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Wie von einem anderen Stern

Im Model X von Tesla auf Probefahrt Wie von einem anderen Stern

Mit dem Model X zeigt Tesla einmal mehr den anderen Automobilherstellern, dass Elektromobilität schon heute perfekt funktioniert.

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Tesla Model X: Das Design wird bei den Amerikanern großgeschrieben.

Quelle: Hersteller (4)

Er ist nach Ansicht vieler seiner Zunft um Jahre voraus: Elon Musk gilt als der Visionär der Elektromobilität. Für sein erstes SUV, das Model X, hat die Auslieferung in Deutschland gerade begonnen. Ein Auto der Superlativen, innovativ, leistungsstark, luxuriös. Wer so ein Auto einmal gefahren ist, will nie mehr etwas anderes fahren, sagen Tesla-Fans. Wir sind ihm begegnet und haben es ausprobiert.

Mobiles Schwergewicht

Das Auto ist groß, breit und schwer. Mit mehr als 2,4 Tonnen sehr schwer. Und es ist verdammt elektrisch. Alles lässt sich irgendwie per Knopfdruck, auch übers Smartphone, bewegen. Selbst die mächtigen Flügeltüren im Fond schwingen majestätisch per Knopfdruck auf. Im Cockpit finden sich noch genau zwei Tasten: eine für das Handschuhfach, die andere für das Warnblinklicht. Alle anderen Bedienelemente sind in den Tiefen des 17-Zoll-Touchscreens verschwunden, der die gesamte Mittelkonsole wie ein riesiges Tablet beherrscht und die Funktionen des Fahrzeugs verwaltet. Das Interieur, die Sitze, das Design atmen die strenge Kühle einer neuen Zeit. Wer den behaglichen Barock deutscher Premiumprodukte schätzt, muss mit diesem Innenraum erst einmal ein bisschen warm werden.

Doch schon nach den ersten lautlosen Metern, die man mit dem Model X zurücklegt, schwindet die Vorsicht der ersten Begegnung. So leicht wie ein Flügelschlag gleitet das mächtige Auto über den Asphalt. Philipp Oelbermann, Manager des Hamburger Tesla Store, der unsere Testfahrt begleitet, streicht über den Monitor und erklärt das komplexe Management: „400 Kilometer Reichweite  sind immer gesetzt. Damit erledigt man im Normalfall alle Fahrten, die in einer Woche anfallen, ohne nachladen zu müssen.“ Denn anders als bei anderen E-Autos scheinen die Kapazitäten der im Fahrzeugboden versenkten Batterien unbegrenzt zu sein, egal, ob man die Klimaanlage anhat, Musik hört oder mit anderen Verbrauchern spielt.

In 3,4 Sekunden auf 100

Dass das Model X in der stärksten seiner drei Ausführungen alle anderen SUVs dieser Welt in Grund und Boden fährt, ist das nächste Ausrufezeichen, das sich Hersteller wie Porsche, BMW oder Mercedes zu Herzen nehmen sollten: In 3,4 Sekunden von null null auf 100 km/h schafft keiner, egal, wie donnernd seine Motoren aufheulen. Unser Testwagen mit je einem Elek-tromotor an Vorder- und Hinterachse, die elektronisch miteinander verbunden sind, schafft den Sprint in 5,0 Sekunden – unter Starkstrom, nahezu lautlos, wie von einem anderen Stern.

Das Auto fährt allein

Auf der A 2 in Richtung Dortmund schaltet Oelbermann das autonome Fahrprogramm ein, jenes Programm, das in den USA einen tödlichen Unfall verursacht hat. Bis 150 km/h sucht sich der Wagen von nun an seinen Weg, geht selbstständig um Kurven, bremst ab und beschleunigt. Das können die Programme anderer Hersteller auch, doch Tesla lässt seinen Fahrern mehr Freiheiten: Das Programm fordert erst nach rund zwei Minuten eine Rückmeldung, dass der Fahrer noch an Bord ist, was ihn allerdings nicht von der Verantwortung für sich und das Fahrzeug entbindet. Und ja, es kostet einige Überwindung, die Füße von der Pedalerie zu nehmen und sich ganz dem Auto zu überlassen. Aber es funktioniert, der Wagen reiht sich nahtlos in den Verkehr ein und schwimmt selbstständig mit. Jetzt wäre der Zeitpunkt gekommen, um mal einen Blick in die Zeitung zu werfen – was wir natürlich sein lassen.

Laden am edlen Supercharger

Dafür geht es an den nächsten Supercharger, eine jener Ladestationen, die Tesla inzwischen über die ganze Welt verteilt hat, 59 sind es hierzulande, das reicht, um die gesamte Bundesrepublik abzudecken. Hier können Tesla-Fahrer ihr Auto zum Nulltarif ans Netz hängen. Der Strom wird mit einer derartigen Wucht in die Batterien gedrückt, dass die Spanne eines Kaffees ausreicht, um kurz mal 250 Kilometer nachzuladen. Könnten andere E-Autos nicht auch mal an dieses Netz, möchte ich wissen. „Klar“, sagt Oelbermann und lacht, „theoretisch ginge das, aber sie würden dabei in Flammen aufgehen.“ Die modernen Ladestationen auf der anderen Seite des Parkplatzes, die den E-Autos anderer Marken zur Verfügung stehen und bei Bedarf erst freigeschaltet werden müssten, kommen einem plötzlich vor, als hätten sie Archäologen aus der Steinzeit ausgebuddelt. Teslas Batteriemanagement ist so perfekt, dass es auf die Minute angibt, an welchem Supercharger man wie lange laden muss, um beispielsweise von Hannover nach Nürnberg zu kommen. Das ermöglicht Reisen über lange Distanzen, kostenlos und emissionsfrei, „weil wir die Supercharger mit grünem Strom betreiben“, sagt Oelbermann. Dass man im Innenraum einen leichten Überdruck erzeugen kann, um beispielsweise Smog draußen zu halten, ist ein weiteres einzigartiges Schmankerl.

Am Ende der Ausfahrt mit dem Model X hat sich mein Bild von der Autowelt auf dramatische Weise radikalisiert. Elon Musk, so viel steht fest, beweist, dass die Elektromobilität nicht nur eine Vision mit vielen aktuellen Macken ist. Sie ist faszinierend. Und der Rest der Automobilindustrie muss sich fragen lassen, auf welchem Planeten sie mit irgendwelchen elektrischen Fingerübungen die Zeit verschlafen hat.

Von Gerd Piper

Tesla Model X

Reichweite  je nach Modell 355–489 km
0-100 km/h 3,4*–6,2 s (* Batteriebegrenzte Motorwellen-Höchstleistung)
Drehmoment 525–967 Nm
Höchstgeschwindigkeit 210–250 km/h
P 90 D 510 PS vorne, 262 PS hinten
90 D 262 PS vorne, 262 PS hinten
75 D 262 PS vorne, 262 PS hinten
60 D 262 PS vorne, 262 PS hinten
C0 2-Emission 0 g/km
Länge/Breite/Höhe 5,04/2,28/1,69 m
Kofferraum 2180 l (bei 6 Sitzen)
Anhängelast 2268 kg

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