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Lässigkeit und Leistung

Mercedes-Benz SL im Fahrtest Lässigkeit und Leistung

Schöner, besser, schneller: Mercedes hat den SL überarbeitet und damit das Traumauto für Menschen, die das meiste schon haben, noch attraktiver gemacht.

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Ikonenhafter Luxus: Im SL schlägt das Herz der Automarke Mercedes-Benz.

Quelle: Hersteller

Es war auch der SL, der den Nimbus von Mercedes-Benz als automobile Übermarke in der jungen Bundesrepublik mit begründete. Luxuriös und sportlich war er 1954 ein Aushängeschild der aufstrebenden Industrie „Made in Germany“. Inzwischen müssen sich die Stuttgarter den Ruf als hervorragende Autobauer mit anderen deutschen Herstellern teilen, die Rolle des SL ist hierzulande längst eine andere, doch noch immer ist er als Imageträger der Schwaben weltweit eine Ikone. Der wichtigste Markt für den kraftvollen Oberklassen-Roadster sind inzwischen mit deutlich mehr als 50 Prozent der Verkäufe die Vereinigten Staaten, gefolgt von den Briten, die ebenfalls diesem Objekt der Begierde nachstellen. Erst auf Platz drei folgt dann Deutschland. Jetzt kommt der SL stark überarbeitet erneut auf den Markt – wieder mal als Auto der Superlative.

Cruiser mit Hochleistungsgenen

Den SL gibt es auch mit edlem Nappaleder-Sitzen.

Quelle: Hersteller

Neue Motorhaube, neue Scheinwerfer, neuer Kühlergrill – schon von vorne sieht der Stuttgarter Musterknabe ganz nach Leistung aus, ohne die ihm typische Eleganz zugunsten PS-getriebener Prahlerei zu opfern. Der Zweisitzer ist nicht nur ein sportliches Cabriolet, er ist ein Performance-Auto, ein Cruiser mit Hochleistungsgenen, ein Auto, das seine Insassen in vielerlei Hinsicht umgarnt. Dass es auch ausgesprochen biestig werden kann, liegt ebenfalls in seiner Natur – bloß zeigt er es nicht ständig. Egal, mit welcher Motorisierung er bestückt ist, er bleibt ein Auto für jede Gangart. Dass die AMG-Tuner aus Affalterbach für die Krawallnummer zuständig sind, liegt in der Natur der Sache. Doch selbst mit 630 PS und 1000 Newtonmetern (!) Drehmoment verliert das Fahrzeug niemals seinen Charme.

Unterwegs mit 585 Pferdestärken

Leistung? Klar, die steht bei so einem Auto mit ganz oben auf der Agenda. Der Spaß beginnt mit 367 PS im SL 400 und endet mit dem bereits erwähnten Monsterkracher aus Affalterbach im SL65. Dazwischen liegen noch der SL 500 mit 455 PS und der SL63, der es auf 585 Pferdestärken bringt – stets hübsch eingepackt unter der langen Motorhaube mit den zwei Powerdomes.

Kurvenspaß dank atemberaubender Traktion

Eins sei bereits hier gesagt: Schon der 3,0-Liter-Einstiegsmotor reicht aus, um mit dem Auto jede Menge Spaß zu haben. Der Sechszylinder fetzt los wie Schmitzkatz. Dass der Dampf aus zwölf Pötten und sechs Litern Hubraum alles noch viel lässiger und schärfer macht, liegt auf der Hand. Aber aufgepasst: Wer hier den Wind sät, erntet Sturm, die Kiste orgelt los, als sei sie von allen guten Geistern verlassen – vor allem im Sport-Plus-Modus. Mal gut, dass ein Hinterachs -Sperrdifferential bei den AMG-Versionen für eine atemberaubende Traktion sorgt und den Wagen auch dann noch in der Kurve hält, wenn man ganz subjektiv bereits mit dem Abflug rechnet.

Doch wer wird seinen SL schon so quälen wollen? Denn die Verpackung, das Interieur, ist so gediegen, dass man anfangs gar nicht an Geschwindigkeit denkt. Man möchte sich einfach reinsetzen, das Dach aufmachen – das funktioniert bis 40 km/h –, sich die Sonne ins Gesicht scheinen lassen und vom Alltag entrückt dahingleiten auf der Suche nach seiner ganz persönlichen Traumstraße.

Ein Auto wie ein Mikrokosmos

Innen kann der SL überzeugen, auch wenn die Displays vielleicht etwas klein erscheinen.

Quelle: Hersteller

In solchen Momenten spielt der SL seine größte Faszination aus, ein Auto wie ein Mikrokosmos auf dem Asphalt. Man kann nicht genug davon bekommen, zumal der Wagen mit sämtlichen Features ausgestattet ist, die gerade en vogue sind. Ob man sie dann braucht, ist eine Frage der persönlichen Betrachtungsweise. Lediglich an dem für heutige Verhältnisse kleinen Display in der Mittelkonsole kann man erkennen, dass die Zeit den SL irgendwie überholt hat, dass es sich dann eben doch um ein Facelift bei einem Auto handelt, das von seinen Entwicklern zeitlich in anderen Intervallen gedacht wird als Modelle aus der Großserie.

Eine Wirklichkeit gewordene Vision

Der SL ist ein Traumwagen, eine seit Jahrzehnten immer wieder Wirklichkeit gewordene Vision von einem Auto, das sich den Anforderungen der Praxis entzieht und seinen Besitzern stattdessen einfach nahebringt, wie schön Autofahren sein kann. Ob ein solches Fahrzeug in einer Welt eine Zukunft hat, in der sich die Mobilität rasend schnell verändert, steht auf einem anderen Blatt. Aber es ist toll, dass es dieses Autos gibt.

Nicht so toll ist, dass es für normal sterbliche Menschen unerreichbar ist. Denn die Preise sind hoch und im Falle des SL65 geradezu unverschämt. 240 000 Euro rufen die Schwaben dafür auf. Es ist nur ein kleiner Kreis von Kunden, die so viel Geld für einen Wagen hinblättern können. Andere Menschen würden sich dafür ein Haus bauen.

Von Gerd Piper

Mercedes-Benz SL

Motoren: 4 Benziner, 6-, 8- und 12-Zylinder

Leistung: 270/463–367/630 kW/PS

Getriebe: 7- und 9-Gang-Sportautomatik

Max. Drehmoment: 500-1000 Nm

CO 2-Emission: 172–279 g/km

Beschleunigung (0–100 km/h): 4,0–4,9 s

Länge/Breite/Höhe: 4,63/1,88/1,32 m

Verbrauch: 7,7–11,9 l Super

Kofferraum: 345–485 l

Preis: ab 99.000 bis 240.000 Euro

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