwegs ist, relativieren sich diese Angaben auch wieder. Wir sind in den zwei Wochen, in denen uns das Fahrzeug überlassen wurde, mit rund 12,0 Litern ausgekommen.

Mit 418 PS kann es bei Nässe heikel werden

Heikel kann es eventuell bei Nässe werden. Dann will der Wagen behutsamer bewegt werden. Zwar hilft ein elektronisches Stabilitätsprogramm, und auch ein Fahrprogramm für Schnee und Nässe schaltet auf Defensive, doch die 418 PS auf der Hinterachse bleiben nun einmal 418 PS. Trotzdem sollte die Leistungsfähigkeit im Alltag kein allzu großes Problem sein, denn es gehört zu den positiven Eigenschaften dieses Sportwagens, dass er einen nicht ständig dazu auffordert, auf die Tube zu drücken.

Unterm Strich fällt unser Urteil so aus: Der Mustang ist kein perfektes Auto, aber ein Lustobjekt. Bei diesem Auto geht es nicht so sehr um die messerscharfe Präzision in der Lenkung, oder um das letzte Quäntchen Leistung, das man aus der Maschine herauspresst. Der Mustang ist eine Lebenseinstellung –  und er ist ein sagenhaftes Angebot.

Von Gerd Piper

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