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Wie von Sinnen

Tesler S im Test Wie von Sinnen

Ein nahezu perfektes Elektroauto mit phänomenalen Fahrleistungen: Der Tesla Model S hat eine ganze Industrie wachgerüttelt.

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Frecher kleiner Kurvenräuber

Ein Auto, das mehr als nur ein Zeichen setzt: Das Model S verfügt über ein nahezu perfektes, elektronisches Management.

Quelle: Hersteller (4)

Das elektrische Grundrauschen in der Automobilindustrie ist nicht mehr zu überhören. Maßgeblichen Anteil daran hat Elon Musk, jener Mann, der mit dem Online-Bezahlsystem PayPal steinreich geworden ist und dem Tesla gehört. Musk, von den einen belächelt, von anderen bewundert, hat eine ganze Industrie wach gerüttelt und schließlich zum Handeln gezwungen – die Präsentation von E-Autos der nächsten Generation auf dem Pariser Autosalon belegt es. Denn seine Fahrzeuge sind der Beweis, dass Elektromobilität bereits heute funktioniert. Wir haben uns das Model S (Variante P90D) zwei Wochen lang vorgenommen – ein Auto, zu dem viele eine Meinung haben, obwohl nur wenige es gefahren sind.

Wie ein Düsenflugzeug

Piloten, die mit dem Auto unterwegs waren, sollen den Schub mit dem eines Düsenflugzeugs verglichen haben. Ein plakativer Vergleich, aber er stimmt: Denn das, was passiert, wenn man das Pedal durchtritt, spottet jeder Beschreibung – in drei Sekunden knackt das Model S die 100-km/h-Marke. Damit fährt der Tesla fast jeden Supersportwagen in Grund und Boden. Der Fahrer muss dafür lediglich das Steuer fest in den Händen halten und eine Einstellung wählen, die sinnigerweise „von Sinnen“ heißt. 539 PS und ein Drehmoment von 967 Newtonmetern sind ein Wort. Dass der so viele Jahre lang geliebte Sound eines glühenden Achtzylinder-Saugers nicht zu hören ist – tja, was sollen wir sagen? Wir haben ihn nicht vermisst, dafür ist die Beschleunigung, das gesamte Handling dieses Autos einfach zu faszinierend.

Lange Distanzen – keine Herausforderung

Allerdings frisst diese Einstellung Strom und knabbert damit heftig an der Reichweite von rund 400 Kilometern, so dass derjenige, der mit dem Model S Strecke machen will, es lieber etwas moderater angehen lässt. Und weil an den Autobahnen der Bundesrepublik die Tesla-Schnellladestationen klug platziert wurden, sind auch lange Distanzen keine Herausforderung. Im Gegenteil: Die Elektronik unterrichtet den Fahrer präzise, wo er wie lange laden muss, um zur nächsten Ladestation und schließlich ans Ziel zu gelangen. Lediglich gen Osten wird es etwas sparsamer, was die Supercharger angeht. Dafür ist der Model-S-Fahrer äußerst komfortabel unterwegs. Über die Luftfederung lässt sich das Niveau über Normalnull regulieren. Und weil der Fahrzeugboden mit Akkus vollgestopft ist, hält die fast fünf Meter lange Fuhre dank des tiefen Schwerpunktes und Allradantriebs stoisch die Spur. Dass der Wagen auf seinen 21-Zöllern auch noch unverschämt gut aussieht, gerät angesichts seiner Performance zur Nebensache.

Hightech im Inneren

Neider bemängeln gerne fehlende Verarbeitungsqualität in den Fahrzeugen. Da können wir nur sagen: Offensichtlich habt ihr nie dringesessen. Denn ganz viele Kleinigkeiten sind mit viel Liebe zum Detail gemacht. Das virtuelle Auto im Zentralinstrument blinkt beim Abbiegen, zeigt die Bremsleuchten und knipst bei Dunkelheit die Scheinwerfer an, die Radarsensoren wechseln je nach Fahrsituation die Farbe, und auch die anderen Verkehrsteilnehmer werden im Display dargestellt. Dass man jederzeit über Stromverbrauch und Restreichweite informiert wird, ist inzwischen bei E-Autos Standard. Und natürlich stimmen die Spaltmaße, die Materialien sind völlig in Ordnung, lediglich über den Geschmack des Interieurs lässt sich streiten. Aber da haben die Käufer die Wahl. Ganz klar, der Wagen bewegt sich nicht nur preislich im Bereich einer Mercedes-S-Klasse oder eines Siebeners von BMW, er kann in dieser Liga auch locker mithalten.

Offene Fragen zur Batterie

Allerdings gibt es auch offene Fragen: Wie sieht es beispielsweise mit dem Restwert eines Fahrzeugs aus, dessen teuerste Komponente die Batterie ist, wenn die nach der Garantiezeit (bei Tesla acht Jahre) ihr Leben aushaucht? Wie und wo werden die Akkus entsorgt? Und wer stellt die notwendigen und teilweise seltenen Rohstoffe in ausreichender Menge zur Verfügung, wenn die Batterieproduktion mal in Großserie geht?

Kritikpunkt Fahrerassistenzsystem

Wirkliche Kritik muss sich Tesla gefallen lassen, was die Terminologie für die Fahrerassistenzsysteme betrifft. Denn da wird autonomes Fahren vorgegaukelt, wo lediglich teilautonomes Fahren drin ist. Die Sensorik lässt viel, aber eben nicht alles zu, so dass der Fahrer den Wagen ständig überwachen und jederzeit in der Lage sein sollte einzugreifen. Niemand wird so blöd sein, das Auto auf Straßen sich selbst zu überlassen, die für das autonome Fahren noch gar nicht vorbereitet sind. Tesla hat für diese missverständliche Interpretation des autonomen Fahrens bereits viel Schelte einstecken müssen, was aber nichts daran ändert, dass das Model S das erste Auto einer neuen Zeit ist – wer damit einmal unterwegs ist gewöhnt sich ganz schnell daran und möchte nichts anderes mehr fahren.

Von Gerd Piper

Tesla Model S P90D

Motoren Drehstrom-Asynchronmotor

Leistung 396 kW/539 PS

Max. Drehmoment 967 Nm

0-100 km/h 3,0 s

Spitze 250 km/h

Antriebsart Allrad

Batteriekapazität 90kW/h

CO 2-Emission 0 g/km

Reichweite 509 km (NEFZ)

Länge/Breite/Höhe 4,97/1,96/1,45 m

Wendekreis 11,3 m

Radstand 2,96 m

Preis ab 127.000 (Test: 152.790) Euro

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