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Für Herz und Verstand

Im Arteo auf Probefahrt Für Herz und Verstand

VW setzt bei seinem neuen Flaggschiff Arteon auf dynamisches Design und ganz viel Gefühl.

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Ausgeprägte Formen: Das Design des Arteon soll außer betonter Sportlichkeit auch den hohen emotionalen Charakter unterstreichen.

Quelle: Hersteller

Sie haben lange am Phaeton festgehalten. Wohlwissend, dass das einstige Wunschkind von Ferdinand Piëch eigentlich eine Nummer zu groß für die Marke Volkswagen war. Jetzt, wo der Phaeton Geschichte ist, gibt es wieder Luft für ein Fahrzeug oberhalb des Passats. Das neue Top-Modell Arteon ist ein Produkt des modularen Querbaukastens, orientiert sich Richtung Oberklasse und soll neue Kunden für die Wolfsburger gewinnen. Der Wagen, der laut Chefdesigner Klaus Bischoff „gleichermaßen Herz und Verstand berühren“ soll, ist als Gran Tourismo ausgelegt und damit ein Novum in der Modellpalette von VW. Zur Markteinführung startet das Auto mit zwei Dieseln, die 150 und 240 PS leisten, und einem 280 PS starken Benziner. Die Basispreise beginnen jeweils bei 39.675 Euro, 42.650 Euro bzw. 49.325 Euro. 

Von der Messe auf die Straße

Arteon klingt nach antiker Gottheit, ist jedoch ein Kunstwort ohne jeden mythologischen Hintergrund. Der Wagen stand noch vor zwei Jahren als Showcar auf den Messebühnen dieser Welt, heimste viel Beifall ein und inspirierte offensichtlich die Verantwortlichen, das Showcar mit ganz wenigen Abstrichen mehr oder weniger eins zu eins auf die Straße zu bringen. VW-Sprecher Martin Hube: „Wir haben es wirklich gemacht, das hat es bei uns so noch nicht gegeben.“

Foto: In der R-Linie geht es auch innen dynamisch zu.

In der R-Linie geht es auch innen dynamisch zu.

Quelle: Hersteller

Ob das Fahrzeug ein mutiger Schritt in die richtige Richtung ist, wird sich zeigen. Optisch ist das Auto jedenfalls ein Hingucker. So aggressiv war schon lange kein VW mehr gezeichnet: die Frontpartie mit Ecken und Kanten, großen Lufteinlässen und dazu auffällige Sicken auf der Motorhaube, die wohl den sportlichen Look des Vorderwagens unterstreichen sollen. Dass man beim Design diesen Weg eingeschlagen hat, verwundert ein wenig, zumal man bei Volkswagen mit dem Golf IV eine weltweit anerkannte Designikone produziert hat, die seit vielen Jahren auf unseren Straßen unterwegs ist und trotz des vorgerückten Lebensalters nichts von ihrer Modernität eingebüßt hat – dank der glatten Außenhaut. Auch andere Hersteller fahren inzwischen mit dieser Designphilosophie, denn gut gemachte plane Oberflächen sind zeitlos und funktionieren damit häufig viele Jahre lang.

Foto: Die dunklen 20-Zoll-Felgen sind allerdings nur gegen Aufpreis zu haben.

Die dunklen 20-Zoll-Felgen sind allerdings nur gegen Aufpreis zu haben.

Quelle: Hersteller

Beeinduckend unterwegs

Der Arteon sorgt zumindest gegenwärtig für Aufsehen. Eine Fotocrew der Wolfsburger wurde an einer Tankstelle in Italien, also dort, wo die Menschen als besonders emotional gelten, voller Neugier auf das Auto angesprochen. VW-Mann Hube: „Das passiert uns ja nicht so oft.“ Und tatsächlich hält der Wagen auf der Straße, was sein sportlicher Auftritt verspricht – wir sind die beiden großen Motoren gefahren, die jeweils an das Allradsystem von Volkswagen gekoppelt sind, und waren anschließend beeindruckt. Auf ihren 20-Zöllern (17- und 18-Zoll sind Serie) rollten die Testfahrzeuge unglaublich geschmeidig über den Asphalt. Ein Schmankerl ist hier sicherlich die neue Fahrwerksregelung DCC, die eine stufenlose Spreizung zwischen hoher Dynamik und Fahrkomfort ermöglicht. Selbst im Hochgeschwindigkeitsbereich war der Arteon zu keiner Zeit irgendwie nervös, lag wie das berühmte Brett auf der Fahrbahn und ließ sich entspannt dirigieren. Wobei uns der laufruhige Vierzylinder-Turbodiesel von seinem Ansprechverhalten und der gesamten Charakteristik besser gefallen hat als der Benziner, aller Kritik zum Trotz, den der Antrieb momentan über sich ergehen lassen muss.

Gelungenes Design im Innenraum?

Mit „avantgardistischem Design“ im Innenraum nimmt Volkswagen den Mund allerdings ganz schön voll. Wirklich gelungen ist der Lenkradtopf des Arteon, ein Bauteil, das meistens sträflich vernachlässigt wird, obwohl der Fahrer ständig draufguckt. Ansonsten stammt viel aus dem Regal, was aber kein Nachteil ist. Die Luftausströmer rahmen eine analoge Uhr ein – das ist nicht besonders avantgardistisch, dafür aber schön.

Foto: Das dynamische Kurvenlicht ist künftig ans Navigationssystem gekoppelt und sorgt für eine noch bessere Ausleuchtung.

Das dynamische Kurvenlicht ist künftig ans Navigationssystem gekoppelt und sorgt für eine noch bessere Ausleuchtung.

Quelle: Hersteller

Wer in die „neue, volldigitale Welt der Anzeige- und Bedienelemente“ eintauchen will, muss allerdings tief in die Tasche greifen, denn diese Welt ist nur gegen Aufpreis zu haben. Ebenso  wie das Head-up-Display, bei dem man sich für die „Combiner-Lösung“ des Passat entschieden hat. Die ist zwar unschöner als das System, das direkt in die Windschutzscheibe projiziert, aber technisch einfacher und damit günstiger. Was elektronische Helferlein und Internetlösungen betrifft, ist für den Arteon alles zu haben, was der Wolfsburger Konzern momentan anbietet. Selbst das dynamische Kurvenlicht ist inzwischen ans Navigationssystem gekoppelt und leuchtet vorausschauend beim Anfahren einer Kurve deren Verlauf perfekt aus. Das alles sind Errungenschaften des digitalen Zeitalters, das allerdings eine Frage offen lässt: Wie in aller Welt konnten wir all die vielen Jahre ohne das alles Auto fahren?

Von Gerd Piper

VW Arteon

Motoren 2 Diesel, 1 Benziner
Diesel 110/176 kW–150/240 PS
Benziner 206 kW–280 PS
Max. Drehmoment 340–500 Nm
0–100 km/h 5,6–9,1 s
Spitze 220–250 km/h
Verbrauch 4,4/5,9 l Diesel, 7,3 l Super
CO 2-Emission 114–164 g/km
Länge/Breite/Höhe 4,86/1,87/1,45 m
Kofferraum 563–1557 l
Radstand 2,84 m
Getriebe Siebengang-DSG-Getriebe
Preis 39.675 bis 52.175 Euro

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