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Ein Auto von irgendwoher

HAZ-Autotest Ein Auto von irgendwoher

Der Lada Vesta will den Billigangeboten westlicher Autohersteller Konkurrenz machen.

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Lada Vesta: Die russische Limousine setzt sich zumindest optisch von den übrigen Angeboten der Russen angenehm ab – auch wenn die Seitenlinien etwas irritieren.

Quelle: Hersteller

An der Ampel kommt es zu einer denkwürdigen Begegnung: Während ich im neuen Lada Vesta auf das Rotlicht zurolle, blubbert auf der linken Straßenseite eine Corvette mit ihrem mächtigen Achtzylinder heran: 455 amerikanische PS gegen 106 Pferdestärken, made in Russia. Der Corvettefahrer schaut zu mir herüber und lächelt. Welten prallen aufeinander, die amerikanische Sportwagenlegende gegen – tja, gegen was eigentlich? Der Lada Vesta ist eine fünftürige Stufenhecklimousine mit einer merkwürdig x-förmig eingedrückten Flanke. Trotzdem ist das Fahrzeug zumindest äußerlich das modernste, was die Russen derzeit zu bieten haben. Mit knapp 13.000 Euro ist es preiswert und dafür überraschend gut ausgestattet. Trotzdem klafft eine deutliche Lücke zu den Angeboten des Westens. Und das nicht nur, weil die Corvette leichtfüßig wie eine Raubkatze davonspringt, als die Ampel auf Grün schaltet.

Lackierung mit Klasseeffekt

Es ist nicht alles schlecht, was aus den Weiten des Ostens kommt. Die Lackierung beispielsweise, je nach Lichteinfall bekommt das eher langweilige Grau einen perlenden, güldenen Schimmer. Ein Klasseeffekt. Und auch die Sitzheizung hat es in sich. Mit nur einer Einstellung ist man bereits nach kurzer Zeit durchgegart – well done sozusagen. In den Kältezonen Sibiriens, wo der Mensch nach Verlassen seiner Heimstatt schockgefrostet Platz nimmt, vermutlich eine höchst willkommene Geschichte. Genauso wie das Versprechen, dieses Auto starte noch bei minus 30 Grad zuverlässig. Auch die heiße Luft wird durch das Gebläse mit Macht in den Innenraum gepumpt. Dass der Vesta in erster Linie für russische Autofahrer konfiguriert wurde, dokumentiert auch schon das Navigationssystem – wer eine Adresse eintippen möchte, sieht sich mit dem kyrillischen Alphabet konfrontiert. Auf dieser Ebene geht schon mal gar nichts. Man muss ein bisschen auf der Tastatur herumtippen, um die vertrauten Schriftzeichen zu finden.

Foto: Beim Interieur wurde ganz offensichtlich ordentlich eingespart – Hartplastik wohin man schaut.

Beim Interieur wurde ganz offensichtlich ordentlich eingespart – Hartplastik wohin man schaut.

Quelle: Hersteller

Sei’s drum. Bluetooth-Freisprecheinrichtung, Zentralverriegelung und ein Radio mit AUX- und USB-Anschluss sind in allen Fahrzeugen an Bord. Nicht dagegen das automatisierte Fünfgang-Schaltgetriebe, das im Automatikmodus eine auffällige Wipp- und Nicktendenz aufweist. Die nervt ziemlich, lässt sich aber umgehen, wenn man die Gänge per Schalthebel halbautomatisch einlegt. Für 1000 Euro Aufpreis gibt es obendrauf ein Siebenzoll-Farbdisplay, Rückfahrtkamera, Klimaautomatik und eine Frontscheibenheizung.

Hartplastik und des düsteres Inneres

Ansonsten ist das Auffälligste an dem Auto, dass es nicht auffällt. Allerdings muss man sich Sorgen um den Zustand der russischen Seele machen, wenn Lada das „moderne Design und schöne Materialien“ anpreist – angesichts des billigen Hartplastiks und des düsteren Interieurs. Der Vesta ist ein unscheinbares Gesicht in der Menge. Ein Auto von irgendwoher. Und so fährt es sich auch.  Bei 110 km/h jaulte der Motor akustisch ziemlich ungesund auf, bei 112 km/h hatte er sich dann wieder beruhigt. Die 106 PS reichen für eine Spitzengeschwindigkeit von 180 km/h.  Die Lenkung ist etwas indirekt, schwammig eben, aber die Kiste kommt um die Kurven, der Frontantrieb hält sie in der Spur. Natürlich, der Seitenhalt der Sitze könnte besser sein. Nein, aus diesem Russen wird kein Sprinter, aber das ist auch nicht sein Anspruch. Er bringt seine Insassen möglichst unaufgeregt von A nach B, darin sieht er seine Aufgabe.

Ein etwas pomadiger Auftritt

Dass Lada in Russland eine Größe ist und seit einigen Jahren mit Renault-Nissan kooperiert und sogar Rennwagen produziert, hat der Modellpalette keinen wirklich spürbaren Schub gegeben. Die Technik mag immer noch unverwüstlich sein – wir können das nach zwei Wochen Testfahrt nicht beurteilen –, das ändert aber nichts an dem insgesamt etwas pomadigen Auftritt. Wenn mich andere Autofahrer bei der einen oder anderen Gelegenheit neugierig näher unter die Lupe nahmen, habe ich mich um einen möglichst unbeteiligten Ausdruck bemüht – und von ein paar Sekunden in einer Corvette geträumt.

Von Gerd Piper

Lada Vesta

Motor 1,6-Liter-Vierzylinder-Benziner
Leistung 78 kW/106 PS
Max. Drehmomen t 148 Nm
0–100 km/h 11,8 s
Spitze 178 km/h
Verbrauch 6,6 l Super
CO 2-Emission 140 g/km
Länge/Breite/Höhe 4,41/1,76/1,50 m
Kofferraum 480 l
Radstand 2,64 m
Getriebe autom. Fünfgang-Schaltung
Preis ab 12.490 Euro

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