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Urbaner Stromschlag

Urbaner Stromschlag: Smart im Test Urbaner Stromschlag

Ein kompaktes, munteres Auto mit gedieger Ausstattung, das zur Probefahrt bittet: Der neue Elektro-Smart will gleich mit drei Modellen das Potenzial des kleinen Stadtwagens ausreizen.

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Der E-Smart vor der Kulisse von Miami: In den städtischen Ballungszentren soll der Stadtfloh zeigen, dass Elektroautos heute schon mehr als eine saubere und voll alltagstaugliche Alternative sind. 

Quelle: Hersteller (4)

Reichweitenangst kennt man bei Smart nicht. Während andere Hersteller um jeden Kilometer kämpfen, um das allgegenwärtige Gespenst der Elektromobilität zu bannen und E-Autos endlich irgendwie in Schlagdistanz zu konventionellen Antrieben zu bringen, ist man bei Smart ganz gelassen. Der neue E-Smart schafft jetzt 160 Kilometer mit vollen Batterien, das sind gerade einmal 10 Prozent mehr im Vergleich zum Vorgänger. Die Gelassenheit kommt nicht von ungefähr: Nach rund 35 Millionen ausgewerteten Kilometern des Carsharing-Projekts Car-to-go weiß man, wie Smart-Fahrer ticken. Sie fahren täglich etwa 35 Kilometer, da lässt es sich mit einer Batterieladung gut ein paar Tage leben. Und weil sich der 21.949 Euro teure Smart fortwo electric drive mit staatlichem Umweltbonus auf unter 18.000 Euro drücken lässt, ist der kleine Stadtfloh auch finanziell ein interessantes Angebot.

Perfekt für urbane Lebensräume

Smart surft derzeit auf einer Welle des Glücks: Mit einem Zuwachs von 18,9 Prozent im vergangenen Jahr ist die Marke auf dem Weg nach oben. Und da es neben dem fortwo auch den forfour und das Cabriolet mit Elektroantrieb geben wird, ist der Hersteller der einzige weltweit, der von sich sagen kann, das gesamte Modellprogramm sowohl mit Verbrennungsmotoren als auch elektrisch anbieten zu können. Mit seiner Länge von 2,69 Metern passt der fortwo außerdem perfekt dorthin, wo die Automobilindustrie das vorerst größte Potential für Elektroautos sieht – in urbane Lebensräume.

Flink und wendig durch die Stadt

Zurzeit sieht die Situation noch so aus, dass ein Auto von hundert elektrisch unterwegs ist. Smart-Produktmanager Rouven Remp aber ist zuversichtlich: „Da wird sich in nächster Zeit etwas tun.“ Die Rechnung, die Remp aufmacht, ist einfach: Sollten große Städte dem Beispiel Londons folgen und, was wahrscheinlich ist, ihre Gebiete für Fahrzeuge mit konventionellen Antrieben dicht machen, schlägt die große Stunde des Elektroautos, und hier speziell derjenigen Modelle, die flink durch den Verkehr wieseln können. Mit seinem Wendekreis von 6,95 Meter ist der kleine Smart unbestritten der Star im Wettbewerb.

Überzeugendes Fahrverhalten

Aber natürlich wurde in der mittlerweile vierten Generation des E-Smart auch viel an der Technik gefeilt. Die neue Reichweite ist nicht nur nominell vorhanden, sie kommt laut Remp „auch beim Kunden an“. Die Batterie im Fahrzeugboden wurde optimiert, die 60 kW starke Maschine, die aus der Kooperation mit Renault stammt und aus Frankreich kommt, sorgt auch dank des Heckantriebs für ein äußerst munteres Fahrverhalten. Den Sprint an der Ampel von 0 auf 60 km/h legt der fortwo in 4,9 Sekunden hin. In der Praxis funktioniert das äußerst überzeugend, genauso übrigens wie das famose Handling des kleinen Kerlchens.

Mit dem On-Board-Lader kann das Fahrzeug künftig doppelt so schnell aufgeladen werden wie bisher, was allerdings auch ein wenig vom Stromnetz und den unterschiedlichen Länderspezifikationen abhängt. Ein neuer Schnelllader drückt den Strom in weniger als 45 Minuten von 0 auf 80 Prozent der Batterieladung. Produktmanager Remp: „In den meisten Fällen reicht aber der Haushaltsanschluss an einer ganz normalen Steckdose vollkommen aus.“ Mit dem Eco-Modus verfügt man außerdem über ein effizientes Fahrprogramm, die radarbasierte Rekuperation steuert die Energierückgewinnung nach Angaben des Herstellers je nach Verkehrslage.

Fahrzeuginfos per App abrufen

Die Fahrzeugvernetzung macht gerade bei Elektrofahrzeugen vieles möglich. So lassen sich per „smart-control“-App viele Fahrzeuginformationen von zuhause aus aufrufen, der Füllzustand der Batterie kann abgerufen und Ladezeiten können vorausberechnet werden. Aber auch Einstellungen, etwa an der Klimaanlage, lassen sich von der Couch aus verändern. Komfortfeatures wie Sitz- oder Lenkradheizung gibt es nur über die Optionsliste. Das ist insofern etwas schade, weil sie in einem E-Auto mehr als nur etwas Luxus sind. Über sie lässt sich im Winter beispielsweise die Reichweite verlängern, indem man die Heizung runterfährt – ein alter Trick in der Elektroauto-Szene.

Smarte Pilotprojekte

Weil man sich bei Smart ganz fest vorgenommen hat, das Gesicht der Mobilität im Kern zu verändern, gibt es die aus dem Car-to-go-Programm bekannte Mobile-Device-Box jetzt auch für Privatkunden. Mit der lässt sich beispielsweise ein privates Carsharing unter Kollegen, Freunden oder Familienmitgliedern aufbauen, auch könnte man sich Paketpost über Nacht ins Fahrzeug zustellen lassen – ein entsprechendes Pilotprojekt ist bereits in Stuttgart angelaufen. Ideen hat man bei Smart viele, ob und welche sich davon durchsetzen werden, hängt davon ab, wie sie vom Kunden angenommen werden. Der E-Smart kommt Anfang 2017 zuerst in den USA auf den Markt, danach folgt Europa mit dem Zwei- und Viersitzer.

Von Gerd Piper

Smart fortwo Electric Drive

Motor Drehstrom-Synchronmotor
Batterie Lithium-Ionen-Akku
Batteriekapazität 17,6 kWh
Leistung 60 kW/81 PS
Max. Drehmoment 160 Nm
0-100 km/h 11,5 s
Spitze 130 km/h
Reichweite 160 km
Co2-Emission 0 g/km
Länge/Breite/Höhe 2,69/1,66/1,56 m
Preis ab 21.949 Euro

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