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Der Westentaschen-Cowboy

Opel Mokka X Der Westentaschen-Cowboy

Große Worte von Opel für kleine Verbesserungen beim SUV Mokka mit dem neuen Zusatz „X“. Wie gut sich der Wagen des deutschen Autobauers fährt, haben wir in den schottischen Highlands getest.

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Der Mokka X: Das SUV wurde optisch aufgemöbelt. Der Instrumententräger wurde grundlegend verändert.

Quelle: Hersteller (4)

Der Opel Mokka ist seit 2012 erfolgreich auf unseren Straßen unterwegs. Zeit also, dem kleinen SUV eine gehörige Portion Frischzellen zu injizieren, um Außenhaut und Organen neuen Glanz zu verleihen. Dem Jungbrunnen ist das Fahrzeug jetzt als Mokka X entstiegen –  eventuell ein Hinweis auf ein ganz neues Auto? Nein, das „X“ soll künftig in der Signatur aller SUV-Modelle der Marke stehen. Für den Mokka bedeutet der Buchstabe, dass er „noch abenteuerlustiger“ geworden ist, wie es ein Opel-Sprecher ausdrückt, denn das „X“ könnte auch für „Explorer“, für den Entdecker stehen. Um das zu unterfüttern, haben die Rüsselsheimer extra in die schottischen Highlands eingeladen, einem laut Opel „idealen Gelände für ein Allradfahrzeug“. Doch wer so etwas sagt, muss davon ausgehen, dass die Worte auf den Prüfstand kommen. Und da erwies sich der Mokka X als Cowboy im Westentaschenformat, dem irgendwie die Sporen abhandengekommen sind.

Der Mokka X – ein kleiner Muskelmann

Eins vorweg: Der Mokka X ist ein gutes, ein solides Auto und laut Opel-Chef Karl-Thomas Neumann „ein ganz wichtiger Teil in unserer Modellpalette“. 600.000 verkaufte Einheiten sprechen für sich. Allerdings ist das kompakte SUV zumindest optisch ein kleiner Blender: Wo sich andere Wettbewerber in Zurückhaltung üben, trumpft der Mokka X auf. Stämmig im Auftritt, mit deutlich definierten Radhäusern, Unterfahrschutz und der neu gestalteten Front signalisiert das SUV: Hier kommt ein kleiner Muskelmann, einer, dem kein Geläuf zu dreckig ist. Wenn sich dann aber ein Designer hinstellt und vom „schön geformten Grill, der stolz im Wind steht“ spricht, muss man sich schon fragen, welches Bild ihn da geritten hat. Der Mokka X kann es jedenfalls nicht gewesen sein, denn der „schön geformte“ Kühlergrill ist noch das Unauffälligste an dem Fahrzeug.

Durch die Highlands – kein Highlight

Doch zurück in die Highlands. Dort durften wir den Mokka X ausführlich testen – auf gut ausgebauten, asphaltierten Straßen mit der gewaltigen schottischen Hügellandschaft als Hintergrund. Okay, ein paar Kilometer „off road“ waren auch dabei, doch offensichtlich trauten die Opel-Verantwortlichen ihrem neuen Produkt selbst nicht so recht, denn die Schotterwege wären für kein modernes Fahrzeug dieser Welt, Sportwagen einmal ausgenommen, eine ernsthafte Herausforderung gewesen. Zumindest in dieser Disziplin war der kleine Rüsselsheimer eine Enttäuschung, weil er nicht zeigen durfte, was in ihm steckt.

Stirnrunzeln beim Allradantrieb

Und auch der Allradantrieb, dessen Sensoren den Fahrzustand permanent überwachen und im Bedarfsfall die Antriebskräfte von hundertprozentigem Frontantrieb bis zu 50:50 Prozent zwischen Vorder- und Hinterachse verteilen, verursachte Stirnrunzeln. Was hier als Innovation in einem schottischen Herrenhaus präsentiert wurde, ist im Grunde ein alter Hut – schon das Vorgängermodell verfügte über den Antrieb, der für den Mokka X ein wenig Feinschliff erhielt.

Allrad-Benziner mit Sechstufen-Automatik

Doch damit nicht genug: Opel spricht bei dem neuen Modell „vom bestvernetzten Fahrzeug in seinem Segment“, dessen 4G-LTE-Hotspot gleichzeitig sieben Geräte auf einmal verbinden kann. Auch das ist nichts Neues, denn jedes Smartphone kann heutzutage zum mobilen Hotspot umfunktioniert werden. Wirklich neu ist die Kombination von Allrad-Benziner und Sechstufen-Automatik. Da sich rund drei Viertel aller Mokka-Kunden für einen Benziner entscheiden, ist diese Motorgetriebe-Einheit eine sinnvolle Ergänzung im Programm. Dass sechs von zehn Mokka-Kunden nach Angaben des Herstellers neu bei der Marke Opel sind, ist dagegen in einem der wachstumsstärksten Segmente mit seinem breit- gefächerten Angebot eine Überraschung.

Mit den Instrumenten auf der Höhe der Zeit

Aufgeräumt haben die Rüsselsheimer den Instrumententräger des kleinen SUVs. Der lehnt sich jetzt an den Astra an – eine deutliche Verbesserung zum Vorgänger. Und auch bei den Fahrerassistenzsystemen wurde nachgebessert. Der Mokka X fährt hier mit LED-basiertem adaptivem Fernlicht, Frontkamera, Einparkhilfe und Spurhalteassistent auf der Höhe der Zeit. Dass die meisten der elektronischen Helferlein ausstattungsabhängig nur über die Aufpreisliste zu haben sind, ist kein Kritikpunkt. Andere Hersteller machen es nicht anders. Geblieben sind das durchweg gutmütige Fahrverhalten sowie die SUV-typischen Eigenschaften wie die leicht erhöhte Sitzposition und der einfache Ein- und Ausstieg. Hier präsentiert sich der kleine Cowboy als sympathischer Geselle. Nur schade, dass ihm etwas die Prärie fehlt.

Von Gerd Piper

Opel Mokka X

Motoren 3 Benziner, 2 Diesel
Diesel 81/100 kW–110/136 PS
Benziner 85/112 kW–115/152 PS
Max. Drehmoment 155–320 Nm
0-100 km/h 9,7–12,5 s
Spitze 170–193 km/h
Verbrauch 4,0/5,0 l Diesel, 6,0/6,7 l Super
CO 2-Emission 105–155 g/km
Länge/Breite/Höhe 4,28/1,66/1,78 m
Kofferraum 356–1372 l
Radstand 2,56 m
Preis 18.990 bis 3.010 Euro

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