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So sportlich kann ein Kombi sein

BMW im Test So sportlich kann ein Kombi sein

Mit dem neuen 5er-Touring schließt der deutsche Automobilkonzern BMW fahrdynamisch die Lücke zur Limousine.

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Hochglanz-Kombi: Der neue 5er-Touring hat sich nur scheinbar äußerlich wenig verändert, fahrdynamisch setzt der Bayer Maßstäbe.

Quelle: Hersteller

Wenn BMW eine 5er-Generation in Angriff nimmt, ist die Fahrdynamik der zentrale Baustein. Die sportliche Ausrichtung der Bayern war immer das Pfund, mit dem sie wuchern konnten. Doch seitdem auch Mercedes und Audi mit ihren Business-Limousinen und Kombis auf einem vergleichbaren Level unterwegs sind, muss man in München Sorgen haben, von den anderen überholt zu werden. Nach der Limousine hat BMW jetzt den neuen 5er-Touring vorgestellt. Der Kombi ist das wichtigste Modell für Deutschland und Europa.

Wagen mit breiter Motorenpalette

Seit seinem Erscheinen im Jahr 1991 hat sich der 5er-Touring mehr als eine Million Mal verkauft. Ein respektables Ergebnis für ein Auto, das bekanntlich nicht ganz billig ist. Obwohl die Bayern ihre Modelle mit einer breiten Motorenpalette anbieten, ist der Kombi hierzulande ein klassisches Dieselthema und wird es wohl auch bleiben, solange dem Selbstzünder aus den bekannten Gründen nicht der Garaus gemacht wird, was zumindest für diese und die nächste Fahrzeuggeneration nicht zu erwarten ist. Deshalb gibt es zum Marktstart in diesem Monat neben den beiden Benzinern 530i und 540i auch mit dem 520d und 530d zwei Diesel.

Aus sehr gut wird noch besser

Obwohl es inzwischen schwierig ist, bei den klassischen Fahrzeugthemen aus einem sehr guten Auto ein noch besseres Auto zu machen, gibt es entwicklungstechnisch immer noch ein bisschen Luft nach oben. Beim 5er heißt das: Weiter runter mit dem Gewicht und noch mehr Hightech für das Fahrwerk. So ist eine Luftfederung an der Hinterachse mit automatischer Niveauregulierung jetzt serienmäßig und kann bei der neuen Fahrzeuggeneration auch mit dem Allradantrieb xDrive kombiniert werden. Obwohl das Fahrzeug in jede Richtung ein wenig größer geworden ist, kommt es jetzt leichter, effizienter und damit auch agiler daher. Und komfortabler ist das Fahrzeug ebenfalls geworden: So lässt sich der Kofferraum per Fußkick öffnen, sollte man keine Hand frei haben. Und auch die Heckklappe ist separat zu öffnen. Josef Wüst, verantwortlicher Projektentwickler: „Damit gibt es mehr Raum für Reisen, Hobby und Sport.“

Über die Autobahn ohne zu zucken

Weil wir die Themen Reisen und Hobby bei einer ersten Ausfahrt mit dem neuen Touring nicht ausprobieren konnten, haben wir uns auf den Sport konzentriert, auch wenn Wüst das in einem anderen Zusammenhang gemeint haben dürfte. Also haben wir uns in den 530d gesetzt und dem 3,0-Liter-Reihensechszylinder mit seinen 265 PS auf den Autobahnen Richtung Alpen kräftig die Sporen gegeben. Das Ergebnis hat einen schlichtweg umgehauen: Obwohl es geregnet hat und die Fahrbahn klitschnass war, ist der Touring mit Tempo 240 über den Asphalt gebügelt, als wäre es ein Klacks, die rund 1,8 Tonnen schwere Fuhre in der Spur zu halten. Der Wagen flog buchstäblich wie von einer imaginären Schnur gezogen über die Autobahn, ohne auch nur einmal zu zucken. Mit einem Drehmoment von 620 Newtonmetern und einer entsprechenden Beschleunigung von 5,8 Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h bewegt sich der Kombi bereits klar im Sportwagenbereich. Wüst: „Wir wollten den Spaß am Steuer erhöhen.“ Da kann man nur beipflichten: Ziel erreicht. Nicht ganz so druckvoll, aber immer noch souverän schlug sich auch der kleine Vierzylinderdiesel mit seinen 190 PS – ein Triebwerk, das all denjenigen gefallen dürfte, denen Preis und Verbrauch nicht völlig egal sind.

Damit dem Fahrer der Job leichter gemacht wird, haben die Bayern die Projektionsfläche des Head-Up-Displays um bis zu siebzig Prozent vergrößert und das Instrumentarium, wie vom Hersteller gewohnt, leicht dem Arbeitsplatz zugeneigt. Auch die Sitze haben eine nahezu perfekte Passform. Bei den neuzeitlichen Themenbereichen Konnektivität und Fahrerassistenzsysteme bewegt man sich auf Augenhöhe mit der Konkurrenz aus dem Premiumbereich.

Hier ist der Konkurrenzkampf knochenhart, die Unterschiede sind meistens nur marginal, aber weil jeder Hersteller auf der Pole-Position stehen will, wenn der große Befreiungsschlag beim autonomen Fahren eines Tages kommt, hat das Thema in den Entwicklungsabteilungen stets eine hohe Priorität. Daran kann auch die Tatsache nichts ändern, dass immer noch nicht allzu viele Autofahrer von Sinn und Zweck dieser Assistenten überzeugt werden konnten.

Fast eine Limousine

Abschließend lässt sich für den neuen 5er-Touring feststellen, dass der fahrdynamische Abstand zur Limousine auf ein Nichts zusammengeschrumpft ist. Zumindest wir kennen keinen Kombi, der sich derzeit souveräner bewegen lässt. Wie immer lässt sich BMW diese Qualität bezahlen: Unter 47.700 Euro (für den 520d) tut sich gar nichts. Und wer sein Modell ein wenig aufpeppen möchte, darf schnell noch etliche Tausender draufpacken.

Von Gerd Piper

BMW 5er-Touring

Motoren 2 Benziner, 2 Diesel
Diesel 140/195 kW–190/265 PS
Benziner 185/250 kW–252/340 PS
Max. Drehmoment 350–620 Nm
0-100 km/h 5,1–8,0 s
Spitze 230–250 km/h
Verbrauch 5,8/7,3 l Super, 4,5/4,7 l Diesel
CO 2-Emission 119–167 g/km
Länge/Breite/Höhe 4,94/1,87/1,50 m
Kofferraum 570–1700 l
Radstand 2,96 m
Getriebe Sechs- und Achtgang
Preis ab 47.700 Euro

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