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Der Oberklasse auf den Fersen

VW Tiguan TDI Blue Motion Der Oberklasse auf den Fersen

Der neue Tiguan von Volkswagen tritt in große Fußstapfen. Doch der neue SUV hat das Zeug, den Erfolg des Vorgängermodells zu wiederholen.

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Außen in vielen Farben, innen fast ein wenig zu dynamisch: Der neue Tiguan bietet viele Facetten.

Quelle: Hersteller

Ab Ende April wird er in den Hallen der Händler stehen: der neue Tiguan. Selten hat die VW-Welt die Einführung eines weiterentwickelten Erfolgsmodells mit so viel Hoffen und Bangen beobachtet. Bis zu 2500 Kilogramm Zuglast vermag das SUV zu schleppen – ein Spitzenwert in seiner Klasse. Doch die unsichtbaren Lasten, die über dem Verkaufsstart schweben, wiegen schwerer: Dieselgate, drohende Strafen und Entschädigungen in Milliardenhöhe, lahmende Rückrufaktionen, verunsicherte Mitarbeiter und Kunden. Hinzu kommen mehr als 30 SUV anderer Hersteller, die dem Deutschland-Marktführer den Rang ablaufen wollen. Da hilft nur eins: einen neuen potenziellen Testsieg-Abonnenten auf die Piste schicken. Doch wird das klappen? Wir haben den Tiguan unter die Lupe genommen. Zwei Tage in Berlin.

Foto: Ganz VW: Das Fahrzeugdesign ist ohne kühne Schwünge und mit vielen Geraden – damit eckt man nicht an.

Ganz VW: Das Fahrzeugdesign ist ohne kühne Schwünge und mit vielen Geraden – damit eckt man nicht an.

Quelle: Hersteller

Bemüht dynamisch

Die äußere Optik ist Volkswagen pur. Nicht anstößig, aber auch nicht aufregend. Eine Außenhaut ohne kühne Schwünge und mit vielen Geraden – damit eckt man nicht an. Kantig wird es nur im Innenraum. Ob Leisten, Luftausströmer, Griffe oder Ablagen: die vielen Fünf- und Sechsecke wirken arg bemüht dynamisch. Außen setzen Scheinwerfer und Rückleuchten in Schräglage dem Ebenmaß grundsolider Linienführung schnittiges Lichtdesign entgegen. Lobenswert, dass VW dem farblichen Karosserie-Einerlei insbesondere der asiatischen Konkurrenz – Schwarz und Weiß, Dunkelblau und Dunkelrot plus Silber in allen Schattierungen – eine elfteilige Palette entgegensetzt, die junggebliebenen Autokäufern neben den meistverkauften Standards auch frische Farben wie Habanero Orange oder Caribbean Blue offeriert.

Der Tiguan hat abgespeckt

Sechs Zentimeter länger, drei Zentimeter breiter und drei Zentimeter niedriger: Der neue Tiguan wirkt langgestreckter und nicht so pausbäckig wie sein Vorgänger. Zugleich bietet das auf Basis des modularen Querbaukastens ent- wickelte Fahrzeug mehr Gebrauchswert denn je. Auch großgewachsene Insassen sitzen überall luftig und bequem, und das gar acht Millimeter höher als im Vorgänger. Der Kofferraum fasst bei nach vorn geschobener Rückbank 615 Liter, bei umgelegten Rücksitzen gar 1655 Liter – voluminös. Wie viel Liebe die Entwickler in Details gesteckt haben, zeigt sich an den sechsfach verstellbaren Rücksitzlehnen. So kann man sich an die fehlenden Zentimeter für den Koffer herantasten, ohne die Hinterbänkler klappmessermäßig einzuschnüren.

Ein Oberklasseauto mit vielen Extras

Schon die Basisversion des Tiguan bietet neben den inzwischen klassenüblichen Standards wie Klimaanlage, Multifunktionsanzeige und vielen Airbags sinnvolle Ergänzungen wie ein Start-Stopp-System mit Bremsenergie-Rückgewinnung, die Spurhalteelektronik „Lane Assist“ oder ein spezielles Insassenschutzsystem mit dem Umfeld-Sicherheitssystem „Front Assist“. Auch Leichtmetallräder, kühlbares Handschuhfach und Lederlenkrad sind immer an Bord. Wer sich allerdings in der Sonderausstattungsliste verliert, kann einen 30.000-Euro-Tiguan schnell in ein 50.000-Euro-Oberklasseauto verwandeln – mit LED-Scheinwerfern, Navi, Panoramadach, Ledersitzen, Anhängerkupplung, Standheizung, Distanzregelung, Rückfahrkamera, konfigurierbarem Display, Parkpilot, schlüssellosem Schließ-/Startsystem, Offroad-Paket, Infotainment-Schnittstellen und und und.

Foto: Das Design im Tiguar mag zwar bemüht wirken, integriert jedoch allerlei elektornische Unterstützungssysteme.

Das Design im Tiguan mag zwar bemüht wirken, integriert jedoch allerlei elektornische Unterstützungssysteme.

Quelle:

Memory-Funktion für Sitze und Spiegel

Paare von unterschiedlicher Größe, die ihr Auto gemeinsam nutzen und den Fahrersitz schon tausendfach per Hand rauf- und runtergepumpt haben, wissen ein traurig Lied von der Verstellerei zu singen. Es gibt nicht viele SUV-Hersteller in der Tiguan-Klasse, die elektrische Sitze und Außenspiegel mit Memory-Funktion anbieten – VW schon. Warum die Wolfsburger diese Alltagshilfe aber nur im Paket für beide Vordersitze und nur in teurer Kombination mit Leder (3150 Euro Aufpreis beim Comfortline) anbieten und so auch die Vorzüge einer komplett umklappbaren Beifahrerlehne drangeben, ist ein Rätsel. Die Konzernschwester Skoda macht’s vor: Für den Yeti etwa kann man die Memory-Elektrik ausschließlich für den Fahrersitz für 580 Euro dazubuchen.

Überzeugendes Fahrzeug

Bei unseren Rundfahrten durch Berlin klemmte und klapperte nichts. Der Tiguan 2016 ist leichter als sein Vorgänger und doch verwindungssteifer. Die verbauten Materialien wirken hochwertig, die neu entwickelten Sitze bieten besten Halt, alle Schalter rasten präzise ein. Auch ist der Wagen gut gedämmt, liegt satt auf der Straße. Tempo 180 auf der Stadtautobahn erreichte unser TDI-Testwagen mit seinen 150 PS ebenso mühelos wie der noch etwas fixere 180-PS-Benziner. Doch nur wer auf die Stimme der Vernunft hört und seinen Tiguan im Eco-Modus behutsam durch den Verkehr lotst, kann die gelisteten Innerorts-Verbrauchswerte von 5,7 Liter pro 100 Kilometer (150-PS-TDI, 6-Gang, Vorderradantrieb) oder 9,0 Liter (180-PS-TSI, 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe, Allradantrieb) schaffen.

Zum Verkaufsstart bietet VW drei Motoren an, bis Juni soll die komplette Antriebsphalanx von vier Dieselaggregaten (115 bis 240 PS) sowie vier Benzinmotoren (125 bis 220 PS) bestellbar sein. Der günstigste Fronttriebler (TSI 6-Gang, 125 PS, Trendline) kostet 25.975 Euro. Unser Fazit: Der neue Tiguan hat das Zeug, wieder ganz weit nach vorn zu fahren. Der VW-Konzern kann’s brauchen, derzeit mehr denn je.

Von Michael Zgoll

Daten

Motor: 2,0-Liter-Vierzylinder Diesel

Leistung: 110/150 kW/PS

Getriebe: Sechsgang-Handschaltung

Max. Drehmoment: 340 Nm

CO 2-Emission: Euro 6, 123 g/km

Beschleunigung (0–100 km/h): 9,3 s

Höchstgeschwindigkeit: 204 km/h

Länge/Breite/Höhe: 4,49/1,84/1,65 m

Verbrauch: 4,7 l

Leergewicht: 1568–1808 kg

Kofferraum: 520–1655 l

Preis: ab 30.025 Euro

Fazit:

↑ hochmodernes, komfortables SUV mit großer Variationsbreite

↓ Sonderausstattung teuer, Garantieverlängerung nur gegen Aufpreis

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