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Junge Biker geben wieder gerne Gas

Motorrad Junge Biker geben wieder gerne Gas

Die Generation Facebook findet wieder Gefallen am motorisierten Zweirad – vor allem Hersteller und Fahrschulen freut das.

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Flotter Einzylinder für Einsteiger: Auch BMW bietet mit der R 310 G mittlerweile ein günstiges Basismodell an und reagiert damit auf die gestiegene Nachfrage junger Biker.

Quelle: BMW, IVM

Hannover. Die eigene Ungeduld im Zaum zu halten, galt in früheren Zeiten für viele Jugendliche als größte Herausforderung des Erwachsenwerdens. Die Monate, Wochen und Tage bis zum 16. Geburtstag zogen sich zäh dahin wie ein ausgelutschter Kaugummi. Dann endlich war der große Tag gekommen. Glückwünsche und Geburtstagstorte konnten warten. Zunächst hieß es Motorradklamotten anziehen und raus aufs eigene "Moped" – egal, ob gerade die Sonne schien oder sich der Himmel ausweinte. Das Glücksgefühl der Freiheit und Unabhängigkeit kannte keine Grenzen und kein schlechtes Wetter.

Insbesondere in ländlichen Gebieten ohne funktionierenden ÖPNV galten die bis 80 km/h schnellen Leichtkrafträder, die sogar die Autobahn befahren durften, als nahezu unersetzbar. Freundin, Feten und vieles mehr waren fortan auch ohne elterliche Taxifahrten jederzeit erreichbar.

Zahl der jungen Biker steigt

Doch wie hält es die heutige Generation Facebook mit der mobilen Unabhängigkeit? Schließlich sind hierzulande nur rund 350 000 der knapp 4,3 Millionen Krafträder auf junge Menschen unter 29 Jahren zugelassen, wie die Zahlen des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) in Flensburg ausweisen. Lassen diese Zahlen Rückschlüsse zu auf den demographischen Wandel, auf die zunehmende Stadtflucht einhergehend mit funktionierenden Bahn- und Busverbindungen, oder ist das Interesse am motorisierten Zweirad in der digitalisiert durchgestylten Welt generell eher zweitrangig oder gar verloren gegangen?

Pressechef Achim Marten vom Industrie-Verband Motorrad Deutschland e. V. (IVM) widerspricht dieser Interpretation: "Bei 350 000 Haltern unter 29 Jahren würde ich nicht von ’nur’ sprechen – zumal die Tendenz steigend ist und das Durchschnittsalter sinkt. Das Motorrad als ’echtes’ Erlebnis gewinnt gerade in der jungen Zielgruppe enorm hinzu."

Motorradführerschein ist wieder erschwinglich

Statistische Zahlen der Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände e. V. in Berlin bestätigen diese Aussage. In einzelnen Modellregionen in Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt liegen die Steigerungsraten bei der Anzahl bestandener Prüfungen in der Führerscheinklasse AM für den Betrieb zweirädriger Krafträder für Fahrer ab 16 Jahren im Jahr 2015 bei knapp 250 Prozent gegenüber dem Vorjahr. "Mit Einführung der neuen Führerscheinklassen A1, A2 und A ab 2013 haben junge Leute festgestellt, dass die Motorradfahrerkarriere nicht mehr so teuer ist", erörtert Dieter Quentin, 1. stellvertretender Vorsitzender der Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände e. V. Zugleich verweist Quentin allerdings darauf, dass die Steigerungsraten nicht allerorten erzielt werden.

"Für Jugendliche ab 16 Jahren ist der Führerschein auch heute noch die Möglichkeit, insbesondere im ländlichen Raum mobil zu sein und nicht auf das Taxi Mama angewiesen zu sein." Ein Teil der Fahrschüler benötige das Moped in allererster Linie, um zur Schule oder zur Ausbildung zu fahren. Der Freizeitgedanke rücke da an die zweite Stelle, so Quentin weiter. Während sich das Verhalten in ländlichen Gegenden nicht verändert hat oder die Nachfrage gar wieder steigt, wollen Jugendliche in Städten wohl nicht im Stau stehen, vermutet Quentin. Bus und Bahn als Alternative gelten dort als starke Konkurrenz.

"Früh übt sich, wer ein Meister werden will", lautet ein altes Sprichwort. Und so lassen sich Motorradhersteller und auch Interessenverbände einiges einfallen, um bereits Kinder auf das motorisierte Zweirad zu locken. "Der ADAC ist hier eine gute Anlaufstelle für alle Fragen zur Frühförderung im Motorrad-Straßen- und Geländerennsport", sagt IVM-Pressechef Achim Marten und verweist darauf, dass "es durchaus entsprechende Angebote für Kinder ab 12 Jahren auf sogenannten Minibikes gibt" –  allerdings nicht flächendeckend.

Zunehmendes Interesse an Sicherheitstrainings

Auf die Leistung des Motorrades und das eigene Fahrverhalten können junge Biker selbst Einfluss nehmen. Dem zunehmenden Verkehr auf öffentlichen Straßen sind sie allerdings ebenfalls ausgesetzt, und so "nimmt gerade bei jungen Leuten das Interesse an qualifizierten Sicherheitstrainings zu", verweist Marten auf die bundesweit angebotenen Fahrsicherheitstrainings. So bietet beispielsweise der ADAC für nahezu jeden Anspruch die passende Maßnahme: "Basis-Training", "Aufbau-Training", "Perfektions-Training", "Wiedereinsteiger-Training" und einige Angebote mehr lassen sich buchen. Und auch Biker, die die Grenzen ihres Sportlers einmal gefahrlos ausloten wollen, kommen nicht zu kurz. Rennstreckentrainings unter professioneller Anleitung werden sogar auf traditionsreichen Grand-Prix-Kursen angeboten.

Kurzfazit: Egal, ob jugendlicher Einsteiger oder fortgeschrittener Rundstrecken-Raser. Die Generation Facebook hat wieder Gefallen gefunden am motorisierten Zweirad. Die natürlich empfundene Freiheit auf zwei Rädern ist doch größer als die virtuelle Welt des digitalen World-Wide-Web.

Nachgefragt ... 

bei Achim Marten, Pressechef beim Industrie-Verband Motorrad Deutschland e. V.

Welche Anstrengungen unternehmen die Hersteller, um jüngere Leute für das Zweirad zu begeistern?
Sie bieten aufregende Motorräder in den Einstiegsklassen an, zuletzt stieg auch BMW Motorrad in dieses Segment mit einem 310-cm³- Modell ein.

Gibt es finanzielle Gründe, die junge Menschen vom Kauf eines Motorrades abhalten?
Klares Nein! Gebrauchte Motorräder und Roller in geprüfter Qualität vom Fachhändler, aber auch im privaten Markt in den Einstiegsklassen von 125 bis 600 cm³ sind für kleines Geld zu bekommen. Aber auch die moderaten Neupreise in diesen Segmenten halten niemanden vom Kauf ab – nicht im Barzahlungsbereich und schon gar nicht angesichts der äußerst günstigen Finanzierungsangebote der Hersteller und ihrer Partnerbanken.  

Welche Entwicklung erwarten Sie in den nächsten Jahren?
Die Zulassungen werden moderat zunehmen, die Sicherheit bei Bikes und Kleidung ebenfalls. Und ich wünsche mir eine noch weitaus stärkere Nutzung anspruchsvoller Sicherheitstrainings. Das Thema Umweltschutz wird seit jeher ernst genommen.

Von Markus Beims

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