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Die Menschen halten staunend inne

Tesler im Test Die Menschen halten staunend inne

Das Tesla Model X scheint aus der Zukunft zu kommen, aber die Gegenwart kann garstig sein.

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Tesla Model X: Das Elektro-SUV fällt auf, allerdings ist nicht alles sinnvoll, was nach Zukunft aussieht.

Quelle: James Lipman

500 Kilometer Reichweite? Ein Trugschluss. Bei 100 kWh Batteriekapazität und einem Verbrauch, der sich auf dem flachen Land niemals unter 21 bis 22 kWh drücken lässt und bei forscher Gangart auch schnell mal mehr als 30 kWh betragen kann, muss man kein Rechenkünstler sein, um diese Unmöglichkeit einzusehen. Nein, unser Testwagen, das Tesla Model X (ab 114.400 Euro), ist kein Wunderauto. Waren wir vor einigen Monaten vom Model S noch total begeistert, stellt sich inzwischen so etwas wie Ernüchterung ein. Zum einen mag es daran liegen, dass die etablierten Automobilhersteller in Sachen Elektromobilität aufholen, zum anderen ist es das Auto selbst: ein futuristisches SUV, das auf der Straße für Aufsehen sorgt, in der Praxis dann aber doch hin und wieder schwächelt.

Die Zukunft wird elektrisch

Tesla, das ist unbestritten, hat dem Thema Elektroauto einen wichtigen Schub versetzt. Schon deshalb, weil ein Quereinsteiger einer ganzen Branche gezeigt hat, wo der Hammer hängt. Dass Elon Musk weiter rote Zahlen produziert, sein Unternehmen aber kontinuierlich an Wert steigt und inzwischen sogar Ford und General Motors überholt hat, gehört zur den Mysterien der Gegenwart. Der Glaube der Investoren an die Innovations- und Strahlkraft der Marke muss jedenfalls sehr groß sein. Nun, die Welt wartet jetzt darauf, dass das Model 3 in großen Stückzahlen vom Band läuft und bestätigt, was durch das Model S angeschoben wurde: Die Zukunft wird elektrisch.

Hängende Flügeltüren 

Dazwischen aber hat Elon Musk das Model X positioniert, mit der 100-kWh-Batterie eine knapp 2,5 Tonnen schwere Fuhre, die vor allem wegen ihrer Flügeltüren für die zweite Sitzreihe auffällt. Wo die Dinger aufschwingen, halten die Menschen staunend inne. Bewunderung kann allerdings auch schnell in eine gewisse Häme umschlagen, wir haben es mit unserem Testwagen erlebt: Die eine Flügeltür blieb auf halbem Weg hängen, die Sensoren meldeten ein Hindernis, von dem weit und breit nichts zu sehen war. Die Reaktionen der Umstehenden waren deutlich: Seht euch die an, so ein Autos, und dann so was!

Schick, aber umständlich

Dass man jedes Mal die Flügeltüren hochfahren muss, wenn man seine Jacke auf den Rücksitz legen möchte, ist auf Dauer umständlich. Und ein echtes Manko sind die fehlenden Armlehnen für die Einzelsitze in der zweiten Reihe. Auch das Laden am Haushaltsanschluss verlief nicht immer reibungslos: Mal forderte das Display eine neue Abdeckklappe für den Stromanschluss, mal meldete es einen Ladekabelfehler – der Strom floss nicht. Tatsächlich waren das kleine Fehler, die sich beim zweiten oder dritten Anlauf in Wohlgefallen auflösten, aber erwähnt werden sollten.

Der Mitbewerber ist einen Schritt voraus

Wie sehr sich die Dinge in nur wenigen Monaten verändern können, erlebten wir dann im Fahrbetrieb: Das Model X verfügt über zwei Rekuperationsstufen, die über das riesige Zentraldisplay (noch immer große Klasse!) voreingestellt werden. Da ist beispielsweise Hyundai mit dem Ioniq einen wesentlichen Schritt weiter, dort kann der Fahrer über die Lenkradwippen zwischen drei Rekuperationsstufen nach Lust und Laune hin- und herwechseln, außerdem kann der Wagen vom Motor abgekoppelt werden und so segeln.

In fünf Sekunden auf Tempo 100

Das alles ändert allerdings nichts an der fulminanten Leistungsentfaltung des Amerikaners: Die 386 kW/ 525 PS treiben das große SUV mächtig voran, bereits nach 5 Sekunden knackt es die 100 km/h-Marke. Die Höchstgeschwindigkeit ist auf 250 km/h begrenzt. Wer die herausfährt, bekommt ziemlich schnell doch ein Reichweitenproblem, denn der Energieverbrauch wird hoch – der Strom schmilzt dahin wie Butter in der Pfanne. Füttert der Fahrer das Navigationssystem mit Zieldaten, bekommt er einen Überblick, wie sich sein Fahrverhalten auf den Energieverbrauch auswirkt. Das ist vorbildlich.

Ein Model X mit leerem 100-kWh-Akku an der Haushaltssteckdose wieder aufzuladen ist eine langwierige Geschichte. Doch da hat Tesla mit den Superchargern vorgesorgt. Während das Netz länderübergreifend immer weiter ausgebaut wird, herrscht bei den anderen Herstellern nach wie vor Flaute. Hier hat Elon Musk einen Vorsprung, derschwer aufzuholen ist.

Von Gerd Piper

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