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Der Geist des Gurus

SUVs von Audi Der Geist des Gurus

Audi setzt in den kommenden Jahren verstärkt auf SUVs und alternative Antriebe – und auf ein neues Design. Die Chefs Rupert Stadler und Marc Lichte geben Ein- und Ausblicke in Ingolstadt.

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Das Conceptcar Prologue ist Vorbild für den neuen A7. Der Crosslane steht für das SUV-Coupé Q8.

Quelle: Hersteller

Rupert Stadler ist so souverän wie immer. Dem Audi-Chef ist nicht anzumerken, dass der VW-Skandal inzwischen auch die Marke mit den vier Ringen erreicht hat – mit ungewissem Ausgang. Keine Spur von Nervosität. Stadler referiert in einer kleinen Halle in einem Ingolstädter Gewerbegebiet vor einer handverlesenen Schar von Journalisten über die Zukunft der Marke. „Das alles ist vertraulich“, sagt er, und die Kollegen machen sich eifrig Notizen. Acht abgedeckte Fahrzeuge sollen einen Ausblick geben, was Audi in den kommenden zwei, drei Jahren auf den Markt bringt. Keine Showcars, keine Conceptautos, sondern richtige Hardware.

Solche Veranstaltungen machen Autohersteller gelegentlich. Doch dieser Termin ist in zweierlei Hinsicht bemerkenswert: Zum einen steht in dieser Halle, was der beurlaubte Entwicklungsvorstand Ulrich Hackenberg noch auf den Weg gebracht hat, zum anderen kann man erstmals in den nach und nach enthüllten Serienfahrzeugen sehen, wie sich der neue Designchef Marc Lichte die künftige Formensprache von Audi vorstellt.

Zwei Millionen Einheiten anvisiert

Im Grunde könnte man bei Audi zufrieden sein. Die Marke hat einen Lauf. Im kommenden Jahr werden die zwei Millionen Einheiten anvisiert. „Da gibt es einen Haufen Stolz in der Mannschaft“, sagt Stadler. Dass vierzig Prozent der Produktpalette vor dem Austausch steht, ist an für sich nichts Besonderes – Modellpflegen und neue Fahrzeuge sind gerade im VW-Konzern, zu dem ja auch Audi gehört, täglich Brot. Dass Stadler die Zukunft der Marke verstärkt im SUV-Segment sieht, und zwar „nach unten und nach oben“, verwundert nicht, alle anderen großen Hersteller sind zurzeit auf der gleichen Schiene unterwegs. Und die Nachricht, dass man antriebsseitig intensiver in die Plug-in-Technik investieren wolle und es aus der Elektromobilität überdies „keinen Weg mehr zurück“ gebe, ist im Grunde auch nicht neu – denn dass der Konzern trotz aller aktueller Probleme weiter in die Zukunft investieren wird, ist klar.

Wie kann man Hackenberg ersetzen?

Eine Frage aber, die nicht laut diskutiert wird, ist von eminenter Bedeutung: Wie kann man den Ausfall eines Mannes vom Format Ulrich Hackenbergs kompensieren? Der Entwicklungsguru, der unter anderem den Audi TT und die markenübergreifenden Baukastenstrategien erfand, der für VW das Einliter-Auto baute und Volkswagen aus dem Stand heraus die WRC-Rallye-Weltmeisterschaft bescherte und der die Marke Audi als Entwicklungsvorstand technologisch in den vergangenen zwei Jahren wieder an das Niveau der anderen Premiumhersteller herangeführt hat, ist wegen des Dieselabgasskandals beurlaubt.

Kenner der Szene gehen davon aus, dass der inzwischen 65-Jährige nicht zurückkommt – selbst wenn seine Unschuld bewiesen und er rehabilitiert werden sollte. Wie aber kann man Hackenberg ersetzen, der in kürzester Zeit bei Audi die Linien gezogen, die technologischen Trends gesetzt hat? „Zurzeit überhaupt nicht“, sagt ein Insider. Denn Hackenberg hat wie nur ganz wenige Entwickler in der Automobilindustrie das immer komplexer werdende Produkt Auto ganzheitlich verstanden. Inzwischen hat Audi auch gehandelt und am Freitag vergangener Woche mit Stefan Knirsch einen Nachfolger präsentiert.

"Die S-Modelle werden optisch lauter werden"

Sehr viel positiver sieht es bei der künftigen Formensprache der Marke aus: Der neue Designchef Marc Lichte stammt aus den Wolfsburger Designstudios und strotzt nur so vor Selbstbewusstsein. Und er hat Ideen. Beispielsweise, was sich alles aus dem Singleframe-Grill der Fahrzeuge machen lässt, der mit den Jahren zu einer ziemlichen Belastung für Audi wurde. Wenn selbst Audi-Leute erklären, sie könnten aus der Distanz nicht mehr zwischen einzelnen Modellen unterscheiden, gibt das zu denken. Damit dürfte unter Lichte Schluss sein. Sätze wie: „Jedes Auto wird einen anderen Charakter bekommen“, oder „die S-Modelle werden optisch lauter werden“, zeigen, wie sich der Designer die Zukunft vorstellt.

Unter den in Ingolstadt präsentierten Autos waren mit dem neuen A7 und dem Q8, der 2018 auf den Markt kommt, auch die ersten zwei Autos, die Lichte für Audi „auf einem weißen Blatt Papier angefangen“ hat. Der A7 leitet sich vom Conceptcar Prologue ab, das schon im vergangenen Jahr auf der Autoshow in Los Angeles für Aufsehen sorgte.

Neue Wege mit SUV-Coupé Q8

Das Crosslane-Conceptcar steht für das SUV-Coupé Q8.

Quelle: Hersteller

Für Lichte ist der A7 in seiner ganz eigenen bescheidenen Art „der schönste Audi, den es je gab“. Und auch mit dem SUV-Coupé Q8 gehen die Ingolstädter neue Wege: „Wenn der Wagen auf den Markt kommt, werden Konkurrenten wie der BMW X6 oder der Mercedes GLE alt aussehen“, glaubt der Designer. Und damit, da waren sich die Anwesenden einig, könnte er recht haben. Zwar bedient sich Lichte der bekannten Mittel, zieht wie sein alter Freund und Weggefährte, der heutige Mercedes-Designchef Gordon Wagener, Ecken und Kanten in die Karosserien ein, doch das macht er mit sehr viel Gefühl für die richtigen Proportionen. Und wenn einst die Rede darauf kommen wird, wer mit der jahrelangen Gleichmacherei in der Formensprache von Audi Schluss gemacht hat, wird in jedem Fall sein Name fallen.

Stadler und Lichte gaben in Ingolstadt einen kleinen, aber interessanten Einblick in die Zukunft von Audi. Von außen betrachtet, sieht die ganz rosig aus.

Von Gerd Piper

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