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Suzuki Cappuccino: Ein Zwerg auf Kaffeefahrt

Verkehr Suzuki Cappuccino: Ein Zwerg auf Kaffeefahrt

Er hat weniger Leistung als ein Kleinwagen und fühlt sich schneller an als jeder GTI. Und obwohl er zu Tausenden produziert wurde, ist er seltener als ein Mercedes Flügeltürer. Das alles macht den Suzuki Cappuccino zu einem begehrten Oldtimer.

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Der 660 Kubikzentimeter große Motor sorgt in dem leichten Cappuccino für ausreichend Fahrspaß.

Quelle: Wim Woeber

Bensheim. "Verträgt der schon Benzin oder braucht der noch Milch?" Wer mit dem Suzuki Cappuccino an die Tankstelle fährt, muss sich auf dumme Kommentare gefasst machen. Denn mit seinen 3,30 Metern sieht der Roadster nicht aus wie ein Sportwagen, sondern wie ein Spielzeugauto für Große.

Auf dieses Maß hat sich Suzuki allerdings nicht aus Spielerei beschränkt. Sondern die Japaner sind einem strengen Kalkül gefolgt: Als sie den Wagen Anfang der 1990er präsentieren, ist er der erste und einzige Roadster unter den sogenannten Kei-Cars. In der Länge auf 3,39 Meter und im Hubraum auf 660 Kubikzentimeter beschränkt, genießen diese Winzlinge in Japan gravierende Steuervorteile und kommen deshalb in guten Zeiten auf ein Drittel der Neuzulassungen.

Im Rest der Welt will davon fünf Jahre vor der Erfindung des Smart aber noch niemand etwas wissen. Fast niemand zumindest. Aber auch wenn das Internet noch nicht geknüpft ist, macht die Kunde von diesem Bonsai-Roadster bei den PS-Fans die Runde, und bei Suzuki stehen irgendwann die Telefone nicht mehr still, erzählt Firmensprecher Jörg Machalitzki. Die Entwicklung eines Linkslenkers wollen die Japaner zwar nicht riskieren. Doch zumindest eine Kleinserie von 1000 Autos schiffen sie in den Jahren 1994 und 1995 nach Europa.

Auch wenn sich die Welt 20 Jahre später - dem Smart, dem Fiat 500 und dem Cappuccino-Erben Daihatsu Copen sei Dank - an kleinere Autos gewöhnt hat, sieht der Suzuki heute noch immer aus wie ein Spielzeug. Aber genau deshalb fühlt man sich am Steuer plötzlich wieder jung. Und wenn man aufs Gas tritt, schlüpft man in die Rolle des Stuntmans Evel Knievel, so flink und wendig treibt man den Wagen mit dem winzigen Lenkrad durch die Landschaft. Die 46 kW/64 PS und 86 Nm des Dreizylinders mögen dabei zwar mickrig klingen, fühlen sich aber bärig an, wenn sie in einem Auto von nur 725 Kilo zu Werke gehen.

Dass man im Cappuccino so viel Spaß hat, liegt vor allem daran, dass man den Wagen auf der Landstraße fast ständig am Limit bewegt. Während man die kraftstrotzenden Roadster von Mercedes, Porsche oder aus Italien abseits von Autobahn und Rennstrecke fast ausschließlich mit Standgas fahren kann, braucht man im Cappuccino einen Bleifuß. Dann allerdings erweist sich der 657 Kubikzentimeter große Dreizylinder dank seines Turbos als wilde Drehorgel. Wer nur fest genug zutritt, der knüppelt den Kleinstwagen in 8,0 Sekunden auf Tempo 100, und wenn die Tachonadel bei 140 Sachen am Anschlag hängt, dann fühlt sich das an wie in einem Lamborghini bei 200 km/h.

Man hat also den gleichen Spaß wie in einem historischen Sportwagen, muss sich aber nicht mit einem schlechten Gewissen plagen. Dass man trotzdem ständig eine Tankstelle sucht, liegt nicht am großen Durst des kleinen Autos, sondern an seinem winzigen Tank: Viel mehr als 20 Liter bekommt man einfach nicht hinein.

Vor das Vergnügen einer solchen Kaffeefahrt haben die Entwickler allerdings die Arbeit gesetzt. Denn der Cappuccino ist nicht nur Spielzeugauto, sondern auch Bausatz, Puzzle und Gymnastikgerät in einem. Ein Bausatz, weil man das Dach schrittweise in vier Teilen von Hand demontiert: Erst nimmt man die beiden Platten über den Passagieren heraus. Wer mehr Luft will, entfernt auch noch den "T-Bar" dazwischen. Wenn auch das nicht genug ist, verschwindet auch noch die Heckscheibe, und der Cappuccino wird zum Targa.

An ein Puzzle erinnert der Roadster, wenn man versucht, die Dachteile in einen Kofferraum zu friemeln, der kleiner ist als das Handschuhfach in modernen Geländewagen. Ohne Geduld und Spucke wird das nichts, erst recht nicht ohne Kratzer. Und ein bisschen Gymnastik braucht man schon deshalb, weil man mit europäischem Körperbau sonst kaum in die Sitze und erst recht nicht hinter das Lenkrad passt.

All das ändert aber nichts an der Begeisterung für den Roadster. Und für seine Begehrlichkeit. Denn bei gerade noch etwa 70 angemeldeten Autos in Deutschland und wenigen Hundert in Europa ist der von 1991 bis 1997 knapp 30 000 Mal produzierte Cappuccino hierzulande seltener als jeder Mercedes Flügeltürer. Aber er macht fast genauso viel Spaß und ist zumindest in dieser Liga ein absolutes Schnäppchen.

dpa

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