Volltextsuche über das Angebot:

11 ° / 6 ° wolkig

Navigation:
Der Kraftprotz aus Bayern

Audi im HAZ-Autotest Der Kraftprotz aus Bayern

Downsizing? Dieselskandal? Von wegen. Audi verbaut im SQ7 den derzeit stärksten Diesel der Welt. Der neu entwickelte Vierliter-V8-Diesel leistet 320 kW/435 PS. Mit dem 48-Volt-Teilbordnetz greifen die Ingolstädter bereits nach der Zukunft.

Voriger Artikel
Mitten durch die Walachei
Nächster Artikel
Französischer Glücksbringer

Gediegener Luxus auf allen Plätzen: Der SQ7 TDI verwöhnt seine Insassen nicht nur mit innovativer Technik.

Quelle: Hersteller (3)

Gewisse Grundkenntnisse in Physik sind unbedingt erforderlich, um die technischen Innovationen des neuen Audi SQ7 TDI in ihrer Komplexität zu verstehen. Dabei dürfte doch eigentlich schon der Verweis auf das S in der Typenbezeichnung genügen, um erahnen zu lassen, welch ein Kraftprotz sich unter der wuchtigen Motorhaube versteckt. Erstmals bieten die Ingolstädter ein S-Modell in der Q7-Baureihe an – und machen dieses so nebenbei zum stärksten Diesel-SUV weltweit.

Vollste Motorenleistung

Downsizing? Dieselskandal? Von wegen. Der neu entwickelte Vierliter-V8-Diesel leistet 320 kW/435 PS und schickt ein maximales Drehmoment von 900 Newtonmetern an die Antriebswellen. Und jetzt kommen die Physiker wieder ins Spiel. Mit dem weltweit ersten Serieneinsatz eines elektrisch angetriebenen Verdichters (EAV) „gehört das Turboloch der Vergangenheit an“, erklärt Klaus Bugelnig, Technischer Projektleiter Audi. Der Verdichter sorgt in Kombination mit zwei konventionellen Turboladern dafür, dass selbst bei niedrigen Drehzahlen ein souveränes Ansprechverhalten garantiert ist. Um den EAV allerdings mit ausreichend Strom zu versorgen, verbaut Audi zusätzlich ein 48-Volt-Teilbordnetz im SQ7. „Der Rennsport hat die Entwicklung dieser Technologie noch beflügelt“, sagt Audi-Technikvorstand Stefan Knirsch. So bietet das 48-Volt-Teilbordnetz enormes Potenzial mit Blick auf das Autofahren der Zukunft.

Auto der Zukunft

Projektleiter Bugelnig sieht darin die „Vorstufe zum pilotierten Fahren“, um die Vielzahl an Assistenzsystemen mit ausreichend Strom versorgen zu können. Im neuen Dickschiff unterstützt die Lithium-Ionen-Batterie, die unter der Rücksitzbank untergebracht ist, neben dem Verdichter auch die elektromechanisch aktive Wankstabilisierung (EAWS) sowie 24 weitere Fahrerassistenzsysteme. „Die Entwicklungszeit betrug drei bis vier Jahre“, sagt André Radon, Audi-Entwickler für das 48-Volt-Teilbordnetz. „Beim SQ7 liegt der Fokus auf der Technik“, ergänzt Stefanie Höcker, Audi-Kommunikation Produkt und Technologie: „Dabei ist für Audi-Fahrer normalerweise das Design der Kaufgrund Nummer eins.“ Hier verzichtet der neue SQ7 TDI auf allzu protzige Designelemente. Leistung ja, aber damit auch noch übermäßig provozieren: besser nicht.

Auf der Straße ist der Vortrieb gewaltig, die zur Verfügung stehende Kraft nahezu überdimensioniert. Audi tat gut daran, die Vorstellung des SQ7 nicht auf deutschen Autobahnen vorzunehmen. Vielmehr fahren wir in die Berge und stellen auf flotten Serpentinenfahrten fest, dass die Wankstabilisierung tatsächlich hilfreich ist. Der serienmäßige Allradantrieb und die Allradlenkung sollen zudem „eine hohe Agilität und neutrale Fahreigenschaften“ garantieren, sagt Projektleiter Bugelnig.

Leistungsstarke Familienkutsche

Zurück auf der Landstraße sind kurze Zwischensprints und Überholmanöver kein Problem für das 2,3 Tonnen schwere SUV. Dass wir dabei den Normverbrauch von 7,2 Litern Diesel mehr als nur etwas aufrunden und eher im Bereich um die 10 Liter liegen, spielt bei einem Grundpreis ab 89.900 Euro fast schon keine Rolle mehr. „Dafür bekommt der Käufer bereits Serienausstattung im Wert von rund 10.000 Euro“, verspricht Audi für den ab Sommer in Deutschland erhältlichen SQ7 TDI. Als Fünf- und Siebensitzer bestellbar, könnte das SUV auch zahlungskräftigen Eltern mit Kindern dienen. Doch sehen klassische Familienkutschen einfach anders aus, wenngleich sich der Nachwuchs auf den Rücksitzbänken diebisch freuen würde über die geballte Power.

Luxus und Geborgenheit werden im Innenraum groß geschrieben. Das ist bei einem Premium-SUV dieser Preisklasse wohl auch nicht anders zu erwarten. Inwieweit ein solcher Kraftprotz in Zeiten von Downsizing und Dieselskandal Akzeptanz finden wird, bleibt abzuwarten. Der SQ7 TDI sei auf keinen Fall „der letzte Diesel-Mohikaner“, verspricht Audi-Vorstandsmitglied Knirsch abschließend, gibt aber zu, „dass wir in Richtung Elektromobilität gehen müssen, sonst werden wir weltweit die Emissionswerte nicht einhalten können“. So sollen nach dem Verständnis von Knirsch im Jahr 2025 mindestens 25 Prozent der Fahrzeuge elektrifiziert fahren. Spätestens dann sind wieder die Physiker gefragt, damit der „Vorsprung durch Technik“ beherrschbar bleibt.

Von Markus Beims

Audi SQ7 TDI

Motor: 4,0-Liter-Achtzylinder-Diesel
Leistung: 320 kW/435 PS
Spitze: 250 km/h
0–100 km/h: 4,8 s
Max. Drehmoment: 900 Nm
Verbrauch/CO 2: 7,2 l Diesel/189 g/km
Länge/Breite/Höhe: 5,07/1,97/1,74 m
Leergewicht: 2345–2405 kg
Radstand: 3,00 m
Kofferraum: 805–1990 l
Preis: ab 89. 900 Euro

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus HAZ-Autotests

Fließend, stockend oder bewegt sich gar nichts mehr? Aktuelle Informationen zur Verkehrslage auf niedersächsischen Straßen und Autobahnen finden Sie hier. mehr