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Für Romantiker und Draufgänger

HAZ-Autotest Für Romantiker und Draufgänger

Das neue Coupé der E-Klasse von Mercedes-Benz ist aus vielerlei Gründen ein bemerkenswertes Auto.

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Das neue Coupé der E-Klasse: Die Flächen sind glatt und clean, auf die B-Säule wurde zugunsten einer einheitlichen Fensterfläche verzichtet.

Quelle: Hersteller

Ein tieferer Schwerpunkt, eine etwas breitere Spur, und schon flutscht die ganze Sache. Dazu ein Design aus Licht und Schatten, wobei der Hersteller eigentlich nur Licht sieht. Die Karosserie glänzt kristallin, der Innenraum ist elitär. So viel Luxus, so viel Hightech, so viel Hingabe. Allein an der Seitenlinie haben die Designer fünf Monate herumgespachtelt und geschmirgelt, bis sie so war, wie sie geworden ist. Versiegelte Oberflächen, wohin man schaut, fein ziselierte Lochblenden für die Audioanlage des verstorbenen Klanggurus Dieter Burmester. Das neue E-Klasse-Coupé von Mercedes-Benz ist clean, keine Ecken, keine Kanten, ein Schwabenstreich der feinen Art. Eigentlich ist es Frevel, dieses Auto dem Staub, dem Dreck der Straße auszusetzen.

Kein Auto zum Schnäppchenpreis

Das Coupé der Stuttgarter Business-Limousine ist als Klassengesellschaft angelegt. Der Fachmann sieht auf den ersten Blick, ob der Besitzer bereit war, zu investieren. Zur Serienausstattung gehören 17-Zoll-Leichtmetallräder im Zehn-Speichen-Design. Einen Zoll mehr mit nur noch fünf Speichen gibt’s für 238 Euro Aufpreis, 18 Zoll kosten schon 833 Euro, und von da an erkennt man diejenigen, die sich etwas gönnen können: 19 Zoll für 2082,50 Euro, 20 Zoll für 3213 Euro, und wer 3808 Euro hinblättert, erhält dann AMG-Felgen, ebenfalls im 20-Zoll-Format. Damit ist es aber nicht getan, denn das entsprechende Gummi bekommt man nicht zum Schnäppchenpreis.

Exklusive Innenausstattung

Keinen Klassenunterschied machen die Sitzbezüge. Wem hier das Lederimitat Artico zu popelig ist, zahlt 2130,10 Euro und darf fortan Rücken und Gesäß auf Lederkreationen ruhen lassen, die macchiatobeige, yachtblau oder espressobraun heißen und auf Wunsch sowohl beheizt als auch belüftet werden können – wenn man dafür noch einmal 1309 Euro berappt. Wer dann zusätzlich 684,25 drauflegt, bekommt alles in Nappa. So geht es in der Ausstattungs- und Aufpreisliste munter weiter, was am Ende aber von der wahren Natur dieses Autos etwas ablenkt.

Denn tatsächlich erfüllt das Coupé viele Wünsche. Obwohl die Linie schnittig ist, finden vier Passagiere spielend Platz, ein CW-Wert von 0,25 bescheinigt dem Fahrzeug eine herausragende Aerodynamik, und da der Kunde zwischen drei verschiedenen Fahrwerken inklusive der Mehrkammer-Luftfederung samt Wank-, Nick- und Hubstabilisierung wählen kann, dürfte das Coupé so ziemlich jeden Fahrertypen zufriedenstellen – Romantiker und Draufgänger kommen gleichermaßen auf ihre Kosten. Wobei die Fahrzeugelektronik einer allzu ruppigen Gangart von vorneherein das Handwerk legt.

Mehr Raum für den Fahrer

Die Elektronik jetzt im Einzelnen aufzuzählen, macht wenig Sinn – von der Smartphone-Integration bis zum teilautonomen Fahren kann man alles haben. Gegen entsprechendes Kleingeld, versteht sich. Wer es sich also leisten kann, bekommt das „intelligenteste Auto, das man für Geld kaufen kann“, wie es Matthias Lührs, Leiter des Produktmanagements, freudestrahlend verkündet. Und da das neue Coupé sozusagen nicht nur von innen heraus strahlt, sondern diesmal tatsächlich auch auf der regulären E-Klasse-Plattform aufgebaut ist und nicht mehr wie der Vorgänger aus einem Technikmix von C- und E-Klasse zusammengebaut wird, ist alles ein wenig größer. Das bedeutet: mehr Raum für Kopf, Beine, Schultern und Ellenbogen. Und für die Spurbreite, denn die ist gleich um sieben Zentimeter gewachsen. Was sich auf der Straße insofern bemerkbar macht, als sich das Coupé unglaublich geschmeidig bewegen lässt und genauso durch die Kurven rauscht. Am liebsten bei hoher Geschwindigkeit durch Kehren mit großen Radien – da ruckelt und da zuckelt gar nichts.

Unterwegs mit Magic Vision Control

Aber wenden wir uns wieder der Aufpreisliste zu: Dort versteckt sich auf Seite 32 ein System, das Magic Vision Control heißt und mit 357 Euro geradezu ein Sonderangebot ist. Es handelt sich um Scheibenwischer, bei denen die Reinigungsflüssigkeit direkt vor die Wischblätter gesprüht wird. Die Anlage ist beheizbar, was im Winter Vorteile verspricht, aber sie erwärmt des Fahrers Herz noch aus einem anderen Grund: Weil die Flüssigkeit ohne Verzögerung weggewischt wird, herrscht stets klare Sicht und man ertappt sich dabei, wie man den nächsten Vogelschwarm sehnsuchtsvoll herbeisehnt, nur um wieder ein bisschen wisch-wasch machen zu können.

Abschließend noch ein Blick auf die Preisgestaltung. Die Schwaben bleiben ganz tapfer unter der 50.000-Euro-Marke: Die Serienausstattung beginnt bei 49.051,80 Euro – dafür gibt’s 184 PS, hingetackert aus vier Zylindern. Sollen es sechs Töpfe mit entsprechenden allradbetriebenen 333 PS sein, werden 64.807,40 Euro fällig. Dazwischen liegen der kleine 194-PS-Diesel für 50.575 Euro und der E 300, der 245 PS leistet und mit 54 740 Euro eingepreist ist. Die Aufpreisliste drückt einem der Händler dann umsonst in die Hand.

Von Gerd Piper

E-Klasse Coupé

Motoren 3 Benz., 1 Diesel
Diesel 143 kW/194PS
Benziner 135/245 kW/184/333 PS
Max. Drehm. 300-480 Nm
0-100 km/h 5,5-7,8 s
Spitze 240-250 km/h
Verbrauch 4,0 l Diesel, 6,0/8,1 l Super
Länge/Breite/Höhe 4,83/1,86/1,43 m
Kofferraum 425 l
Preis 49.051-64.807 Euro

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